Adi, Romy und ein kleines bisschen Monthy
Text/Bilder: Monthy
Adi Weyermanns Montagslokal Nummer 51 brachte interessante Neuigkeiten, eine wohl einmalige Neuerung und eine Premiere der - zumindest für mich - ganz besonderen Art. Der Reihe nach... Die Festivitäten der Jubiläumsausgabe mit Olifr M. Guz schienen zwar ausgeheilt, als der Solo-Künstler in seiner charmant kollegialen Art den Abend eröffnete. Mit der Ankündigung, das Montagslokal im Juni vorläufig auf Eis zu legen, weckte Weyermann den eingeschläferten Kater beim einen oder anderen aber gleich wieder auf. Grund für die Massnahme ist das anstehende dritte Album, das den Zürcher wieder - wie schon sein Debut La Poeta - in die Welt hinaus treiben wird.
Diese Info musste natürlich zuerst verarbeitet werden. Allerdings liess Weyermann mit seiner frappanten Solo-Musik keine Wehmutsgefühle aufkommen und das Publikum genoss den Abend deshalb nur noch intensiver. Obwohl ich Adi nun schon öfter alleine auf der Bühne gesehen habe, nimmt die Faszination über sein Tun nicht ab. Ganz im Gegenteil. Anhand seines Klassikers "OG Dance" will ich Euch mal beschreiben, was auf der kleinen Bühne des El Lokal dabei so abgeht. Am Anfang des Songs steht der Wunsch von Stammgast Moritz, den Song mit Gitarre und Klavier zu hören. Adi bringt seine Gitarre zum Singen, sampelt einen ganz leisen Part und loopt ihn. Dann spielt er das Ende des Riffs markant hinzu und loopt auch dies. Während er sich dann ans Keyboard begibt, wiederholt der Sampler das Riff und bildet so das Song-Bett. Rund zwei Minuten sitzt Adi, die Gitarre auf den Knien, am Tasteninstrument und singt dazu die erste Hälfte von "OG Dance".
Für den zweiten Teil des Songs steht er wieder auf und spielt die Lead-Guitar über seinen immer noch laufenden Sample. Nach dem Solo setzt sich Weyermann ans Drum und spielt sich einen Rhythmus dazu. Auch diesen loopt er, bevor er wieder aufsteht und den nun ziemlich kompletten Song an der Gitarre zu Ende spielt. Sowas liest sich schon nur äusserst kompliziert... Nach solchen Mustern spielt Adi Songs wie Jimi Hendrix´ "Hey Joe" oder Stücke von Bob Dylan und natürlich seine eigenen Songs. Wie er das mit dem Timing auf den Loops hinkriegt, ist mir immer noch ein Rätsel. Weyermanns Montagslokal beweist eindrücklich, dass Musik eigentlich Kunst ist, und nicht einfach nur Unterhaltung.
Der zweite Teil des Abends gehörte dann Adis Gästen, speziell Romanie Marty, Ex-Sängerin der mittlerweile aufgelösten Dembahl. Das erfüllte mich mit einem gewissen Stolz, ist doch der Kontakt der beiden irgendwie auch auf meinem Mist gewachsen. Romy´s erster Beitrag, ihr eigener Song "A certain Feeling", erstaunte das Publikum, das sich wohl kurzfristig im Opernhaus wähnte. Sie selbst empfand es als angenehm, mit einem Adi Weyermann auf der Bühne zu stehen: "Wie im eigenen Wohnzimmer..." Bei der Songauswahl hatte sie vor allem darauf geachtet, dass sie "die Sau rauslassen kann", wobei sich diese Aussage vor allem auf ihre wunderbare Stimme bezieht. "Übrigens war das für mich eine Premiere. Bei Dembahl habe ich ´A certain Feeling´ gar nie live dargebracht", verriet mir die junge Zürcherin. Auch die beiden anderen Songs waren handverlesen. - "Alice in chains´ ´Down in a hole´ hat mir schon immer das Herz geschüttelt und bot sich auch an, weil ich es mit Adi im Duett singen konnte. Zum dritten Song: Chris Cornell ist der Hammer. Die ganze CD Euphoria Morning, die er `99 nach der Auflösung von Soundgarden herausgebracht hatte, hat´s mir sehr angetan. Ich musste mich nur für einen Song entscheiden und ´When I´m down´ ist einfach am gefühlvollsten."
Und die beiden Stimmen harmonierten denn auch. Darauf angesprochen meinte Romy: "OK, Adi hat eine sehr samtene, aber auch sehr volle Stimme. Ich habe es natürlich genossen, diesen Refrain mit ihm so inbrünstig zu zelebrieren." Als die obligate Nervosität vor dem Auftritt abgelegt war, hätte sie am liebsten noch lange weiter gemacht. - "Schade, ist es schon vorbei. Nach dem dritten Song ist man erst so richtig warm..." Das galt auch fürs Publikum, das an diesem Abend aber noch mehr geboten bekam. Adi hatte in den Radios Zürisee und 3fach junge Talente dazu aufgerufen, sich bei ihm mit Songs zu melden. "Genau vier Einsendungen habe ich erhalten", meinte er gequält lächelnd, enthielt sich aber einer Wertung dieser Tatsache. Ich glaube nicht, dass dies auf das Fehlen von Talenten in diesem Land zurück zu führen ist. Vielmehr ist es ein Indiz, dass Musiker nicht unbedingt Radio hören... Immerhin stimmte die Qualität der Einsendungen, was die Auserwählten Timothy und Urs mit je drei Songs bewiesen. Timothy, der eigentliche Gewinner des kleinen Wettbewerbs, musste mir dann auch noch verraten, wie es ist, mit einem Adi Weyermann auf der Bühne zu stehen: "Grandios. Er ist ein Super-Musiker und man darf sich glücklich schätzen von einem wie ihm begleitet zu werden!"