Grosi: "Weisch, Bagatello schpinne!"
Text: Ko:L
Bilder: Bagatello/Appalooza Productions
Wenn einer spinnt, ist das nicht immer negativ. Und wenn einer im Knast landet, hat das nicht immer mit Misserfolg zu tun. Der Beweis: Bagatello. Die fünf Acapello-Comedians aus Bern gehen am 31. August mit ihrem neuen Programm "Unbedingt" an den Start. Entstanden ist der Nachfolger von "Mannerriege Bagatello" im letzten Jahr. "Im Sommer 04 haben wir mit ersten Brainstormings angefangen - und 1000 Ideen gehabt", erinnert sich Grosi, der blonde Chaot der Truppe an die erste Phase der Arbteit an "Unbedingt". "Dann stand auf einmal ein Programm unter dem Motto ´Retter der Nation´ im Vordergrund - und wir verfolgten diese Idee bis in den Frühling." Aber weil Bagagello spinnt, wurde die idee wenige Monate vor dem Tourstart noch einmal verworfen und durch die Knast-Nummer "Unbedingt" ersetzt. "Bei uns muss immer jeder von Beginn weg voll begeistert sein für etwas. Ist das nicht der Fall, funktionierts nicht. Und als die Idee mit dem Knast auftauchte, sagte jeder sofort ´Yes! - Das ist es.´ Und von wegen spinnen, meint Grosi: "Weisst du - wir machen was uns passt. Und wir wollen vorwärts kommen. Dafür muss man vielleicht etwas spinnen - zumindest wenn man vorwärts kommen will und dabei einen eigenen weg und nicht einen vorgegebenen weg gehen will."
Seit "Männerriege Bagatello" sind die fünf Herren auf der Bühne definitiv zu fünf eigenständigen Charakteren geworden. Der selbstsichere Latin-Lover Adi; der überdrehte Grosi; Amadeus, die liebenswerte Tunte; der ungeschickte Pädi und Simu, der Hardcore-Macho - sie sind die Figuren, die "Bagatello der Neuzeit" ausmachen. "Ansatzweise haben sich diese Figuren über die Jahre hin entwickelt. Irgendwann haben wir uns dann zusammengesetzt und jeder ihre ganz speziellen Eigenheiten verpasst", erzählt Grosi. Also künstliche Konstrukte, die fünf Charaktere da oben auf der Bühne? "Definitiv. Simu ist beispielsweise ein sehr sensibler Typ - und ganz sicher nicht eine Macho-Sau, wie er sie auf der Bühne mimt." Dann räumt Grosi aber doch ein, dass halt jeder eine Rolle spiele, die ihm irgendwo liege, die er eben gerne spiele... Im Hinblick auf "Unbedingt" hin wurden die einzelnen Charaktere im übrigen noch verfeinert. "Wir haben uns intensiv mit den Persönlichkeiten der fünf Figuren auseinandergesetzt und gemerkt, dass es da und dort Unstimmigkeiten gab. Die haben wir auszubügeln versucht - so dass die fünf Charaktere auf der Bühne glaubhafter rüberkommen."
So richtig los geht´s mit "Unbedingt" am 31. August im Bierhübeli in Bern. Nach der Premiere gastieren die AcapelleaClowns mit ihrem Storycal noch gleich 6 weitere Abende im Berner Traditionslokal, bevors quer durch die Deutschschweiz geht. Laut Grosi stehen bis Ende Jahr rund 40 Shows an - "wobei hier die Auftritte an Firmenfesten und ähnlichen Anlässen auch einberechnet sind." Rund anderthalb Jahre stecken Bagatello "Unbedingt" im Knast - und müssen in dieser Zeit wohl weit über 100 Mal den Kasper machen, wie Grosi schätzt. Besuchszeiten und mehr gibt´s im Internet - der Link steht noch etwas weiter unten...
Und weil Spinnen auch etwas mit Frechheit zu tun hat, haben sich Bagatello jetzt ein eigenes Genre zugelegt. Vor knapp zwei Jahren jammerte Grosi noch "Keiner will uns", weil das Business das Berner Quintett mit Ecken und Kanten nicht einordnen konnte oder wollte. Zu Acapella und zu Comedy-lastig, um ein Musik-Act zu sein, aber wiederum zu gesangslastig, um ein Comedy-Act zu sein, waren Bagatello - und sind es noch heute. Sie treten auf der Hauptbühne des Gurtenfestival genauso auf, wie an einem Comedy-Festival. "Wir sind ein Storycal", antwortet Grosi auf die Frage, ob die Jungs jetzt ihr Genre gefunden hätten. Und erklärt, dass ein Storycal eine Art umgekehrtes Musical ist. "Ein Musical ist eine Geschichte, die mit Musik erzählt und gespielt wird. Bei uns ist die Musik mit den einzelnen Songs im Zentrum. Darum haben wir zwar eine grosse Geschichte, die aber nur als lockerer Rahmen dient - als Rahmen für all die kleinen Geschichten, die sich in den einzelnen Songs abspielen. Mit Hilfe dieser kleinen Geschichten präsentieren wir die Songs - so einfach ist es, das erste Storycal der Welt!" Aha - ok...
Spätestens seit "Männerriege Bagatello" und dem Auftritt am Openair Gampel 2003 ist der Name Bagatello in der ganzen Deutschschweiz ein Begriff, ja es wäre da und dort nicht einmal abwegig von einem Hype zu reden. Grosi bremst allerdings: "Von aussen täuscht die Geschichte etwas. Wir haben uns in den letzten zwölf Jahren immer vorwärts bewegt. Nur wurden wir lange nicht wahrgenommen." Was mit Bagatello in den letzten zwei Jahren an Festivals, TV-Auftritten oder auch mit dem Gastspiel in David Dimitris Zelt passiert ist, sei nichts anderes, als die natürliche Fortsetzung einer lange andauernden Entwicklung. Will heissen, dass die Jungs die letzten zwölf Jahre sehr konsequent gearbeitet haben - "ohne den Spass zu verlieren", wie Grosi betont - und dass im Programm wieder neue Überraschungen aufs Publikum warten. Mehr als "Kostüme mit überraschenden Eigenschaften" mag Grosi im Voraus aber nicht verraten. Immerhin erwähnt er am Ende doch noch, dass Bagatello neuerdings multimedial sind... mehr Details lässt sich der künstliche Blondschopf aber nicht entlocken. Oder müsste es gekünstelter Blondschopf heissen? Oder gar künstlerischer Blondschopf?