Aextra - Hinterbänkler bitte vortreten
Text/Bilder: Monthy & Eve
Statt immer nur Schibä, den Sänger, wollen wir doch einmal die Gitarristen von Aextra zu Wort kommen lassen. Monthy und ich sprachen uns vorher kurz ab, einigten uns auf ein paar stichwortartige Fragen die wir stellen wollen und schnappen uns die Jungs nach dem Auftritt am Thunfest und der in der Heimat unvermeidlichen Autogrammstunde. Ändu reagiert etwas irritiert, aber als wir ihm versichern, dass keine Fragen die Zukunft betreffend gestellt würden, nimmt er gelassen bei Monthy Platz, der ihn mit einem Scherz über seine Namensschwester an der Krone-Reception begrüsst (man stelle sich vor, man hat ein Interview mit Andreas Siegrist und trifft dabei Andrea Siegrist...). Ich schnappe mir Kusi und verziehe mich mit ihm ans gegenüberliegende Ende der Bar...
Zum Aufwärmen wollen wir von den beiden wissen, wo denn Aextras grösster Auftritt war? Beide schwanken und wer Aextra kennt, weiss vielleicht auch warum. Auftritte gab´s schliesslich bisher nicht wenige. Kusi meint dazu wohl vor allem mit Vorfreude auf kommende Gigs etwas unschlüssig: "Einer der grössten war sicher heute Abend das Thunfest. Wir haben schon ein paar Openairs, zum Beispiel Hoch Ybrig, gespielt und es kommen unter anderem noch Gampel, Rugenrock und Huttwil. Es geht also noch weiter und wir freuen uns auf jeden Fall." Ändu tut sich weniger schwer mit seiner Auswahl, kommt aber zum Schluss aufs gleiche raus wie sein Kollege: "Für mich war Tufertschwil sehr überraschend. Wir haben dort auf der ersten Tour gespielt, so um vier, fünf Uhr herum. Sommeropenairstimmung, alle hingen so mit den Sonnenschirmen ab und wir haben uns ein bisschen darauf eingestellt. Das ist ja auch nicht weiter schlimm... Bei unserem Soundcheck sammelten sich aber dann irgendwoher Tausende - kann man schon sagen, wirklich. War wohl einfach auch perfektes Timing für uns und dann hatten wir einen Bomben-Gig! Die Leute sprangen bis hinten zum Mischpult und für uns war es eines der ersten grösseren Openairs nebst Hoch Ybrig, welches mit Fernsehen und Regen etwas schwieriger war. Dann muss ich einfach sagen: Thun! Das hast du heute auch wieder gesehen - Der Rathausplatz, aber auch als wir in der Berntorgasse spielten, das ist für mich einfach der Hammer! Das Konzert in Tufertschwil und Thunfester."
Natürlich wollen wir auch gleich noch wissen, was denn DER Traumauftritt für Kusi und Ändu wäre? Ändu überlegt nicht lange, und hält weiterhin seiner Heimat die Stange: "Oberstes Wunschziel wäre für mich der Gurten - auf der Gurten Hauptbühne. Das ist das Openair, das ich auch oft besuche und wäre für mich einfach das Grösste. Schon nur der Artist-Pass... Wer weiss, vielleicht ist das ja gar nicht so weit weg und könnte in Erfüllung gehen..." - Kusi schwelgt etwas weiter in der Weltgeschichte herum. "Das ist mit Aextra schwierig. Im Ausland - in einem ausverkauften Wembleystadion. Aber das ist natürlich ein Traum."
