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Aextra - Endlich wird Mundartrock zu MundHardrock

Text: Ko:l
Bilder: aextra
aextra sind die logische Folge von zwanzig Jahren Stromgitarrenmusik. Allesamt in den späten Siebzigern geboren haben die vier Jungs aus der nähern und weiteren Thuner Umgebung den Sound der elektrischen Gitarre schon mit der Muttermilch in sich hinein gesogen. Dementsprechend klingt auch der Erstling des Quartetts, wie die Band schlicht auf den Namen "aextra" getauft. Viel Gitarre, ein dezent eingesetztes Keyboard, gradliniges sattes Drum, getragen von einer süffigen Stimme, die über Lieben und Leben und Träumen im Alltag sinniert. Was altbacken tönt ist ganz sicher nicht neu - aber die Karten wurden neu gemischt. Noch nie war Berner Mundartrock derart schnörkellos, derart kantig und rauh, aber dennoch melodiös und eingängig. Und noch nie klang Hardrock ohne Englisch so sexy. aextra schaffen was anderen bisher nicht gelungen ist: Rockmusik amerikanisch, erdig und satt klingen zu lassen, praktisch ohne poppig-weiche Loops auszukommen und dennoch ehrlich und ungehemmt in urchigem Berndeutsch zu singen. Dass das Quartett von den beiden Gölä-Kompagnons Zlatko Perica und T.J Gyger produziert wurden trägt sicher zu diesem ganz eigenen, satten amerikanischen Sound bei. Ob die beiden aextra allerdings in den Schweizer Rock Himmel hieven können, muss die Zeit zeigen. Im Gästebuch auf www.aextra.ch ist auf jeden Fall schon eine herrliche Kontroverse zum Thema aus gebrochen. Fast wie damals, als die Schweizer Medienlandschaft sich die Zähne ausbiss, am Versuch, Gölä einzuordnen und zu erklären.
Trespasss traf Sänger Schibä und Gitarrist Kusi zum feierabendlichen Smalltalk auf dem Thuner Mühleplatz

Gratulation zu eurem Einstieg in die Charts. Habt ihr damit gerechnet?
Schibä: Nein - aber es ist natürlich geil, gleich nach einer Woche schon in den Charts auf zu tauchen. Aber wir wissen noch völlig nicht was das bedeutet.
Kusi: Wir müssen jetzt mal schauen, wie´s weiter geht. Ich meine, was ist schon eine Woche. Zudem kann ich das Ding noch gar nicht einordnen. Wir haben auch noch keine Verkaufszahlen.

Wieviele SMS und E-Mails habt ihr denn euren Freunden und Verwandten geschickt, damit sie eure Scheibe kaufen?
Schibä: Ich hab´s einigen Cousins und Cousinen gesagt, dass die Platte in den Läden ist. Weil sie mich schon seit Wochen gelöchert haben von wegen "Sag uns dann wenn die CD draussen ist".

Was ist euch als Feedback wichtiger - die Anzahl verkaufter Tonträger oder Echos von Fans und Freunden?
Schibä: Beides ist wichtig. Die Chart Plazierung sagt uns ob unser Sound generell in Ordnung ist oder nicht. Wenn aber die Leute kommen und sagen "Hey, die Songs drei und vier sind ganz geil, bei Track sechs habt ihr aber ziemlich daneben gegriffen.", dann hilft uns das weiter. Wir merken, was wir mit unseren Songs auslösen, wen wir ansprechen und wen nicht.
Habt ihr schon Reaktionen auf der Strasse, dass euch wild fremde anhauen und sagen "Du bisch dä vo aextra"?
Schibä: Es geht. Es sind weniger Leute, die uns direkt anhauen, als dass man merkt, dass einem der eine oder die andere nachschaut. Wobei das auch mehr jene sind, die man hier in Thun schon vom Sehen kennt, vom Ausgang im Orvis oder Mokka.
Kusi: Richtig aufgefallen ist mir das ganze nach dem Artikel im 20 Minuten. Wir waren am selben Abend hier auf dem Mühleplatz und da gab es wirklich drei, vier, bei denen hast du richtig gemerkt, wie sich versuchen, dein Gesicht ein zu ordnen; wie sie immer wieder rüber geschaut haben und sich
gefragt haben "Woher kenn ich den?" nur wegen dem Foto in der Zeitung.

