Baby Genius' Trash Show zum Lakejump Contest
Text/Bilder: Monthy
Ein Tisch mit einem Schlagzeug drauf, ein Mikrophon und ein Verstärker - das musste für den Auftritt von Baby Genius am Hergiswiler Lakeside Festival genügen. "Und das tut's für heute auch", gibt sich der Luzerner Rocker genügsam. Immerhin hatte er ja genau gewusst, worauf er sich bei der musikalischen Untermalung des Lakejump Contests einlässt. Baby Genius: "Wir haben heute die Ehre, die Pausenclowns zu sein. Dafür bemühen wir unser Trash-Set, das aber auch unabhängig davon existiert. Die Anforderungen an uns sind, auf zwei mal zwei Meter gehörig Krach zu machen..." Seinem Musikstil, Stichwort reduzierter Britpop, kommt dies allerdings eh ziemlich entgegen - "Anfangs wollte ich das ganze Projekt in diesem Rahmen aufziehen", lässt Baby Genius im Gespräch tiefer blicken, "Es hat sich dann zwar etwas anders entwickelt, aber ab und zu spielen wir immer noch so, sei es an WG-Partys oder auch schon mal auf dem Schiff. Das Coole daran ist, dass wir eigentlich nur eine Steckdose brauchen - und schon kann's losgehen!"
Als Musiker ist man ja sowieso ein bisschen der Pausenclown, um den Begriff des Künstlers zu recyclen - Fühlt man sich also auf so einer Bühne ganz besonders wohl? Baby Genius: "Man ist halt einfach ganz nah an den Leuten dran. Vom Publkum her darf man das auch nicht ganz so ernst nehmen. Das ist schon Unterhaltung mit Augenzwinkern. Wir haben auch extra ein Schlagzeug angeschleppt, das wir zerstören können..." Die Nähe zu den Leuten bringt logischerweise auch vermehrte und vor allem ungefilterte Reaktionen. Stellt man sich zumindest so vor... Baby Genius: "Nein, nicht unbedingt... Die Schweizer sind ja dafür bekannt, eher zurückhaltend zu sein. Es ist eigentlich ganz normal, wie auf einer grösseren Bühne auch..."
Baby Genius hat mit seinem gleichnamigen Debutalbum im ersten Halbjahr kräftig für Aufsehen gesorgt. Dem britischen Klang seiner Musik hat er wohl auch den Vergleich eines "Schweizer Pete Doherty ohne Drogen" zu verdanken. Oder benimmt sich Baby Genius auch entsprechend? - "Der Vergleich mit Doherty stammt ja von einer Zeitung und nicht von mir - ich sehe mich aber nicht so... Das Britische hat mich aber schon sehr geprägt. Ich habe ein Jahr lang in England gelebt und bin so in die Musik hineingewachsen, die ich auch höre und konsequenterweise selber mache."
Zum Drumherum, dem Promo-Gehabe, das besonders seit Oasis und Blur aus dem Britpop kaum mehr weg zu denken ist, hat Baby Genius seine ganz eigene Meinung: "Ich finde es irgendwie noch cool. Wenn ich zu einer so grossen Band gehörte, würde ich es wohl auch machen. Immerhin haben die Welthits geschrieben und eine riesige Menge Menschen damit unterhalten. Dann finde ich es okay. Wenn allerdings Musiker vor dem Durchbruch, ohne grossen Namen, sich so gebärden, sehe ich das relativ schnell mit kritischen Augen. Ich sehe mein Auftreten in diesem Zusammenhang auch nicht als arrogant - das hätte ich mir noch gar nicht verdient..."
Im Programmheft des Lakeside Festivals wird der Act, der immer mal wieder für musikalische Auflockerung sorgen soll, während die Freaks auf den Bikes in den Vierwaldstättersee hinein springen, als traditionell trashig beschrieben. Fieser Rock soll zum Lakejump serviert werden. Dass aber Baby Genius' Drummer mit einer Alumaske auftrat, stand nicht im Zusammenhang mit dem erforderlichen fiesen Image. Baby G: "Die Maske ist Pflicht seit Beginn unserer Trash-Shows. Zudem sind heute zwei Drummer dabei und dank dem cleveren Trick mit der Maske merkt niemand, dass wir immer mal wieder den Drummer wechseln." Mit seiner Rolle am Lakejump-Contest war Baby Genius übrigens ganz glücklich: "Ich würde mich ja nie trauen, diese Rampe herunter zu brettern... Da beschränken wir uns lieber darauf, die Jumper mit unseren Songs noch höher fliegen zu lassen." - Der eigene Höhenflug soll dann also doch ein musikalischer bleiben.