Anshelle verschweisst sich zu einem Power-Team
„Wir haben sehr viel erlebt! Vor allem sind wir als Band gereift und zusammen gewachsen“, sagt Michèle, die Sängerin von Anshelle, über ihr vergangenes Jahr. Ihr aktuelles Album „Rewind please“ erschien letzten Sommer. Textlich ging Michèle zwar zurück in ihre Kindheit, musikalisch springen die Berner jedoch vorwärts und verfolgen ihre eigenen Spuren. Nach Support-Shows für DJ Bobo hat die Anshelle ihren Elektro-Pop nun weggelegt und komponiert und produziert die Songs selber - in der Sparte melodiöser Pop/Rock. Ihr Sound ist kompakt und vielseitig und ist mehr als einfach nur die Begleitung von Michèles Gesang. Zusammen mit der souligen Stimme der Sängerin und der herzlichen Ausstrahlung der ganzen Band springt der Funken ziemlich schnell in das Publikum, auch bei ihrem Auftritt am Rockfestival in Brienz. Ihre Show überzeugt von Anfang an bis zum Ende. Der Song „Little Mountain“ läuft im Radio auf und ab, und die Band gewann mit ihrer ehrlichen Musik bereits einige Auszeichnungen. Anshelle wollen an ihren Erfolg anknüpfen, und ist bereits an der Vorproduktion eines weiteren Albums, welches voraussichtlich nächsten Frühling erscheinen wird.
Anshelle entstand aus der ehemaligen Formation Neuland, neben der Frontfrau Michèle Bachmann war damals auch schon der Pianist Sandro Marretta dabei. Phil Küffer (Bass), André Brügger (Gitarre) und Martin Kissling (Drums) kamen im Laufe der letzten fünf Jahren dazu. In dieser Zusammensetzung seien sie jetzt eineinhalb Jahre unterwegs. Michèle sagt stolz: „Nach fünfzehnjähriger Musikerfahrung stimmt endlich die Bandzusammensetzung.“ Und die Frau ist stolz auf ihre Musiker: „Eine Truppe, die auf der Bühne alles gibt, genau das spürt das Publikum. Endlich sind wir an diesem Punkt angelangt.“ Mit Anshelle ist übrigens die ganze Band gemeint. Sandro klärt auf: „ Michèle will, dass nicht nur sie im Zentrum steht, sondern, dass wir Jungs auch dazu gehören.“ Auf ihrer „Rewind please“-Tour haben sie bereits über dreissig Konzerte gespielt und das habe die Musiker zusammengeschweisst. Der charmante Pianist stellt fest: „Wir sind Anshelle, ein Team und eine Band.“ Es sei wie eine Beziehung, oder eine Familie, man gehe durch dick und dünn und erlebe gemeinsam eine intensive Zeit. Manchmal müsse man auch unangenehme Sachen diskutieren, aber das Gute überwiege. Sandro schwärmt: „Ich freue mich jedesmal, wenn wir uns im Band-Raum treffen, um gemeinsam irgendwo hinzufahren, wie zum Beispiel heute nach Brienz.“
Anshelle hat im letzten Jahr nicht nur Furore in unserem Land gemacht. Die Band konnte dank einem UK-Deal Konzerte und Interviews in Irland geben. Sandro erzählt eine witzige Tour-Episode: „In einem Studenten-Club wurde die Gage nicht bar ausbezahlt, sondern in Form von fünfundzwanzig Pints-Gutscheinen.“ Ein Pint sei grösser als unser Bier-Humpen. Die hartnäckigen Musiker konnten es nicht lassen, mindestens die Hälfte der Entschädigung selber einzulösen. Das Ende dieser Geschichte kann sich wohl jeder selber ausdenken. Speziell sei in Irland auch, dass bei Interviews in TV- oder Radiostudios immer eine musikalische Live-Einlage verlangt wird. Für ihre dortigen Darbietungen erhielten sie ein überaus gutes Feedback. Michèle sagt dazu: „Das ist eine von unseren Stärken. Ich kann unsere Lieder auch nur mit Begleitung von Gitarre oder Piano singen. Wir sind eine Band, die nicht Effekte und solche Sachen benötigt, um live spielen zu können.“ Bei ihren Clubkonzerten in Irland habe Anshelle für ihre Akzeptanz gekämpft. Die Sängerin erzählt: „Wir haben dort sicher bis zur Hälfte des Konzertes um unser Leben gesungen und musiziert, erst dann ist das Publikum erwacht.“ Die Iren seien noch verhaltener als wir Schweizer, herzlich zwar, aber sie zeigen die Gefühle nicht so stark. „Du musst in Irland spielen, dich beweisen und erst dann werden sie langsam warm“, weiss Michèle heute.
Michèle wirbelt bereits seit fünfzehn Jahre in der Musik-Szene mit und sie möchte den Newcomer-Bands folgende Erfahrungen mitgeben: „Nicht primär die Musik ist wichtig, sondern vielmehr die richtigen Leute zu finden, die hinter einem stehen. Menschen, denen man vertrauen kann und zusammen ein gutes Team bilden.“ Um dies zu erreichen, benötige man sehr viel Geduld. Die Liebe zur Musik dürfe man dabei aber nie verlieren. Diese Leidenschaft habe Michèle auch immer behalten können. Bei zwei oder drei Situationen habe sie gleichwohl beinahe alles Hingeschmissen, und das seien immer zwischenmenschliche Angelegenheiten gewesen. Sie präzisiert: „Das Härteste auf diesem Weg ist es, Menschen, die einem nahe stehen, zu verlieren. Dies zermürbt am meisten und kann auch kaputt machen.“ Die Musiker rund um die Sängerin sind gekommen und gegangen, aber aus irgendeinem Grund ist Sandro immer geblieben und das gibt Michèle Halt: „Immer wenn irgendwas passiert, was mich beschäftigt, dann schau ich ihn an und denke ‚Er ist immer noch dabei‘, also muss etwas daran sein.“ Sandro weiss, dass sie gut Spaghetti kocht, aber daran liege es nicht: „.Es ist eine schöne Kombination zwischen Freundschaft, musikalischer Ergänzung und der selben Leidenschaft und Motivation weiterzukommen.“ Der Pianist habe auch bei anderen Bands seine Erfahrungen gesammelt. Bis Anshelle irgendwann soviel Zeit von ihm beansprucht habe, dass er kein Verlangen nach anderen Projekten mehr hatte. „Anshelle gibt mir genug. Ich kann mich dabei auf eine schöne Art verwirklichen“, sagt Sandro und seine Augen strahlen - einmal mehr.