Unter euren Kollegen ist es hinlänglich bekannt, dass euer Sound - obwohl von Kritikern als hart bezeichnet - eigentlich sehr soft ist verglichen mit dem was ihr früher gemacht habt. Habt ihr euch zähmen lassen, um die Platte zu verkaufen?
Schibä: Nun - aextra ist ein Produkt von mindestens vier Köpfen. Und da ist es ganz logisch, dass sich alle anpassen müssen. Kusi, Ändu und Rolf haben punkto Lautstärke und Härte sicher zurück gesteckt. Ich hingegen war eher noch poppiger drauf.
Kusi: Unsere vorherige Band bestand schon lange bevor wir Schibä kennenlernten. Als wir uns entschieden zusammen was zu machen entschieden wir uns auch dafür, mal was anderes zu machen.

Trotzdem seid ihr immer noch hart, verglichen mit Bands wie Scream oder Plüsch. Einige sagen zu hart...
Schibä: Mag sein. Aber wir sind halt nun mal eine Band, die gitarrenlastigen Sound mag und macht. Und wenn wir völlig einen auf Pop machen würden, dann wären wir auch nicht mehr ehrlich, gerade vor dem Hintergrund, den du eben angesprochen hast.

Mit zwei Gitarren, einer Stimme und einem Drum, dafür ohne Bass setzt sich aextra nicht zusammen wie jede andere Rockband. Hört man das eurem Sound an?
Kusi: Kaum. Es war ja diese Geschichte mit unserem Bassisten, der uns kurz bevor wir ins Studio gingen verliess. Und so begannen wir die Aufnahmen mit einem Studiobassisten, der später durch einen Kumpel von Ändu ersetzt wurde. Die Zusammenarbeit mit ihm klappt sehr gut, wir haben einen Haufen Spass und
er wird uns auch auf unserer Tour begleiten. aextra wird aber bis auf weiteres eine vierköpfige Band bleiben, nicht zu letzt auch, weil wir gerade in Sachen Songwriting ein gutes Team sind und weil vier Meinungen besser unter einen Hut zu bringen sind, als fünf.

Hat dieser Platten Vertrag mit einem Majorlabel eure Einstellung zur Musik und zum Musizieren irgendwie verändert? Früher habt ihr zum Plausch Musik gemacht und heute arbeitet ihr plötzlich in einem völlig
professionalisierten Umfeld.
Schibä: In Sachen Einstellung hat sich bei mir nichts geändert. Was sich aber geändert hat sind all die Erfahrungen, die ich bei der Arbeit zur Zeit sammeln kann. Wir haben das Glück mit einer professionellen Firma mit einem tollen Team zusammen arbeiten zu können und es ist schlicht unglaublich, welch grossen Schatz an Erfahrungen ich - wir - da holen können.
Kusi: Ebenfalls spannend war die Erfahrung, dass die Leute von der Plattenfirma Menschen wie du und ich sind. Ich denke einige von uns haben ihre Meinung über Majorlables revidiert - weil wir gemerkt haben, dass da tatsächlich eine Zusammenarbeit vorhanden ist.
Schibä: Es herrscht auch überall dieses Klischee, dass die Plattenfirma einem vorschreibt, was man sagen muss, wie die Band sich zu kleiden hat, was sie zu spielen hat. Und ich muss sagen bei uns entspricht das völlig nicht den Tatsachen...

Aber Moment - ihr seid die erste junge Rockband, die mir sagt, dass sie glücklich sei, mit einem Major zusammen zu arbeiten. Im Normalfall scheuen Nachwuchsbands doch die Majors wie der Teufel das Weihwasser?
Schibä: Weisst du, es ist nicht so, dass Sony wie der grosse Bruder über uns bestimmt. Die Plattenfirma ist mehr wie ein fünftes Bandmitglied, das bei allen Entscheiden mit dabei ist, aber keineswegs allein entscheiden oder bestimmen kann.
Ist es denn auch ein Dürfen, wenn man sich von allen und jedem für jedes Käseblatt interviewen lässt?
Kusi: Am Ende wollen wir ja auch, dass unsere Platte und damit unsre Musik unter die Leute kommt, das ist doch klar. Und da gehört es halt dazu, dass man diese Promoarbeit macht. Solange wir noch unseren Spass haben daran... vielleicht ist das in zehn Jahren anders. (lacht)
Schibä: Und auch hier wird uns nichts vorgeschrieben. Wenn wir ein Inti nicht machen wollen aus ideologischen oder weiss ich was für Gründen, weil das Blatt in eine Richtung geht, die uns völlig gegen den Strich geht, dann machen wir´s nicht.

