Baby Jail - Auf Wiedersehen
Text: Ko:L
Bild: Baby Jail
hey compañero sentimental, i wär nid dä woni hüt bi we du denn nid derbi wärsch gsy - hey compañero sentimental schad geit aus so schnau verbi u geit witter ohni di (büne hueber, 2003)
1992 - zwei Teenager, eine Idee, tausend Papierschnitzel, eine Zeitschrift und ein Hit: "Tubel Trophy". Die Geschichte von Baby Jail und damit der Weg zur "Tubel Trophy" begann bereits in den tiefen Achtziger Jahren, als erwähnte Teenager noch im Kindergarten mit Klötzen spielten, und der eine vom anderen gerade mal wusste, dass er existiert... Als Perlen wie "Moonshine Baby" oder "Sad Movies" entstanden hatten die beiden Dreikäsehochs gerade ihren ersten eigenen Tapes zusammengestellt. Mit Mötley Crüe, Def Leppard, Klaus Lage und Mordern Talking - nicht wissend, dass es in der Schweiz auch andere Bands ausser Polo Hofer gibt. Auch die "Polo Lovers" - Baby Jails zweifelhafte und dennoch geniale Hommage an den Berner Rockopa - tauchte weitab des Kinderuniversums der beiden Landeier auf. Die Umlaufbaufbahnen von Baby Jail und den beiden kreuzten sich 1992. Die beiden Teens Monthychristo und Ko:L legten damals die Basis für trespass.ch - in Form des White Lightning. Jeden Monat 20 A5-Seiten mit Schreibmaschine vollgeschrieben und kopierten Fotos illustriert - alles mit Uhu und Schere zusammengebastelt und nochmal kopiert, um unter die Leute zu bringen. Ja, sie wollten Rebellen sein - als Teenager hatten sie schliesslich eine ganze Menge zur Welt zu sagen!
Welch eine Erleuchtung war da die "Tubel Trophy" - die Hymne wider die Spiesser, die Rechten und die Konservativen. Was lag näher, als Baby Jail zur ersten Band zu machen, die im White Lightning vorgestellt werden musste. Das Interview wurde am Telefon vereinbart, als Boni und Bice bei Adi Kohler im YoYo auf DRS3 zu Gast waren... und am folgenden Sonntag Nachmittag am Telefon geführt. Ko:L redete und Monthy notierte - was war die Welt damals einfach und in Ordnung! Während sich Monthy und Ko:L weiter am Rand der Medienwelt bewegten, machten Baby Jail nur zwei Jahre nach jener befruchtenden Begegnung Schluss. "Nach einem doppelten Abschiedskonzert am 28. Mai 94 in Bern und Solothurn lösten sich Baby Jail auf", heisst es nüchtern im Booklet. Das Booklet gehört zu "Auf Wiedersehen" - dem lange ersehnten und höchst verdienten Denkmal, das sich Baby Jail heuer endlich selber gesetzt haben. Eine Sammlung all dieser schön schrägen Lieder, das gesamte Universum des "Truckerboy", der Oma, die den Enkel kochte, weil sie Sex wollte, des dummen Studenten, der Pizzaiola und des Ritters der Strasse. Diese einfachen, aber wirkungsvollen Songs, die den Mikrokosmos "Alltag" so feinfühlig beobachten und scharfzüngig kommentieren. All diese Lieder, von denen wir zu spät Geborenen leider nur noch in der Vergangenheitsform reden können. Und so sitzen wir denn da, lauschen der einmaligen Baby Jail Sammlung und tauchen ein in eine Welt, die wir nur noch ganz am Rande streifen durften - und wünschen uns, dass es irgendwann ein "Wiedersehen" gibt.