Miss Linder und Enno: „Wir machen nicht astreinen Pop“
Text/Bilder: Ko:L
Eigentlich sind Enno und Miss Linder nur zu zweit... aber sie haben (mindestens) neun gute Freunde, die ihnen helfen, wenig Bad News und viel Entertainment zu verbreiteten. So kommt es, dass acht Herren in weissen Kombis, zwei Ladies in weissen Hosen und Shirts und eine bezaubernde Miss Linder in grünem Abendkleid die Bühne im Aarauer Kiff zu ihrem Spielplatz machen. Das alles mit nur einem Ziel: Die Leute im gut gefüllten Saal zu unterhalten... Es ist die Plattentaufe von Bad News Entertainments Debut-Album „Kill your Darlings“. Bald ist klar: Diese Band gehört auf grosse Bühnen. Nicht nur weil BNE zu elft sind, auch weil sie eine gewaltige Portion satter Sounds irgendwo zwischen Disco, Pop, Funk und Rock mitbringen und die Leute locker zum lockeren Hüfteschwingen bringen.
„Schade bloss, hält dieser unbändige Trieb nach Unterhaltung, Spass und Feeling Good nicht über die ganzen 12 Tracks an“, nöhlte ich im CD-Review noch. Im Kiff dann die Erkenntnis: BNE können über die ganze Konzertlänge gewaltig Spass und Feeling Good vermitteln. Die Idee, das Album daheim im Random-Modus anzuhören kommt tags darauf – und siehe da: „Kill your Darlings“ fühlt sich plötzlich auch ab Konserve über die Volldistanz gut an. „Ich geriet beim Mischen plötzlich ans Limit“, verrät Enno im Gespräch nach der Show. „Als wir angefangen haben, haben wir huere viel Zeugs aufgenommen und die Songs waren völlig überladen mit Gitarren, Keys und was weiss ich. Das war viel zu viel, aber jedes Teil war irgendwie geil.“ Er habe sein Leid seiner Freundin geklagt und die habe schlicht gemeint: „Enno, kill your darlings!“
All die Musiker, die an „Kill your Darlings“ ab CD oder live beteiligt sind, haben Miss Linder und Enno in Aarau gefunden. „Das ist echt wahr, in Aarau hat es richtiges Nest“, sagt die Dame und lacht. Und Enno ergänzt: „Das ist tatsächlich wahr – und hat mich zuerst auch etwas verwundert.“ In Deutschland gebe es zwar auch viele professionelle Leute, „aber ich habe noch nie soviele professionelle Musiker auf einem Haufen gesehen, wie in der Schweiz. Definitiv!“
Die Tatsache, dass sie live zu elft sind und auch die „Light“-Formation ohne Bläser immer noch acht Leute umfasst, war mit ein Grund, dass BNE noch vor der Hauptrunde bei mobileActs rausgeflogen sind – was Enno und Miss Linder aber offensichtlich nicht wirklich zu stressen scheint. Viel mehr träumen sie davon, „überall“ zu spielen. „Wenn du Konzerte für uns hast – bringen!“, fordert die Lady, und fügt an: „Im nächsten Sommer möchten wir auf Festivals spielen, so viel wie möglich.“ Neben der Schweiz schielen die beiden allerdings auch auf den Deutschen Markt. Enno relativiert zwar: „Es ist halt alles ziemlich schwierig und vieles läuft übers Radio. Wirst du gespielt, kriegst du eher Konzerte, wenn nicht, musst du halt einen wirklich steinigen und langen Weg gehen.“ Aber die Mails ab den Kontaktadressen auf der offiziellen BNE-Homepage gehen schon mal an @badnewsentertainment.de und die entsprechende URL ist auch gültig...
Immerhin seien die Feedbacks von Seiten Radios auf die erste Auskopplung „Check your shoes“ weitgehend positiv gewesen – was definitiv nicht alle CH-Acts von sich behaupten können. Es sei vor allem Miss Linders Stimme, die von den Radiostationen immer wieder positiv erwähnt werde, erklärt Enno. Eine Tatsache, die Miss Linder selber geflissentlich verschwiegen hatte, bei ihrer Antwort auf die selbe Frage. Den Vergleich mit Macy Gray zumindest hat sie noch nicht satt. „Ich meine, ich höre mich selber völlig anders. Der Vergleich mit Macy Gray macht mir gar nichts aus, da gäbe es andere, die eher schlimm wären.“ Welche, will uns Miss Linder aber dann doch nicht verraten.
Macy Gray gehört auch nicht zu den Favourites in der Plattensammlung der stimmgewaltigen Frontfrau. „Ich höre eher Männerstimmen, Beck, Radiohead und so“, meint sie und erklärt damit auch gleich ihren Hang zu Alternative-Sounds, wo sie sich selber genau wie Enno eher zu Hause fühlt, als im Pop. Und das, obwohl beide in Rockbands aktiv waren oder immer noch sind. „Der Sound sollte einfach was Grooviges, Tanzbares haben“, erklärt Enno. In der Alternative-Rockband in der er vorher gespielt habe, habe er zwar viel Spass gehabt, aber die Leute wollten nicht so recht tanzen. „Das war irgendwann ermüdend. Dadurch ist die Zielvorgabe entstanden.“ Das „Umsteigen“ in poppigere Gefilde ist dem Drummer offensichtlich nicht schwer gefallen. „Na ja, wir machen ja nicht astreinen Pop: Es hat rockige und funkige Elemente und Andrea hat eine sehr soulige Stimme. Es ist halt nicht aalglatt und das ist gut so.“