Aextras „Himmu & Höll“
Text: Ko:L
Bilder: Ko:L/Aextra
Die Thuner Rocker Aextra haben sich Zeit gelassen: Dreieinhalb Jahre sind vergangen, seit der Veröffentlichung von «Aecht», ihrem zweiten Album. Morgen nun ist es soweit: Der Nachfolger «Himmu & Höll» kommt in die Läden. «Wir haben einfach Zeit gebraucht, um das Album dahin zu bringen, wo wir es haben wollten», antwortet Sänger Andreas «Schibä» Scheiben auf die Frage, wie es zur unüblich langen Pause gekommen sei. Lange und intensiv haben sie an den Songs gearbeitet, bis klar war, welche 13 Songs es auf die CD schaffen werden. «Wir hatten weit über 30 Songs», sagt Gitarrist Andreas «Ändu» Sigrist, «ganz zu schweigen von all den Fragmenten, die wir gar nie ausgearbeitet haben.»
Der Album-Titel «Himmu & Höll» sei schon früh festgestanden, erinnert sich Sänger Schibä. «Als der Song fertig war, merkte ich, wie viel auf dem Album sich um diesen Gegensatz dreht: Schnelle Songs und langsame Songs, schöne Geschichten und weniger schöne Geschichten.» Überhaupt seien sie beim Schreiben und Produzieren des Albums weniger Kompromisse eingegangen, als auch schon. «Eine Songidee, welche nicht die ganze Band sofort reinzog, wurde gar nicht weiterentwickelt», sagt der Frontmann. Eine Kompromisslosigkeit, die letztendlich auch hörbar wird. «I mah nüm!», schreit Schibä in «I stah näbe mir». Das oft idealisierte Bild eines Lebens als «Rockstar» erhält auf «Himmu & Höll» tiefe Risse. «Das Leben ist nicht nur schön», sagt Schibä frank und frei. Alkoholexzesse und ihre nicht immer schönen Folgen werden auf dem dritten Album der Thuner genauso ungeschminkt abgehandelt, wie die bisweilen schiere Unmöglichkeit eines Zusammenlebens von Mann und Frau. Aextras Gitarren krachen weniger clean, als auf den beiden Vorgängern; die Keys werden bisweilen zu echten Wänden, verpassen dem Sound bisweilen aber auch mit sexy Electro-Gadges („Song über mi“). Aextra präsentieren sich auf ihrem Drittling kompakter, eingängiger und gleichzeitig über weite strecken griffiger und rockiger, als in der Vergangenheit.
Diese Direktheit seit nicht zuletzt eine Folge davon, dass die Band noch näher zusammengewachsen sei. «Wir diskutieren heute direkter, als früher», sagt Gitarrist Ändu. «Wir kennen uns besser – die eigenen Stärken und Schwächen ebenso wie die der anderen.» Wohl vor allem deshalb spricht Schibä davon, dass der Schritt vom zweiten zum dritten Album «wesentlich grösser» sei, als vom ersten zum zweiten Album. «Schliesslich hatten wir auch bei der Plattenfirma ein komplett neues Team um uns.» Und einen neuen Produzenten. Schob für «Aecht» noch Metal-Koryphäe Tommy Vetterli die Regler, engagierten Aextra für «Himmu & Höll» Thomas Fessler als Produzenten; bisher etwa dank seiner Arbeit für Plüsch oder Sina bekannt. «Natürlich war es ein gewisses Risiko, mit einem Produzenten, der vor allem ein Pop-Renommee hat, zu arbeiten», sagt Sänger Schibä. «Aber wir merkten rasch, wie er vom selben Feuer erfasst wurde, wie wir», fügt Ändu an. Die Arbeit mit eine Band «aus der härteren Ecke», wie Schibä sagt, sei für Fessler wohl Neuland gewesen. «Aber wir hatten ebenso die Möglichkeit, bei der Produktion neue Wege zu gehen.»
Eine Konsequenz davon: Aextra schaffen es auf «Himmu & Höll» erstmals, die Livepower, für welche die Thuner bekannt sind, auch auf dem Album zu transportieren. «Und die wollen wir jetzt unseren Fans bringen», sagt Ändu mit einem Strahlen im Gesicht. Grosse Erwartungen hegten sie jedoch nicht, sagen die beiden Musiker. «I wott Musig mache, wo eim d’Haar stellt», sagt Ändu – und fügt an: «Dieses Gefühl habe ich an diversen Stellen auf dem neuen Album.»