4th Time Around würden auch für die SVP spielen...
Text: Ko:L
Bilder 4th Time Around
Es regnet in Thun und die drei Basler, die da auf Besuch sind, um ein Konzert in der Strättligburg zu spielen, sind gewiss nicht zu beneiden. „Ist schon nicht so geil. Aber das wird schon gut gehen“, sagt Andy. Die gute Laune lassen er und seine beiden Mitstreiter Tobi und Marc wegen Regen nicht verderben. Und schon gar nicht wegen aufsässigen Fragen: „Eine Band, die sich im Singer-Songwriter/Americana-Teich tummelt benennt sich nach einem Dylan-Song. Ist das nicht etwas billig?“, frage ich. „Absolut!“, sagt Tobi und die drei Jungs Lachen. In einem Dylan-Songbook seien sie auf 4th Time Around gestossen, fährt Tobi fort. „Das hat gepasst – auch weil eine Zahl am Anfang steht. Da kommst du ganz weit oben im Alphabet.“ Logisch, dass das Gespräch von Bob Dylan rasch zu Politik in der Musik abdriftet: „Dylan wurde immer wieder politisch gemacht“, sagt Tobi und Bassist Andy ergänzt: „Er hat das selbe gemacht, das wir auch tun: Das Leben betrachtet und in Liedern umgestzt.“ Politisch sein sie deshalb noch lange nicht, macht Tobi klar: „Wir würden auch für die SVP spielen – aber auch für die Grünen“, schiebt Andy nach.
An irgendwelchen Parteitagen mussten 4th Time Around bisher noch nicht spielen. Die Situation, in die sie sich manövriert haben, ist zu komfortabel: Als junge Band, die sich dem Americana moderner und zeitgenössischer Ausprägung verschrieben hat, bewegen sich die Jungs in einem Segment, in welchem die Konkurrenz in der Schweiz deutlich weniger gross ist, als anderswo. „Das kommt uns sehr zu gute“, erklärt Andy. „Es kommen viele derartige internationale Acts in die Schweiz. Wenn die Veranstalter nun noch einen einheimischen Support suchen, sind wir oft ziemlich schnell an Bord, weil es nicht so viele andere gibt.
So sind 4th Time Around junge Männer, die sich einer Musikrichtung verschrieben haben, bei der weitgehend noch die Gründer-Generation das Ruder in der Hand hält – und die bisweilen entsprechend gewisse Anzeichen einer Überalterung zeigt. Wie kommts? „Wir kommen alle aus einer etwas anderen Ecke“, erklärt Tobi, der Sänger und Gitarrist. „Andy driftet manchmal etwas in die Elektronik ab, ich orientiere mich eher in Richtung Bluegrass und in der Mitte trifft man sich. Bei Johnny Cash.“ Marc ergänzt: „Unser Sound ist ja auch nicht ein reiner Folk oder reiner Americana. Wir machen einfach Songs.“ Nach der ersten, sehr schlichten EP 2005 präsentierte das Quartett letztes Jahr einen ersten Longplayer, auf welchem es sich punktuell klar erkennbare Ecken und Kanten zugelegt hatte. „Bei uns sind alle ins Songwriting eingebunden“, versucht Marc, ebenfalls Sänger und Gitarrist, zu erklären. „Und weil nicht einer alleine die Songs schreibt, passen alle ihr Ding an und es entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik.“ Und ein breites musikalisches Spektrum, das unter anderem auch Möglichkeiten für Auftritte verschiedenster Couleur eröffnet. Im Volkshaus vor den Lovebugs oder im Kleintheater - 4th Time Around fühlen sich wohl. „In einem Kleintheater kannst du nicht reinknallen. Aber wir lieben beides, das Laute und das Leise. Und mit unserem variablen Songmaterial können wir beides sehr gut abdecken“, sagt Andy.
Passieren tun diese Konzerte – derzeit gut 20 pro Jahr – in der regel in der Deutschschweiz. „Der Band-Röschtigraben exisitiert halt schon noch“, stellt Marc wie schon so viele vor ihm leicht konsterniert fest. „Freiburg war der westlichste Gig, den wir bisher spielen konnten“, fügt Andy an. Wie alle anderen in der Band spielt auch er noch in anderen Projekten mit, wobei sich Marc und Tobi einig sind: „4th Time Around ist bei uns allen die Haupt-Band.“ Die anderen Projekte seien mehr dafür da, all jene musikalischen Gelüste noch ausleben zu können, die bei 4th Time Around nicht zum Zug kommen.
Definitv atypisch für eine Gruppe junger Männer ist der CD Titel „Morning Prayer“ und Andys Erklärung dazu – bevor er gesteht, eher ein Morgenmensch zu sein: „Dieses 'Morgengebet' ist für mich ein metaphorischer Titel. Wir behandeln zutiefst menschliche Themen, die man durchaus in einem religiösen Kontext betrachten kann, obschon dieser nicht beabsichtigt ist. Es geht bei diesem Titel also nicht eigentlich um einen Glaubens- oder Gebetsakt, sondern um die Stimmung des Aufwachens und in den Tag hinein Rutschens.“ Was sich schon fast mystisch liest dürfte für alle nachvollziehbar sein, die früh morgens aufstehen – und das Glück haben, diese mit offenen Augen tun zu dürfen. „Die Stimmung am Morgen hat durchaus etwas Spirituelles“, fügt Tobi an.
Alles andere als spirituell sind die Jungs in Sachen Ambitionen: „Mein Ziel ist, mehr Konzerte zu spielen und irgendwann eine zweite Platte zu machen“, sagt Andy – wohl wissend: „Das tönt sehr nach typischer Schweizer Band, die nicht alles auf eine Karte setzen will. Das stimmt für uns wohl – ist uns aber ziemlich egal. Denn das heisst nicht, dass wir nicht um die bestmögliche Qualität unseres Sounds bemüht sind.“ - „Du kannst nämlich qualitativ auch gut sein, gerade weil du nicht gross bist“, schliesst Marc, während es in Thun immer noch regnet. Gut möglich, dass auch das eine Qualität von 4th Time Around ist: Die Band lässt sich auf ihrem Weg nicht beirren.