Bandit - 100% Professional
Text/Bilder: Monthy
"Auf dem Weg 'Zurück in die Zukunft' hast du quasi die Gegenwart von Frauenfeld mitgenommen", leite ich den Talk mit dem Abkömmling von Luut & Tüütli nach dem Konzert mit einem Hinweis auf sein aktuelles Werk und zweites Soloalbum ein - Bandit: "Ja, es war sehr cool. Wir haben früh gespielt, den Tag auf der Hauptbühne eröffnet - und es hatte einiges mehr an Leuten, als wir eigentlich gedacht hätten. Um diese Zeit ist es ja nicht selbstverständlich, dass schon so viele aus den Zelten raus sind. Aber die waren sogar richtig gut drauf." Ihn selbst wollte die Sonne auf der Bühne auch noch mehr blenden, aber sie war es schliesslich, die die Leute mit früher Bruthitze aus dem Stroh trieb. Nebst meiner Bemerkung aus Jahren an Zelterfahrung, die ich mir heute lieber nicht mehr antue, hatte ich schon damit gerechnet, dass Bandit nahtlos auf meine zweite Frage überleiten würde. Die nach dem zweischneidigen Schwert nämlich.
Da kann man als Schweizer Hiphop Act am Openair Frauenfeld auftreten und müsste meinen, man habe es geschafft. Aber gerade an diesem Event, wo die Hauptsendezeit von wahren Top Shots blockiert ist, könnte einem auch auffallen, wieviel einem selbst noch fehlt bis dahin...
Der Glarner lacht amüsiert über mein Konstrukt und steigt darauf ein. "In dem Sinn schon. Bei diesem Lineup liegt es nahe, dass die Schweizer Acts ein bisschen an den Rand gedrängt werden, es sei denn man heisse zufällig Stress..." Die eigentliche Einschränkung dabei ist wie immer der Markt, hier durch die Sprache vertreten. Mundart-Headliner an einem Event wie Frauenfeld - eine Utopie? Bandit widerspricht mit Gegenbeispiel: "Letzte Woche am Zürifäscht hatte es weiss nicht wieviel tausend Leute. Wir haben dort von neun bis halb elf spielen können, was wirklich sehr cool war. Auch am Openair St. Gallen standen wir schon am Samstag um elf auf der Bühne. Es braucht dazu aber sicher auch das nötige Glück oder den richtigen Release zum richtigen Zeitpunkt." Dem kann ich natürlich nicht widersprechen, aber noch zweifle ich ein wenig - "Ein Jay-Z wirst du, fürchte ich, kaum werden können..." Bandit lacht und stimmt nun seinerseits mir zu. Mit seinem deutschen Produzenten Shuko ist er es ja vielleicht, der mir international das Gegenteil beweisen kann, denke ich mir erstmal nur.
Bandits aktuelles Album mache ihn zu einem der angesagtesten Flow-Rapper des Landes, sagt man. Tatsächlich haben er und seine Crew in Frauenfeld auch mächtig Dampf gemacht. So sehr, dass ich, wenn sie abgehen, eigentlich kein Wort mehr verstehe. Spielt's denn auch nicht so eine Rolle? - Bandit: "Doch, sehr wohl. Das ist Rap-Musik. Ich denke, es gibt keine Musikart, bei der der Text so im Vordergrund steht. Oft haben Leute, die sonst nicht so viel Hiphop hören, eben auch nicht das geschulte Ohr der Fans. Gesungene Musik ist langsamer und vielleicht etwas einfacher zu verstehen. Rap-Fans verstehen das aber sehr wohl. Nun ist mir natürlich schon wichtig, dass alle uns verstehen können, aber das unterscheidet sich schlussendlich von Track zu Track." Interessant. Die Skills beschränken sich also nicht nur auf die Bühne. Was von dort alles her kommt, ist nun nicht in jedem Fall auf die Goldwaage zu legen. Wie merke ich es einem Bandit-Text nun an, ob ihm das, was er gerade rappt, ein wirkliches Anliegen ist? - "Hmm - Selbsteinschätzungen sind mit Vorsicht zu geniessen", warnt er mich vorab, "aber mir ist wirklich wichtig, dass die Leute merken, dass wir auf der Bühne einfach alles geben. Das kommt, wie ich glaube und hoffe, bei meinen Live-Auftritten und meiner Musik rüber. Es werden auch immer ein paar mehr. Das hängt hofentlich damit zusammen, dass die Leute uns spüren."
Das könnte auch damit zusammen hängen, dass Bandit Profi ist und zu 100% von seiner Musik lebt. Da muss ja dann einfach vorwärts gehen, werfe ich mit Schalk ein. "Das und abgesehen davon finde ich, dass die Leute, die Eintritt bezahlt haben und in der ersten Reihe stehen, das ganz einfach verdienen", erklärt er mir sein Berufsethos. Ich lasse aber nicht so schnell wieder vom Profitum ab. Als Multikreativer - das sind die, die alles ein bisschen können, aber nichts ganz - bin ich eigentlich ganz froh, einen Ausgleich in einem übertrieben gesagt stieren Programmier-Job zu haben. Bei Bandit hat es sich offenbar nicht so entwickelt. "Dadurch dass ich Musik als Beruf betreibe, kann ich einfach mehr Zeit investieren und mehr Aufwand betreiben als andere mit einem 100%-Job, die ihre Songs am Feierabend oder am Wochenende schreiben müssen", erzählt er mit bedächtig gewählten Worten, "Aber es ist auch kein einfacher Weg als Schweizer Rapper. Ich habe auf die Karte gesetzt und im Moment ist es auch sehr cool. Solange ich es so betreiben kann, macht es auch wirklich Spass. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass dies meine Arbeit ist, und dass ich es ein bisschen anders machen muss. Ich habe die Leute eigentlich schon immer dazu erzogen, mehr von mir zu erwarten! Das gefällt mir so."
Die Muse, einen Text nicht unter Druck, sondern in einem natürlichen kreativen Kontext zu schreiben, muss auch Bandit sich immer noch nehmen. Er hat es sich aber so eingerichtet, dass er das tun kann. "Das ist eigentlich der hauptsächliche Grund, warum ich es so mache", verrät er mir, "Es macht keinen Sinn, wenn ich bis sechs abends in der Garage krüpple und danach diesen ernsten Rap fertig schreiben will, den ich mal angefangen habe. Ich bin aber an dem Tag gar nicht so ernst drauf. Als Profi habe ich eben die Zeit und die Freiheit, meinen Rap aus dem Bauch heraus zu schreiben. Und dort muss er auch herkommen, wenn ich echt sein will. Druck ist wirklich schampar kontraproduktiv."
Zum Abschluss spreche ich Bandit auf etwas an, dass ich bei seinem Konzert zum ersten Mal so gesehen habe. Das doppelte Mikrofon, mit beiden Händen zum Mund geführt. Ich erfreche mich zu fragen, ob das einfach nur geil aussehe, oder auch tatsächlich einen musikalischen Hintergrund habe? - Bandit: "Ich weiss nicht, ob du's gemerkt hast, aber auf dem einen habe ich ein Echo drauf. Vielfach ist es so, dass du bei solchen Events einen fremden Mischer hast, der deine Musik nicht wirklich kennt. Dann weiss er auch nicht, wo ich meine Echos haben will. Deshalb habe ich selbst ein zweites Mikrofon mit Echo dabei und kann diese selbst setzen. Das ist eigentlich nur praktisch." Trotzdem sieht's für einen Rapper einfach scheisse frech aus, oder?