Weyermann - Musiker oder Bademeister...
Text: Monthy
Bilder: Cover, Monthy
Das Montagslokal, welches Adi Weyermann bis letzten Sommer regelmässig mit Gastmusikern im El Lokal durchführte, hat geholfen. Weyermann ist durch die gesteigerten Anforderungen, die einem Solomusiker halt einmal begegnen, zu einem der technisch versiertesten Musiker des Landes geworden. Ich konfrontiere ihn erstmal mit diesem Kompliment und stelle in den Raum, dass damit die richtigen Entscheidungen aber noch nicht getroffen sind. Adi stimmt mir zu: "Erstmal danke fürs Kompliment - ich habe tatsächlich das Gefühl ein guter Musiker zu sein. Die richtigen Entscheidungen kann man aber nur mit der nötigen Erfahrung fällen. Das Montagslokal hier im El Lokal zu machen, war so eine. Ich habe hier meine Spielwiese, kann sagen, was ich machen will und habe doch immer die Referenz hinsichtlich Publikum. Ich muss immer aus dem Moment heraus etwas entstehen lassen, das stimmt. Ich muss auf die anderen eingehen mit all ihren Vor- und Nachteilen. So habe ich auch gelernt zu unterscheiden, wem ich einfach gerne zuhöre, weil er mich fasziniert, und wer mit mir und meiner Arbeitsweise besonders gut funktioniert."
Viele Bands legen besonderen Wert darauf, festzuhalten, dass alle Mitglieder der Gruppe ihren Teil zu den Songs beitragen. Nicht so bei Weyermann, der sich seit der Einsargung von Crank 2001 als "Soloact mit Support" versucht. Gab es nun bei der Produktion keine Probleme, etwa weil Adi zu viel für andere Musiker denkt? - "Es war super, dass ich von allen Pool-Musikern den Ernstfall, also das Verhalten auf der Bühne, gekannt habe. Es ist quasi meine Aufgabe als Produzent zu merken, wen ich wie brauchen und wer mir was geben kann. Auch als Songwriter bin ich mittlerweile so weit, das für die anderen Musiker in meinem Kopf zu entwickeln."
Musikalisch zeigt "Pool" einen total neuen Weyermann – mit einer Einschränkung: Bei Crank hatte ich Adi schon in solch ungehobeltem Ton gehört. Back to the Roots? - Adi: "Ja, hinsichtlich meiner Palette als Gitarrist, hinsichtlich meines Umgangs mit Riffs. Nämlich nicht aus sich selbst heraus, sondern ergänzend in einem Song, der auch akustisch funktionieren würde. Das bin wohl einfach ich, das bringe ich nicht weg. Ich habe im Montagslokal auch gemerkt, wie gerne ich die elektrische Gitarre habe und auch mal Lärm mache." Also war das Zurückfinden zu den Wurzeln ein längerer Prozess? - "Ja, weil ich es mir halt auch lange nicht eingestehen wollte. Weil ich das Gefühl hatte, etwas neues, etwas anderes machen zu müssen. Als es um die Wurst ging, hat es mir dann sehr geholfen, dass die Platte von vornherein sehr genau geplant war."
"Pool" tönt nun dementsprechend rockig, ohne aber schnell oder hart zu sein – Jetzt kann ich mich an Montagslokale erinnern, bei denen es noch hiess: "Solche Songs bleiben draussen." Hält sich Weyermann nun doch für einen Rocker oder nicht? "Es war auf dem Album total so geplant und entstand stark unter dem Einfluss von Luca Ramella. Ich halte mich allerdings wirklich für einen Rocker. Rock'n'Roll war und ist für mich der Grund, Musik machen zu wollen. Auch Strawinski ist für mich eben Rock'n'Roll und geht extrem an die Nieren. Ich bin aber auch gerne in Berührung mit den Menschen im Raum, was ab einem gewissen Lautstärkepegel einfach nicht mehr möglich ist. Deshalb habe ich die rockigen Songs im Montagslokal nicht zugelassen." Um Weyermanns Entwicklung zusammenfassen, könnte man ihn auf folgendes reduzieren: Das grosse Talent bei Crank, die öffentlich harsch kritisierte Melancholie auf "La Poeta", eine lässige Nonchalance auf "Home" – Pool fasst das alles zusammen, ist aber für mich wie ein grosser Befreiungsschlag. Für Adi auch? - "Total, ja. Als mich jemand fragte, worum es auf dem Album gehe, habe ich gesagt: 'Um Freiheit.' Wenn ich die Texte genau analysiere, taucht sie immer wieder auf. Es ist eine Befreiung von den Zwängen, Erwartungen und von dem Bild, das andere Leute von mir haben. Wo 'Home' für mich noch mehr ein Wehren war, ist 'Pool' nun eine Befreiung"
Ist "Pool" aber nun die Abkehr vom "grossen Pop", den Adi mit seinen bisherigen Solo-Alben präsentiert hat? "Auf dem gleichzeitig produzierten zweiten Album 'Wood' sind dann natürlich vor allem wieder poppige Songs drauf. Ich habe das ganz klar getrennt und es hat mir sehr geholfen, die Songs auf zwei Alben aufzuteilen. Ich musste sie beispielsweise nicht vergewaltigen, um auch noch die grosse Linie reinzubringen. Für 'Pool' gilt so ein bisschen: It's only Rock'n'Roll but I like it…" Dieser grosse Pool von Songs, genau 26 nämlich, die Weyermann für seine beiden Alben bereit hatte, stellte Adi dann doch noch vor einige Probleme... "Der Song 'Street' war zum Beispiel am Anfang ganz leise und hat dann an einem Nachmittag im Studio so ziemlich alle Phasen von akustisch über Country bis hin zur Hardcoreversion durchlaufen. Das war eine richtige 'Soumoore'! Nachdem Helge schliesslich einen tollen Gitarren-mix erstellt hatte, war klar, dass 'Street' aufs Album 'Pool' gehört." Dass das Album so heisst, hat übrigens nichts mit den Namen "Weyermann" zu tun. Sollte es aber mit der Musik wider Erwarten doch irgendwann einmal nicht mehr weitergehen, würde wohl jede Badeanstaltat den "Pool-man" mit Handkuss als Bademeister nehmen.