Piggy macht den Abwasch
Text/Bilder: Piggy
Fürwahr, wenn man mich so sieht, kann man sich wohl nur schwer vorstellen, dass ich mich zeitweilen auch mal an den Herd oder die Spüle stelle. Tue ich aber und habe in meinem viel zu kleinen Kleiderschrank auch für diese Gelegenheit ein mehr oder weniger passendes Kostüm gefunden. Der "slashige" Hut gehört einer mir geneigten Bekanntschaft und an diesem Abend im Mascotte irgendwie fast auch zum Dresscode. Backwash rockten das Zürcher In-Lokal anlässlich der Taufe ihrer neuen Platte "Kick Ass".
Porco Fidelio, Amigos - Herzlichen Glückwunsch! Nebst dem obligaten Champagner-Fläschchen fiel dem neuen Werk der wilden Rocker denn auch gleich noch eine akustische Gitarre zum Opfer. Monthy hat ebendiesem per Kritik die alte Frische allerdings etwas abgesprochen. Hat ein bisschen Dreck in die Backwash-Küche geworfen und dann mich hin geschickt, um den Abwasch zu machen. Und das obwohl ich bis nach Sex - tschuldigung - bis nach sechs arbeiten musste. Nun war ich wohl da, traf Managerin und Band, aber nicht Bob. Der Backwash-Fronter gab sich dafür meinen per eMail gestellten Fragen hin...
Zuerst einmal gelüstet es mich aber zu wissen, wer denn sonst den Abwasch bei Backwash macht und wie gewissenhaft? Wenn man die wilden Kerle auf der Bühne sieht, stellt man sich den Bandraum ja eher chaotisch vor... Bob schreibt: "Naja... da wir den Bandraum mit zwei anderen Musikern (eine davon ist die Vermieterin) teilen wurde unser Chaos zum Problem... Wir wurden gerade vor etwa einem Monat ermahnt, den Raum sauber zu halten, nicht im Gang zu rauchen und... Mann, die haben uns mit dem Rausschmiss gedroht.. hahaha, anyway, who cares?" Es ist also höchste Zeit, dass ich mich darum kümmere, wenn auch augenzwinkernd. Was ist denn nun dran an Monthys Kritik von wegen zu wenig Tempo auf "Kick Ass"? - Bob: "Das ist doch Geschmacksache - nicht mehr und nicht weniger. Jedem das seine... Als wir die "feel rock" EP aufgenommen haben fand gerade eine 'Wende' statt, wir haben seitdem den Sound konkretisiert. weniger Punk, mehr Rock'n'Roll. Ich mag sie."
Live wirken die neuen Backwash-Songs jedenfalls alles andere als saftlos. Was laut Bob logisch ist, weil sie keine Studio- sondern eine Live-Band sind. "Wir wollten eine Scheibe aufnehmen die für den internationalen Markt tauglich ist. Das haben wir auch bekommen. Das allgemeine Echo ist, mit wirklich wenigen Ausnahmen, fantastisch. Eben... die einen finden sie schleppt ein wenig, andere finden sie die geilste Scheibe der letzten Jahre." Und zwar Männlein wie Weiblein wie sich auch im Mascotte zeigt. Das er die zarteren Geschöpfe dann mit seiner wilden Show gleich wieder vertreiben könnte, glaubt der knackige Rockstar nicht. "Was??? Ist doch scheiss egal ob es im Publikum mehr Schwänze oder Vaginas gibt! ausserdem, wer sollte etwas gegen Frauen haben... Ich werde an einem Konzert lieber auf einen Frauen Arsch gemosht als auf einen männlichen. Du?:)" - Sag ich dir nur ins Schweineohr...
Die Suche nach einem Label gestaltete sich für Backwash als schwierig und langwierig. Warum eigentlich? - "Wir wollten uns einfach nicht über den Tisch ziehen lassen. Was wirklich viele versucht haben. Uns war schon immer sehr wichtig einen Deal zu haben bei einer Firma, die weiss um was es bei einer Rockband geht. Alles andere ist Zeit- und Geldverschwendung. Bei Perrys Records geht es nicht um Firmenpolitik sondern... Rock'n'Roll!" Wo andere gerne auf ihre Freiheit und Unabhängigkeit pochen, wäre der totale Indy-Weg nichts für Backwash. Bob winkt ab: "Wir haben zum glück eine menge Leute um uns die sich um solche Angelegenheiten kümmern, und zwar im Sinne der Band und nicht des Geldbeutels. alles selber zu machen ist absolut unrealistisch. Das würde bei uns schon gar nicht hinhauen... ... ... ... ... ;) Wenn man es nicht mit den eigenen Augen gesehen hat, kann man sich gar nicht vorstellen wie aufwendig, zeitintensiv diese Arbeit ist."
Und kaum hat man sie einigermassen erledigt, fängt sie auch schon wieder von vorne an. Ist "Kick Ass" eine für die Zukunft von Backwash wegweisende CD oder darf Monthy hoffen, dass Backwash auch ab Tonträger bald wieder so daherkommen wie bei "One more dollar" und "Highroller"? Bob: "Weiss nicht... wir spielen einfach was uns gefällt. Wir versuchen nicht, es der ganzen Welt recht zu machen, das ist Schwachsinn. Also, alles was dir bleibt ist... spiel worauf du bock hast. Was das Song writing angeht: wir sitzen im Bandroom nicht an den Tisch und überlegen welche art von Song wir als nächstes schreiben werden. wir jammen, trinken und haben einfach nur Spass an der Sache, , , so kamen bis jetzt die meisten Songs zustande. Musik ist, für mich, die einzige Sprache. die es vermag, Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Wenn's nicht klappt... so what? Man setzt sich ja auch nicht hin und sagt: 'So, und jetzt bin ich verliebt...'"
Und um dem ganzen das Krönchen, das ich um Taille trage, dann auch noch aufzusetzen, vergewissere ich mich nachträglich, ob diese Frage überhaupt zulässig war oder ob's nicht auch ein wenig Glückssache sei, solche Songs zu schreiben? - "Haha... Fragen geht immer. Nein, Glücksache ist höchstens ob dem Zuhörer die Musik gefällt... Womit wir schon wieder beim Thema Geschmack wären. Wer's nicht mag, der soll sich was anderes reinziehen." Und ja nicht mehr weiterlesen. Nachdem Bob den Fototermin vor dem Konzert eines Missverständnisses wegen verpasst hatte, fiel ich immerhin während meiner Arbeit als Fotografin auf - "PS: warst du etwa die 1.80m Blondine die, von der Bühne aus gesehen, rechts vor mir stand? ;-)" Natürlich war ich die. Und wir hätten ein wunderschönes Paar abgegeben. Na ja, vielleicht hol ich das Putzen-Kostüm doch noch mal vom Estrich runter...