Anshelle - Live im Hoch Ybrig
Text/Bilder: MonthyChristo
Dass Anshelle schon länger im Sektor Musik tätig ist, wusste ich sogar noch am frühen Sonntagmorgen. Doch hatte ich ansonsten meine Bedenken betreffend Auffassungsgabe, als ich mich unter vier Augen mit der Thunerin unterhalten konnte. Dass wir fast am gleichen Ort aufgewachsen waren und die selbe Sprache sprachen, war mir sehr sympatisch. Meine Bedenken rührten wohlgemerkt auch nicht von der Band oder von Anshelle selbst. Jetzt weiss ich auch mehr über sie, beispielsweise, dass Anshelle der Berner HipHop-Szene erwuchs und also ursprünglich gerappt hatte - "Sibe Jahr lang." Damals dachte sie noch, sie könnte gar nicht so schön singen wie ihre Idole und doch entwickelte sie ein Ohr für griffige Hooklines. "i bi drfür aube usglachet worde, aber i ha scho immer wöue Pop mache." Irgendwann begann sie dann auch zu singen und hörte nicht mehr auf, bis sie die Eltern zu nerven und ihre Kollegen zu beeindrucken anfing.
Eine Zeitlang beschäftigte sich Anshelle also mit Rappen und Singen, bis hin zum letzten Projekt namens Neuland. Dort stimmte aber nicht alles, vor allem nicht der Name und auch nicht das Ausmass an Fremdbestimmung. Jetzt teilen sich Anshelle und Bobby Gertsch die Verantwortung und die wirblige Sängerin ist neben Text und Melodie auch noch für die Produktion zuständig. Zudem führt sie in Bern auch noch eine Künstleragentur. Power-Frau ist Anshelle zumeist auch auf der Bühne, bewies aber beim Frühschoppen-Konzert am Sonntag Mittag auch eine gehörige Portion Sex-Appeal und eine sehr direkte Art zum Publikum.
Der dazugehörige Soul Rock (Live darf ich ihn so nennen, von CD wärs: Soul Pop) Marke Eigenbau ist ziemlich eingängig, aber beispielsweise dank Bläsereinlagen auch nie oberflächlich. "eifach nid so, das me e Song 200 Mau muess lose, bevor er irgendwie im Chopf isch." Anshelle ist merklich ein Vollblut und sicher sehr beharrlich. Und das kann sie auch brauchen, wenn sie will, dass "irgenwo öppis blibt hange." Einen weiteren Schritt dazu hat sie hier oben getan und ich könnte es schliesslich nicht besser ausdrücken als die Künstlerin selbst: "i ha 14 Jahr druf gwartet, amne OpenAir z spile u mir hei di Sach so gmeischteret, das mir üs nid müesse verstecke!"
Nachdem der aktuelle LongPlayer "Part of the game" schon zwei Jahre lang die Gedanken der Band beschäftigt, jucken trotz laufender Promo-Tour schon wieder die Finger hinsichtlich einem neuen Album, worauf man durchaus gespannt sein darf. Erstmal stand aber ein Teller Spaghetti auf dem Menuplan der hungrigen Bernerin und für mich gabs weiterhin Kaffee...