Aextra und der Zauber des Mundartrock
Text: DasSchaf
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Nach dem doch regnerischen Start des Open Quer Zell zeigte sich am Tag zwei gnädigerweise die Sonne. Da der Boden vor der Bühne eher einem Schlammbad als einer Wiese glich, hatte man Stroh hingeworfen, sodass die Fans wieder mehr oder weniger matschfrei und ohne Probleme mittanzen konnten. Als die Thuner Band Aextra die Bühne in Beschlag nahm, hatten sich schon einige Fans im weichen Stroh eingefunden. Frontmann Schibä legte gewohnt souverän los und hiess sein Publikum charmant herzlich willkommen. „Schade, dass wir so früh spielen mussten“, so Schibä nach dem Gig zu mir, „wenn die Leute noch vom letzten Abend ein wenig verkatert herumtingeln, ist es nicht immer einfach, alle zu erreichen. Aber wir haben unser Bestes gegeben und den Fans hats glaube ich auch gefallen.“ Er grinst. Auf den heiligen Brettern ist Schibä im Element, ein unvergleichlicher Charmeur. Immer wieder kommuniziert er mit seinem Publikum, heizt die Fans an, holt sie aus den Festbänken vor die Bühne, bringt sie zum mitsingen, mitjohlen, mitklatschen.
Anfangs doch noch ein wenig verhalten, taut die Menge nach und nach völlig auf, und als die Band den Aextra-Hit „Füür u Flamme“ anspielt, singen alle aus voller Kehle mit. Doch nicht nur die soften Balladen kommen an, Aextra haben mit ihrem aktuellen Album „Himmu & Höll“ einen Schritt weg vom sanften Mundartrock zu dreckigeren rockigen Riffs gemacht – und den Fans gefällts, Mundart gepaart mit Gitarrenbrett. Ab und an merkt man, dass Schibäs Stimmbänder noch nicht ganz kuriert sind. Schon länger doktoriert der Sänger an einer Stimmbandentzündung rum, die irgendwie nicht recht ausheilen will. Zum Tourstart musste er sogar Konzerte absagen, doch scheinbar befindet sich Schibäs Instrument auf dem Weg zur vollständigen Genesung. „Das ist halt eine langwierige Sache, die Geduld braucht. Wir habens aber gut im Griff und wissen jetzt, was wir tun müssen, damit die Stimme ein Konzert lang durchhält“, erklärt Schibä. Er scheint in Form zu sein – und hält ohne Probleme durch. Gitarrist Kusi: „Das ist halt so ein Ding mit der Stimme, du kannst nicht einfach neue Stimmbänder aufziehen, wie wir auf der Gitarre Saiten. Die Stimme ist ein derart empfindliches Instrument. Aber es kommt gut, man muss einfach Geduld haben.“
Trotz Regenwolken am Himmel hält das Wetter vorerst und wir rocken fröhlich mit Aextra in den frühen Abend. „Das ist die Herausforderung an den Openairs: erreiche neben deinen Fans auch all die Menschen, die deine Musik nicht kennen. Die kommen ja nicht wie an einem Clubkonzert alle wegen uns“, erklärt Kusi. Und als Schibä schelmisch ins Publikum ruft: „Ich will alle Hände sehen! Und ich sehe jeden, der nicht mitmacht!“, recken tatsächlich auch die Leute auf den hinteren Festbänken die Hände in die Höhe. So zeigt sich einmal mehr, wie verbunden sich das Schweizer Publikum mit Mundartrock fühlt. Es wird mitgesungen, wo man den Text kennt – und aufmerksam zugehört, wo man ihn eben nicht kennt. Der Zauber dieser Musik: man versteht jedes Wort. Und findet sich in den Songs und in den Geschichten, die der Sänger da vorne erzählt, eben wieder. Schibä führt uns durch Himmel und Hölle der Gefühlswelt und zaubert uns hie und da ein wissendes Lächeln auf die Lippen. Das Gefühl, ja das kenn ich auch. Genau so wars doch auch. Das kann nur Mundart. Mit der Sonne im Gesicht verabschiedet sich die Band von ihren Fans. „Es hat richtig Spass gemacht“, strahlt Schibä.