Nach dem legeren Einstieg stochern wir nun schon etwas tiefer und interessieren uns für: Ein typisches Aextra Erlebnis... Kusi: "Da gibt es viele. Sicher auf der letzten Tour, als wir mal in Saas Fee gespielt haben. Das war über Ostern und wir sind zwei, drei Tage früher gegangen, um noch etwas Ski zu fahren. Jedenfalls ist von einem lieber Ungenannten, der die Treppe heruntergefallen ist und sich den Kopf aufgeschlagen hat (nicht weil er besoffen war, sondern weil er die Höhe nicht vertragen hat und auch nichts gegessen hat), bis hin zu Schibä, der von der Bühne fiel und auf dem Schnee ausgerutscht ist, so einiges passiert, und - na ja, die Walliser sind halt punkto Festen einfach super..." Als ob Aextra noch dazu animiert werden müssten. Schliesslich tun sie genau das selber, nämlich unterhalten und so weiss auch Ändu spontan etwas dazu: "Es gibt viele Erlebnisse unter uns Jungs. Wir nehmen uns ja oft auf und machen dann so Homevideos daraus. Dabei entsteht sehr viel Gruppendynamik und wir haben eine ´h... Fröid´. Das ist das eine. Das andere Aextra-Feeling und für mich auf dieser Tour auch mehr und mehr durchdringend entsteht auf der Bühne. Wo man - denke ich - eben extrem gut merkt, dass wir eine Band sind. Aextra sind ja eigentlich vier und dann haben wir noch die beiden Tourmusiker. Das gab immer so eine Diskrepanz. Wir waren wirklich sehr traurig als Walä wegen der Schule und dem viel grösseren ersten Tourprogramm als ursprünglich angenommen, ausstieg. Maso passt jetzt aber wirklich sehr gut in die Band. Wir kommen auf die Bühne - egal ob wir zB mit dem Sound etwas zu kämpfen haben so wie heute - wir sind eine Band."
Wir werden frecher und fragen nach dem Fotogensten dieser Band. Kusi sagt - vielleicht in der Hoffnung auf einen Doppelpass - nur: "Das weis ich nicht... Ändu?" Dieser hingegen werweisst, aber es fällt ihm nicht ein, Kusi heraus zu picken: "Ich weiss, in meinem Herzen bin ich extrem schön... Der Fotogenste? Ich weiss nicht so recht. Ich finde Schibä fotogen, Kusi, auch Rolf - eigentlich alle ausser mich... Aber da kann man nichts machen, da ich zur Band gehöre, müssen die armen Fotografen mich halt trotzdem knipsen..." Natürlich hat auch das durchaus den immer noch sehr interessanten Hintergrund, Aextra mal nicht in Schibä´s Worten erklärt zu bekommen. Augenzwinkernd haben wir natürlich auf den nicht hässlichen Leadsänger anspielen wollen und haken nun nach, warum gerade er so etwas wie das Aushängeschild von Aextra, speziell in den Medien ist. Kusi erklärt: "Er ist der Sänger und meistens geht es ja um den. Auch wenn es die Band dahinter braucht. Bei uns heisst es nicht Schibä & Band, sondern WIR sind Aextra. Ihr macht das Interview hier ja auch mit uns zwei Gitarristen... manchmal ist es nur Schibä, manchmal sind wir zu zweit oder zu dritt - da ist der Bandzusammenhalt schon sehr gross." Ändu gibt schon zu, dass der "Fokus uf Schibä" liegt - "Wir haben uns natürlich auch hinsichtlich dieses Interviews - nur mit mir und Kusi - vorab mit Schibä verständigt, das ist ganz natürlich. Unsere Devise ist schon, er ist normalerweise immer dabei. Er ist halt der Catcher. Wenn ich an Züri West denke, fällt mir auch zuerst Kuno Lauener ein, bei Patent Ochsner Büne Huber. Damit musst du dich als Musiker sowieso abfinden und Schibä nutzt das auch nicht aus."
