Stern - Kein Hochglanz-, aber doch irgendwie ein Star
Text: KooL
Bilder: Stern
Spätestens seit Sterns "Ich ha nur wölle wüsse" von den Schweizer Radios rauf und runter gespielt wird, wissen wir definitiv, dass nichts dabei ist, eine männliche Schlampe zu sein - und wir wissen, dass auch Rock in anderem Dialekt, als Bärndütsch sexy klingen kann. Gleich mit dem Opener "Einisch meh" zeigen der Aargauer und seine beiden Kumpels Peter Haas und Géza Burghardt, wo´s lang geht: Eingängige Melodien, rockige und schön dreckige Gitarren und Chörli, die sich in den Gehörgängen festsetzen. Junger rotzfrecker Rock, der sich aber keineswegs von belanglosen Inhalten zerstören lässt. Stern singt über "wenig Erfundenes, viel mehr selber Erlebtes oder bei Freunden Beobachtetes." Und "manchmal über Wunschträume". Die Liebe, das Leben und die Kumpels sind Sterns Themen - und auf Schwizzerdüütsch kommen diese halt so richtig schön rüber, bleiben hängen und lassen den Zuhörer sich selber erkennen. "Der Schlagzeuger meiner ersten Band wollte zwar immer, dass wir unsere Songs auf Schweizerdeutsch machen, aber irgendwie war ich da noch nicht bereit für. Ich wollte viel lieber in der Spache meiner Helden singen - und die sangen halt allesamt in Englisch."
Heute ist Stern 28jährig, hat sein eigenes musikalisches Profil gefunden - und damit auch den Mut zur Mutterspache: "Je mehr englische Songs ich schrieb, desto mehr fiel mir auf, wie wenig Bedeutung meine Texte hatten. Und das, obwohl ich bei anderen Bands immer stark auf Texte achtete. So wagte ich meine ersten Versuche auf Schweizerdeutsch und war - fasziniert! Plötzlich konnte ich nicht mehr einfach etwas aufschreiben mit dem Gedanken ´hmm, tja, irgendwie wird´s wohl stimmen´, sondern jeder Satz, sogar jedes einzelne Wort hatte seine ganz konkrete Bedeutung und ich eine klare Meinung dazu. So wurde ich viel kritischer meinen eigenen Texten gegenüber - und dieTexte wurden viel wichtiger!" Dass er als Fast-Dreissiger mit seinen Geschichten über (vor allem) unglückliche Liebe wohl mehrheitlich weibliche Teenager anspricht, stört den Vollblutmusiker "überhaupt nicht. Zumal das Publikum bei unseren Konzerten alters-, wie auch geschlechtsmässig ziemlich ausgeglichen ist." Und dann fügt er mit einem Augenzwinkern doch noch an, dass "ein leichtes Übergewicht auf der jungen und weiblichen Seite" festzustellen ist...
Trotzdem sieht sich Adrian Stern nicht als "Hochglanzrockstar". Die Musik und die Texte sind sein Ding - das zeigt sich auch in der Gestaltung des CD-Covers: Ein Krokodil ist dabei, Sterns Kopf zwischen seinen beiden mächtigen Kiefern zu zerquetschen. "Ich hab immer gern Bands mit Covers gehabt, die sich nicht allzu ernst nehmen. So habe ich eines Abends am Kompi mit Kroko-Bildern vom Internet und Selbstportraits von mir herumgespielt - und damit die Rohfassung zum heutigen Cover gebastelt. Was mich nachträglich ziemlich erstaunt, ist, dass die Idee einfach so aufgenommen und umgesetzt wurde!" Schlicht sein - das ist sein Ding. Und doch ist da ein Traum: "Ich würde gerne einmal in San Fransico leben!" Und Stern könnte sich sogar vorstellen "so, mit der englischen Sprache um mich herum, wieder englische Songs zu schreiben". Vorerst kommt aber ein "Sprachwechsel" nur dem internationalen Erfolg wegen nicht in Frage, auch nicht auf Hochdeutsch: "Es ist einfach was extrem anderes, in seiner eigenen Sprache zu singen. Schön blöd, dass die Schweiz so klein ist!... und erst noch dreisprachig..."