Aarefeld – die Richtung ist klar
Text: Debi
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„Wir haben darin investiert, uns zu finden“, sagt Sänger Joel über seine Mundartband Aarefeld. Nach eineinhalb Jahren Bandgeschichte arbeiten die Mundartmusiker an einer CD. „I ha mis Härz hie ds Thun am rechte Fleck hie ds Thun bini dihei“, singt Joel Stalder. Und sang sich so am Schadaufestival in die Herzen vieler. Als der Thun-Song entstand – aus diesem stammen die vorliegenden Zeilen , gabs die Band von Aarefeld im Rücken des Sängers noch gar nicht. „Ich habe Leute für einen Gig gesucht“, lacht Joel im Interview. Andreas Menzi (heute am Bass) unternahm aber bereits vor zehn Jahren mit Joel die ersten musikalischen Gehversuche. „Als Joel mit der Idee von einer Band ankam, hab ich erst immer dankend abgelehnt, dann aber doch eingelenkt“, erzählt dieser. Auch die restlichen Mitglieder der aktuellen Besetzung Anicia Rütti (Piano), Thomas Thüler (Gitarre) und David Mägert (Drums) – waren alle mit Joel bekannt.
Und um den grössten Irrtum gleich vorweg auszuräumen: Aarefeld ist keine Thuner Band. Aber beinahe. Daher auch der Name: Die Musiker stammen aus dem Feld zwischen Thun und Bern, dem weitläufigen Feld der Aare. Dennoch hat die Band einen starken Lokalbezug. Joel spricht vom Motto „Der Stadt bestes T(h)un“. Und: „Für mich ist es wichtig, an dem Ort was zu bewegen, wo man zuhause ist.“ Diese Einstellung sei mehr Message als Programm. „Daher könnten wir den Song auch in Bern oder Zürich bringen“, ist er überzeugt. Aber die Idee der Lokalität sei wichtig und dass man an diesem Ort auch seine Aufgaben wahrnimmt. Wenn der angehende Sozialarbeiter singt, so ausschliesslich Mundart. „Das ist die Sprache, die mir angeboren ist.“ Das war nicht immer so: „Ich habe in meinen Teenager-Jahren fast nur englisch gesungen. In Coverbands und in Gospelchören. Ich dachte damals einfach, dass englisch zu Musik grundsätzlich am besten tönt.“ Doch heute sagt er, er komme seinen Texten nie so nahe wie wenn er Berndeutsch singe.
Gespielt hat die junge Band – es gibt sie knapp eineinhalb Jahre – bisher am Hünegg-Openair, am Thunfest und hat weitere zwei, drei kleinere Gigs über die Bühne gebracht. „Das ist bezeichnend“, sagt Joel, „wir haben darin investiert, uns zu finden.“ Unterdessen sind Richtung und Schrittempo bei Aarefeld klar. An der Identität als Band indes arbeitet das Quintett noch. Dennoch sei Aarefeld eine gesetzte Band, ein sicherer Wert. „Wir haben die Teenagerjahre eigenständig überlebt, und sind erst nach den Wanderjahren zusammengekommen,“ gesteht Joel ein. „Ja, wir haben auch die Jugend nicht zusammen verbracht“, fügt Ändu an. „Und zudem stammen wir aus verschiedenen musikalischen Richtungen.“ Bei der Zuordnung sind sich die beiden dann doch nicht mehr ganz sicher, wer in welche Schublade gehört: Dävu („Funk, mags auch gerne hart“), Tom („eigentlich ein Hardrock-Gitarrist“). Und Joel? „ich bin ein kleines Kommerzschwein“, sagt der. „Ich mag eingängige Refrains.“
Und wir gleiten tief in die nächste grundlegende Diskussion: Macht man Musik, die, wie Joel mutmasst, einer musikpolizeilichen Untersuchung standhält, oder macht man Musik, die sich schlicht anhört? Joel plädiert fürs Letztere. Weil er als Songschreiber dem Text wesentlich mehr Gewicht beimisst. „Kennst Du Nick Hornby?“ Fragt er, um mich zu überzeugen. „Das hat für mich sehr mit dem Leben zu tun. So, als ob Du auf einen Turm steigst und nach unten guckst, und Dich fragst, ob Du fliegen sollst – doch dann doch die Treppe nach unten nimmst.“
Die eingängige Musik von Aarefeld baut also in erster Linie auf dem Text auf. „Ja“, sagt Joel und sinniert: „Das Wort trägt aber immer auch eine Melodie in sich.“ Sein Anspruch: Text und Musik müssen sich sehr nahe sein. Eine CD mit zwölf Songs ist in Planung. „Momentan sind wir
fürs Studio“, sagt Ändu. Im Juli will die Band mit den Aufnahmen bei Serge Christen (Modern Day Heros), Massive Sound in Nidau beginnen, im Herbst sei das Album voraussichtlich fertig. „Damit identifizieren wir uns und unsere Songs“, sagt Ändu.