Ein Baby lernt Laufen - Trespass lädt zur Geburtstags-Party
Text: Monthy
Bilder: Monthy/Debi/Eve
Es war einmal... Wie jedes gute Märchen, beginnt auch das von Trespass.ch mit den berühmten Worten der Brüder Grimm. Allerdings ist Trespass.ch, die schon beinahe offizielle Homepage der Schweizer Musikszene, ansonsten gar nicht grimmig. Informativ und unterhaltend wollen wir daherkommen und das galt ganz besonders für die erste Site (siehe Design oben), die vom 1. August 2000 bis Mai 2005 unser virtuelles Heim darstellte. Mit dem Jahr 2005 kam nicht nur ein neues Design, sondern eine der Masse des Inhalts angepasste Struktur. Dass wir unser Baby seit diesem Jahr teilweise fremdfinanzieren, ist in einem ereignisreichen Jahr schon fast eine Randnotiz...
Aber hübsch der Reihe nach. Im August 2000 erzählte ich allen stolz von meinem Weblog namens Trespass.ch, wusste allerdings selbst noch kaum etwas damit anzufangen. Heute werde ich oft gefragt, was mich denn dazu bewogen habe, über Schweizer Musik zu schreiben - der Grund war ein einfacher: Ich wollte nicht sozial oder politisch schreiben, nicht über Sport oder Mode oder Kino. Daneben blieb aus unseren Jugendzeitschrifts-zeiten nur noch Musik. Um aber über Musik und diejenigen, die sie machen, schreiben zu können, musste ich mich mit meinen bescheidenen Mitteln fast auf die Schweiz als Einsatzgebiet beschränken. Bald einmal merkte ich, dass man bei einem Phil Collins Konzert im Hallenstadion nicht so einfach als Journalist zugelassen wird. Pragmatisch wie ich bin, fiel es mir nicht weiter schwer, mich auch auf die CH-Acts einzuschränken. Ich schrieb sechs, sieben Artikel im ersten Jahr und versuchte, erstmal selber heraus zu finden, wer ausser Züri West, Patent Ochsner und Polo Hofer sonst noch hinter dem Begriff "Schweizer Musik Szene" steckt. Und dabei habe ich eine Goldader entdeckt.
Die CH-Musik Szene ist ein Gefäss. Darin befinden sich einige der geilsten Typen und der heissesten Babes, die ich in meinem Leben kennen gelernt habe. Sie machen das, was ihnen am meisten bedeutet und hoffen, dereinst davon leben zu können. Vielleicht etwas Applaus zu erhalten und Anerkennung, sofern nicht geheuchelt. Es ist der moderne Traum vom Goldgräber. Stars habe ich dabei einige gesehen und meistens waren es nicht wirklich die, die es hätten sein sollen. Ich hätte nie geglaubt, dass es so viele nationale Künstlerinnen und Künstler gibt und das sie so gut sind. Und wenn heute Chris von Rohr im Blick tönt, dass wir halt international nicht mithalten könnten, dann täte es ihm vielleicht auch mal wieder gut, sich auf Trespass.ch zu informieren. Man vergleiche mit dem Fussball - wer hätte gedacht, dass sich mal Klubs wie Arsenal und Chelsea um 17jährige Schweizer balgen. Zurück zu Trespass - Die ersten zwei Jahre plätscherte die Site so vor sich hin, Ko:L integrierte seinen Trendsetter bei mir, aber wirklich ernst war uns irgendwie nicht. Bis wir eines Abends telefonierten und überein kamen: So geht es nicht! Seither läuft Trespass.ch - und expandiert schneller und wilder als ich es je für möglich hielt. Klar, wir haben diese Träume von Kindesbeinen an gehabt - Radio, Journalismus, DJing, Fotografieren oder Veranstalten. Aber die rasante Entwicklung überrascht einen selbst wohl am meisten. Im Januar 2004 ging unsere Sendung "Trespass.ch - Underground Radio" bei Radio Emme im emmentalischen Langnau erstmals über den Äther. Wir bieten sie auch als MP3s im Netz zum Download an. Pro Jahr produzieren wir 26 Stunden mit Sounds und Talks aus der Szene - was auch unserer Meinung nach viel zu wenig ist. Na ja, es reicht gerade so, um die neuesten CDs anzuspielen...
Damit wäre ich für die ersten fünf Jahre dann schon zufrieden gewesen... Das Buhlen um die Gunst der Szene führte jedoch dazu, dass wir nun über ein Netzwerk von befreundeten und anverwandten Aktivisten verfügen, um unsere Ideen umzusetzen. So legen wir seit Oktober 05 im Bierhübeli zum Rocking Tuesday auf und in der Taverne durch den ganzen Winter jeweils am letzten Donnerstag im Monat. In eben dieser Alten Taverne in Adelboden feierten wir am 17.12.05 auch den fünfjährigen Geburtstag unseres Babys - und dass es Laufen gelernt hat. Die Feier wurde von Ko:L und Tom von der Taverne organisiert und kam in Form eines Showcases daher, das sich gewaschen hatte. Solo-Artist Adi Weyermann eröffnete an Piano oder Gitarre, Knopf and the Troublemakers, Reto Burrell und Band sowie Scream Light kochten das Publikum hoch und Shiva liessen den Kochtopf schliesslich überlaufen. Unter den Gästen befanden sich die üblichen Verdächtigen, einige die sonst eher uns bewirten, alte und neue Freunde und viele Weggefährten. Die Trespass-Prominenz kann sich schon jetzt sehen lassen und setzt dem üblichen Jet-Set puren Rock´n´Roll entgegen.
