Anshelle kehrt zurück in die Vergangenheit und springt so in ihre Zukunft
Text: Sandy
Bilder: Nic
„Mit meinem Album ‚Rewind please’ möchte ich in die Vergangenheit zurückblicken. Es ist wie ein letztes Aufarbeiten und Abschliessen meiner Kindheit“, sagt die Sängerin aus Bern zu ihrer CD, welche im Juni erscheinen wird. Obschon Anshelle alias Michèle Bachmann glücklich in der Gegenwart lebe, schaue sie gerne zurück. Ein Foto aus dieser Zeit bildet das Cover ihres Booklets und zeigt eine nachdenkliche Michèle als Mädchen. Aufgewachsen ist sie in Wileroltigen, einem kleinen Bauerndorf zwischen Bern und Murten. „Es ist meine Heimat, ein wunderschöner Ort, wo ich sehr viel Positives erlebt habe und immer wieder gerne zurückkehre, weil er mir sehr viel bedeutet. Wenn du heimkommst und weißt, wer du warst, weißt du auch, wer du heute bist“, sagt die Musikerin.
Die CD „Rewind please“ ist nach drei Jahren Unterbruch die zweite von Michèle. Mit ihrer ersten Scheibe „Part of the Game“ war sie 2004 als Vorband mit DJ Bobo unterwegs. Bewusst setzt sie jetzt ihren Vornamen in den Mittelpunkt – sie ist Michèle und ihre Band nennt sich Anshelle. „Ich mache seit fünfzehn Jahren Musik und habe immer gesagt: ‚Meinen Vornamen setze ich erst dann voran, wenn ein Album mehrheitlich von mir ist’“, erklärt die Sängerin. Bei „Rewind please“ habe sie nicht nur die Texte geschrieben, sondern auch die Songs gemeinsam mit Sandro Marretta (Piano) und Phil Küffer (Bass) komponiert. Verschmitzt erklärt sie ihr Vorgehen: „Mit meinen wenigen Gitarrenkenntnissen komponierte ich einige Refrains aund spielte sie dann der Band vor. Die Jungs haben einige Male gesagt: ‚Moment, diesen Akkord gibt es gar nicht’.“ So haben ihre Musiker die Melodien ergänzt und umgesetzt. Die Grundideen und Refrains stammen jedoch von Michèle.
Das neue Album sei ein Meilenstein mit dem Motto ‚Ich bin noch da und habe nicht aufgegeben’. Während der letzten drei Jahre war die Sängerin mit ihrem Trio unterwegs und hat bewusst ihre persönliche Reife erlebt. „Ich schalte jetzt einen Gang zurück, nehme es gelassener und geniesse mehr“, sagt Michèle und erklärt weiter: „Ich will nicht mehr ein Weltstar werden. Die Utopie, welche ich zwischen 16 und 22 Jahren hatte, habe ich weggelegt.“ Die Musik sei ihr wunderbares Hobby. Wenn sie anderen auch gefalle und sich daraus etwas entwickle, sei es schön.
„Bangkok Smiling“ ist bis jetzt der grösste Hit von Anshelle. Michèle hat als Teenager einige Jahre in dieser Stadt gelebt und den Song darüber geschrieben. „Asien habe ich zu verdanken, dass ich ein weltoffener und toleranter Mensch bin“, sagt sie. Sie sei damals aus dem Bauerdorf in eine Weltstadt gekommen. „Wenn du diesen Kulturschock überlebst, bist du auf keinen Fall ein engstirniger Mensch“, erklärt die Musikerin. In dieser Zeit haben sich auch ihre Englischkenntnisse vertieft. Mundart sei für sie kein Thema. „Es tönt nicht gut, wenn ich Dialekt singe. So wie Peter Reber in etwa und das passt nicht zu meiner souligen Stimme“, sagt sie schmunzelnd.
Die öffentliche Bandprobe mit geladenen Gästen im Café Luna in Hindelbank ist Anshelle gelungen. Michèle zeigt eine starke Ausstrahlung und spielt gekonnt mit ihrer Mimik. Ihre Musik hat keine Disco-Dance Einflüsse mehr, sondern bringt erdigen, ungeschminkten Soul-Rock. „Rewind please“ wird wohl nach dem Release diesen Sommer in einigen CD-Playern immer wieder von vorne angehört werden.