Snowpenair Kleine Scheidegg - Rock in den Wolken
Text: Ko:L / Rose
Bilder: Ko:L
Es mag vermessen sein, bei der Berichterstattung über ein Festival mit Aextra, Lovebugs und Bryan Adams das Hauptaugenmerk auf die beiden Schweizer Acts zu legen. Aber als Musik-Website mit dem Untertitel "Swiss Music Scene" darf Trespass.ch das!
Zu Adams soviel: Als selbst halber Bergler hat es dem Kanadier sichtlich Spass gemacht, inmitten der Berner Alpen zu spielen, selbst wenn sich diese vornehm hinter den Wolken versteckten. Adams lieferte einen soliden Gig, spielte wacker mit dem Publikum und liess sich von Hits aus praktisch allen Adams-Alben verzaubern. Echter Stadionrock, ohne grosse Überraschungen, dafür aber mit einem hohen Prozentgrad an Fest-Faktor. Die Überraschung war wohl eher, dass sich Bryan Adams nach seinem Auftritt nur von einem Skilehrer begleitet direkt ins Sportgeschäft begab, um sich dort Latten und Stöcke zu mieten. Und weil er nach der Abfahrt keinen Platz mehr in der talwärts fahrenden Bahn fand, fuhr er halt noch einmal hoch auf die Scheidegg und feierte dort noch ein wenig weiter... 1.69 klein ist er zwar - aber ein Star von echter Grösse, zum Anfassen, unkompliziert und einfach Mensch!
Zum einheimischem Schaffen: Direkt vor Bryan Adams versuchten die Basler Pop-Rocker Lovebugs "den Gletscher zum Beben zu bringen", wie Sänger Adi gleich zu Beginn selbstsicher verkündete. In der Tat machte der eingängige Dreck-Pop der fünf Basler anfangs Spass und Lust auf mehr. Doch mehr kam leider nicht - die Lovebugs schafften es bis auf eine Ausnahme nicht, sich aus der Pop-Rock-Ecke zu lösen. Zu ähnlich sind ihre Songs, zu wenig massentauglich, um so richtig abfeiern zu können und dennoch zu eingängig um sich ihnen entziehen zu können. So blieb nach dem Konzert ein fader Nachgeschmack und die Erkenntnis, dass Songs die am Radio funktionieren das live nicht immer tun.
Überraschung des Tages waren wohl für die meisten Anwesenden der Festival Opener Aextra aus Thun. Nach über einem halben Jahr Konzert-Pause - die Jungs arbeiten wie vergiftet an ihrem zweiten Album - präsentierten sie sich auf der kleinen Scheidegg trotz Höhenluft und damit verbundenen Problemen mit der Sauerstoffzufuhr in Topform. Gewohnt rockig weckten sie die Audienz in der Alpen-Arena - und bald wurde gesprungen, geklatscht und mitgeschrien wie in den grossen Konzerthallen der Schweiz. Und während Aextra sich mit ihrem Debut-Album und der drauffolgenden Tour biswielen den Vorwurf gefallen lassen mussten, mit ihrem Mix aus Rock und Pop auf zwei musikalischen Hochzeiten zu tanzen, bewiesen sie mit ihrem jüngsten Auftritt, dass ihre Braut unmissverständich der Rock ist.
Geschickt ersetzten sie den einen oder anderen Song aus dem alten Programm durch Songs, die auf dem neuen, - welches übrigens im kommenden Herbst erscheinen soll - die Tonart mitbestimmen werden: Fadengrader Vorwärtsrock, gespickt mit einigen Balladen à la "Füür u Flamme". Oder wie wir es schon im unserem allerersten Aextra-Release schrieben: Aextra adaptieren amerikanischen Rock ins Berndeutsche, wie sonst niemand. Oder habt ihr schon mal einen Berner Rocker "Lah mi nid allei, lah mi nid allei!!!" mit einem Megafon ins Publikum schreien hören?