Zu verdanken ist dies einem Team von rasenden Reportern, die nicht müde werden, Wochenenden her zu geben, um über diesen oder jenen Act zu berichten. Spesen sind ein Fremdwort für sie und wäre ich Arbeitgeber, dann wohl so ein Schinder wie Scrooge. Keine Sorge - zum Geldscheffeln komm ich aber nicht. Die Konkurrenz beneidet uns um unseren blonden Engel Eve, Power-Frau Debi, das Wallisser-Girlie Michi und "Fräulein Wunder" Piggy. Sie sind die besseren Hälften von Trespass neben Ko:L und mir. Und auch für uns darf ich wohl das Prädikat "unermüdlich" in den Raum stellen... Ganz nebenbei expandiert das Team weiter, wobei wir hier nichts verschreien wollen. Der Job eines Trespass-Reporters ist nicht ohne. Er verlangt Disziplin, Flexibilität, Neugier und Hartnäckigkeit. Dafür belohnt er aber mit Begegnungen und Bekanntschaften. Und er stärkt das Selbstvertrauen - ein Prozess den jeder von uns in den letzten Jahren an sich festgestellt hat.
Stimmen von der Trespass.ch-Night
Adi Weyermann, Singer & Songwriter, Ex-Crank-Sänger
"Wenn wir Trespass nicht hätten.... Ihr macht die Arbeit, die sonst niemand macht - und ihr macht eure Sache wirklich gut - Merci, das braucht die Schweizer Musikszene! "
Reto Burell, Innerschweizer Singer, Songwriter und Producer
Was verbindet Dich mit trespass.ch? "Trespass ist Schuld daran, dass Schweizer Rockmusik lebendig ist. Und ihr seid ein Sprachrohr für alle Bands - total gut! Man spürt, dass alle Musiker hier neben ihrem eigentlichen Programm aufgetreten sind, das ist als würde man uns oder die anderen Bands im Proberaum besuchen, das ist geil."
Wo hast Du Deinen Bruder Coal gelassen? "Der ist unterwegs steckengeblieben; wir sind glücklicherweise schon am Nachmittag angekommen"
Häni, Scream-Sänger
"Super Party! Es sind sehr viele Kollegen da, gut gelaute Leute, ein wenig viel Schnee und deswegen sind wohl nicht allzuviele Leute hergekommen. Aber es ist ein extrem lustiger Abend, die Rock´n´Roll-Jungs sind da und es kann losgehen... Unser Auftritt heute war speziell, der Pianist, der mich begleitete spielt jetzt dann in unserer Band auf der Tournee. Die anderen beiden Musiker sind Members von den Melon Moons. Eine Premiere und Derniere zugleich - diese Konstellation wird´s dann wohl erst wieder zum 10-jährigen Bestehen von trespass.ch geben."
Knopf, Songwriter und Sänger der Troublemakers
Trespass.ch - cool? "Es ist Weltklasse, wirklich cool."
Was hat Musik für dich für einen Stellenwert? "Well, Musik hat einen grossen Stellenwert. Ich habe zwar eigentlich einen 100-Prozent-Job sonst, aber ich zehre von der Musik. Ich denke, ich gebe auch viel für die Musik."
Spielt´s überhaupt eine Rolle, woher die Musik kommt? "Ich denke es ist sehr wichtig, dass Musik auch aus der Schweiz kommt. Wir können den Menschen, die von hier sind, so auch etwas mitgeben."
Claudi Heinzelmann, Sänger von Shiva (und inoffizieller Gewinner des Trespass.ch-Night Liveawards)
"Bullshiiiiit" (sein Lieblingsausdruck)
Mänel Herren, Move in... GmbH (Move to Rugenrock, Gurtenfestival, Openair Suppenalp und andere)
"Trespass.ch ist ein Muss, das muss es einfach geben. Die si ufdringlech, si a jedem Fescht u mer chunnt nid um se ume."
Kusi, unser Spiderman (Webmaster)
"Ich finds extrem gut, weil fast täglich neue Inhalte dazukommen... (korrigiert sich) äh, gute, sehr gute Inhalte hinzukommen. Das ist doch das Erfolgsrezept, denke ich, für jede Webseite, die langfristig erfolgreich sein will. Ich sehe da eine sehr gute Zukunft für Trespass. Man kann mit euch auch als Geschäftspartner sehr vernünftig zusammenarbeiten."
Grosi, Bagatello-Member
"Es sind meisten die lustigsten Interviews, die ich euch von Trespass gebe (lacht). Aber ihr wollt meine ehrliche Meinung? Dann ladet ihr mich wohl nie wieder an eine so tolle Part ein... (überlegt sich´s scheinbar lange) Im Ernst: Ich findes cool, widmet sich jemand bewusst der Schweizer Musikszene, das brauchts unbedingt, speziell für die kleinen Bands, die sonst den Aufstieg nicht schaffen."
TJ Gyger, Keyboarder Ex-Gölä-Band, Piolam, DJ Bobo Pirates of Dance und Studioinhaber
"Wenn ich alles lesen würde, was ihr auf eurer Seite publiziert, würde ich 127 Jahre alt... das ist doch erstrebenswert... Aber in Musikerkreisen kaum machbar (lacht). Na ja, ein netter Versuch."