Dass es aber trotzdem eine Hierarchie gibt in der Band, beziehungsweise eine Aufgabenverteilung, ist unser nächstes Thema. Kusi bekräftigt: "Ja, Schibä ist der Sänger und somit zuoberst. Gitarre, Drum und Bass, das ganze Rhythmuszeug ist gleichwichtig, die Hierarchie ist dort nicht irgendwie grob abgestuft." - Ändu gewährt mir einen Blick in die Funktionsweisen der Band - "Schibä macht das halt schwergewichtig. Andere Dinge lasten auf Kusi, Rolf oder mir und in meinem Gebiet bin ich dann der Meister - sag ich mal. Wir teilen uns die Jobs auf und sind so ein gutes Team." Wir wollen es jetzt wissen - Hinterbänkler vor! Gibt es keinen Frust, in der zweiten Reihe? Ändu verneint und scheint dem Ton in seiner Stimme nach zu urteilen darüber fast selbst erstaunt - "Eben irgendwie nicht. Bei uns kann das irgendwie gar nicht passieren, weil wir sehr viel miteinander reden, recht offen sind dabei. Wir sind nun schon seit 2000 zusammen, anfangs waren sieben Leute in der Band vielleicht daher... Wenn wir das Gefühl haben, etwas stimmt nicht, dann ´räblets´ innerhalb einer Woche. Einer ruft dann den anderen an und sagt: ´Lue, fingi nid ir Ornig´. Dann geht man einen zusammen trinken und bespricht das. Die Tourmusiker sind in Sachen Entscheidungen in der Band natürlich eher aussen vor, dafür beziehen wir sie live wirklich voll mit ein." Kusi bestätigt und hat erkannt, dass auch die Fans das durchaus wissen: "Nein, überhaupt nicht. Heute als die Band vorgestellt wurde, hast du gesehen, da brüllen sie bei jedem gleich laut. Es ist nicht bei Schibä 1000 Dezibel lauter als bei den andern. Da bemerkt man schon, es ist die Band, die auf der Bühne steht. Das wissen ja die Leute schon und es ist, glaube ich, jedem klar - nur mit einem Sänger geht es nicht."
Aextra spielt, zumal für einen Mundart-Act von zart bis hart. Wir versuchen herauszufinden, wie hart die Gitarren-Sektion es am liebsten hätte. Beide stossen ins gleiche Horn und zeigen, dass die Bandschwüre von zuvor, gar nicht etwa leeres Geschwätz waren. Ändu sagt: "Ich finde es absolut eine gute Mischung. Ich denke auch ein nächstes Album wird in die Richtung gehen wie unser aktuelles." Kusi meint: "Nein, ich glaube so, wie wir es jetzt auf der zweiten Platte machen, ist es gut für mich. Es ist ein guter Ausgleich, zwischen harten, manchmal ziemlich harten Stücken, und gleichwohl ein paar poppigen Balladen. Ich höre sehr gerne Toto oder Bon Jovi und die machen es ja ähnlich. Die gehen auch vom harten ins Langsame hinein, schreiben wunderschöne Balladen und trotzdem machen sie geile Rocksongs. Das ist schon das, was mir passt."
Um unser Versprechen, die Zukunft von Aextra nicht mit Fragen zu tangieren, einzuhalten fragen wir zum Schluss folgendermassen: Welche drei Songs würdet ihr, unabhängig davon, ob ihr das nun machen wollt oder nicht, wählen, um sie auf Mundart umzuschreiben und zu spielen? Kusi nennt gleich vier Songs, aber nur von zwei Bands: "Born to be my Baby von Bon Jovi, oder vielleicht ein Rosanna von Toto wäre sicher auch gut, das kennen die Leute. Von Bon Jovi gäbe es noch einige, It´s my Live, oder Blaze of Glory wäre auch einer... Ob wir das überhaupt machen würden? Für auf ein Album eher Nein. Aber für Live habe ich den Vorschlag schon gebracht. Für die nächste Tour kann ich mir schon vorstellen, dass wir mal einen Bon Jovi Song oder so nehmen, den auf Berndeutsch umschreiben und so spielen. Ich finde es immer gut, so wie zum Beispiel Polo Hofer bei Memphis, den Song nach Möglichkeit eins zu eins zu übersetzen." Ändu ringt mit sich, kann sich aber nur für einen wirklich entscheiden - "Angels von Robbie Williams, daran haben wir uns schon mal fast gemacht. Dann... du überfragst mich fast - ich müsste mir da was aus den Fingern saugen. Für Kusi müsste ich noch einen von Toto nennen und von Bon Jovi. Dann wären wohl alle happy." Übereinstimmung in allen Punkten und interessante Ansichten, die sich - Zeichen eines gesunden Teamworks - nicht derart extrem von dem unterscheiden, was uns Schibä jeweils erzählt. Der kommt nächstes Mal wieder dran und hatte für einmal, zumindest von unserer Seite her, frei. In Thun mag das aber ziemlich relativ sein für so einen... Leadsänger