Eine Frage, die ihr sicher noch tausend Mal beantworten dürft, ist die nach eurer Nähe zu Gölä. Was sagt ihr einem Journalisten, der euch vorhält, ihr seid bloss Gölä für Teenager?
Schibä: Es liegt in der Natur des Menschen, Vergleiche zu suchen - wenn du eine schöne Frau siehst, passiert es dir auch, dass du denkst "Die erinnert mich an diese und jene". Und so ist es mit uns und Gölä. Wir machen unser eigenes Ding, schreiben eigene Lieder, machen eigene Texte. Ich vergleich´s immer mit Äpfel und Birnen: Beide sind Früchte, aber beide schmecken anders.

Aber zwei Drittel des noch bestehenden Gölä-Trios, Zlatko und T.J haben eure CD produziert...
Schibä: ...aber wir haben die beiden nicht beigezogen, weil sie mit Gölä gearbeitet haben und erfolgreich waren. Sondern weil Kusi und Ändu bei Zlatko Gitarre spielen lernten, und weil sie langjährige Kollegen sind. Kommt dazu, dass wir ein Produzenten-Team wollten, das wir kennen, das aber auch uns kennt, unsere Wünsche und Vorlieben, ein Team, das uns aber auch unsere Grenzen aufzeigen kann.

Ist das nicht ein seltsames zusammen arbeiten? Wenn gute Kumpels plötzlich für die paar Wochen im Studio zu einer Art Chef werden?
Schibä: Das lief soweit ganz sauber. Wenn mal im Studio was nicht lief, wie es sollte, wenn ich Mist gesungen habe, dann hiess es klar "Mann streng dich an, wir kommen nicht weiter". Die Hierarchie war klar. Dann gings zum gemeinsamen Essen und die ´Chef- und Angestellter´-Rollen blieben, drin, beim Essen waren die Kumpels. Das selbe, wenn´s mal ein bisschen gar hektisch zu und her ging im Studio. Am Abend haben wir die Meinungsverschiedenheiten im Studio lassen können und zusammen noch gemütlich einen schnappen können.
Kusi: Und auch da haben wir im Endeffekt wieder enorm viel gelernt. Wenn ich eine Ewigkeit und drei Tage an einem Solo basteln wollte, dann hiess es plötzlich Mal "Hey, reiss dich zusammen, wir haben keine Zeit zum Tüfteln. Wir haben einen Release-Termin einzuhalten." Klar wussten wir das auch - aber sie mussten das Ding durchziehen, uns manchmal halt zur Arbeit antreiben. So haben wir gelernt, was es bedeutet, konzentriert und zielstrebig zu arbeiten. So gesehen wurde unsere Einstellung doch irgendwie professioneller - wir haben gemerkt, dass wir plötzlich nicht mehr unendlich "chöi bäschtele" und das tut sicher jedem gut.
Schibä: Kommt dazu, dass die beiden überhaupt über einen enormen Erfahrungsschatz im Business allgemein verfügen. Wir haben auch viel darüber geredet, wie es sich überhaupt anfühlt in der Öffentlichkeit, wie man mit Bekanntheit umgehen kann, was es heisst schlechte Kritiken oder Unwahrheiten zu ertragen.

Wie geht´s nun weiter mit aextra? Punkto Tour und so?
Schibä: Ende Monat sollte es eigentlich losgehen, sobald Rolf das Militär hinter sich hat. Unsere Agentur ist auf jeden Fall heftig dran, Gigs für uns zu buchen.

Steht schon fest, mit wem ihr spielen werdet?
Kusi: Fix sind mal sechs Konzerte im Vorprogramm von Florian Ast. Und dann werden wir sehen - hoffentlich eine eigene, wenn´s gut geht sogar etwas ausgedehntere Klubtour machen.

Tourdaten und alle weiteren Infos über aextra gibt´s im Netz:

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5/17/2012 4:50:35 AM Administrator
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