Acapulco Stage Divers - Ahoi Nacht Ahoi Camerado (Kuenschtli.ch)
4.5.2011; Text: Monthy, Bild: Cover
Kontrovers ist man normalerweise eher, weil man laut ist. Das können die "Bühnenspringer von Acapulco" zwar auch, wenn es sein muss. Schliesslich stammen sie ursprünglich aus dem Bereich "Gitarrengeschrümme", wie sie heute mit einem Lächeln zugeben können. Was in den Anfängen vielleicht noch nicht so definiert war, ist es mittlerweile. Der Indie-Rock ist ruhig geworden - und doch kontrovers geblieben. Man sagt von der Band, dass sie gewisse Leute mit ihrer Gefühlsduselei richtiggehend vor den Kopf stosse. So verfügen einige Songs beispielsweise nur über ganz wenig gesangliche Konturen und auch musikalisch bleibt manches im Bereich des Bodennebels. Die Zürcher spielen auf ihrem offiziell dritten Werk mehr denn je mit Emotionen und romantischen Sujets. Etwa die Seemanns-Romantik, die sie mit dem Albumtitel anspielen. Obwohl es längst nicht mehr "Junge, komm bald wieder" heisst, liegt dem Werk genau diese Sehnsucht zu Grunde. Weil ASD aber eine Band sind, die gerne gegensätzliches verbindet, ist "Ahoi Nacht Ahoi Camerado" aber nicht am Meer entstanden sondern in den Bergen. Genauer in einer Waldhütte in Davos, wo schon der Vorgänger "Rom" einst gestaltet wurde. Die teils akustischen, teils elektrifizierten Tracks operieren alle eher im Low-Noise-Bereich und laden zum tiefer Hineinhören ein. Die Themen und Texte von "Ahoi Nacht..." sind aus dem Alltag gegriffen und behandeln oft das Gemüt des Menschen. Wer sich an ihnen stört, findet vielleicht sogar, dass sie einem ins Persönliche reinreden. Getreu dem Motto: "Hier bist du Mensch, hier darfst du es sein", haben auch Dinge wie Hadern oder Lamentieren Platz, ohne dass das Album deswegen ein melancholiches wäre. Was die Acapulco Stage Divers aber nicht für sich in Anspruch nehmen können, sind die Urheberrechte für Teile ihrer Philosophie. So gipfelt der Song "Versuchen Verstehen" beispielsweise in der Allgemeinweisheit "Liebe ist alles - ohne Liebe ist alles nichts". Die wahrsten Wahrheiten sind ja auch schon längst gesagt... Auch was sie selbst sagen, tönt oft mehr nach Lebensweisheit, dies noch verstärkt weil das Individuum direkt auf einer persönlichen Ebene angesprochen wird. Der oben erwähnte Song ist wirklich an der Grenze zu "Gschpürsch mi?". Die Aussage "Lasst uns weinen, wenn uns danach ist", zeigt aber auch, wieviel Mut und Sensibilität in den Texten steckt. Speerspitze unter den 11 Songs - und also lauch der Radiosong - ist mit "Peggy Sue" dagegen eine gutgelaunte Banjo-Ballade mit heller Stimme, die die Suche nach dem Glück thematisiert. Die Vielfalt der menschlichen Gefühle spiegelt sich eben auch im Werk der Acapulco Stage Divers. Und das ist gut so - sonst...