Baschi eröffnet seine „Neui Wält“
Text: Ko:L, Bilder:
manuelwinterberger.ch/Cover/Promo
„Neui Wält“ heisst das Album, neu ist vieles im Umfeld von Baschi. Seine Songs hat er mit seinem Gitarristen geschrieben. Alle. Der Schweizer Hit-Garant Roman Camenzind ist nicht mehr mit im Baschi-Boot. Dafür schwebt irgendwo noch der Deutschland-Traum; ein fertiges Album wartet seit Monaten auf die Veröffentlichung. Das richtige Timing sei von grösster Bedeutung, betont Baschi immer wieder. Andere glauben, der Traum sei geplatzt. Aber laut sagen würde das keiner. Weil: Wenn einer unberechenbar geworden ist, wenn einer mit seinem Erfolg immer wieder alle von neuem überrascht hat, dann war das in den letzten Jahren eben nicht Gölä. Es war Baschi. Und so überrascht es wiederum nicht, dass sich auch ohne Hitmühle Camenzind süffige Arrangements und ein leichter Hang zum Bombast wie ein roter Faden durch „Neui Wält“ ziehen. Liebe, Selbstironie und kleine gross aufgemachte Geschichten sind und bleiben Baschis Ding. So gesehen ist „Neui Wält“ so neu gar nicht. Etwas mehr Mut zum Dezenten („Was geschter isch gsi“), da und dort eine frische elektronische Spielerei sind die musikalischen Neuigkeiten. Das ist aber keine neue Welt. Das ist normale musikalische Entwicklung; gelungene musikalische Entwicklung!
Tief blicken lässt Baschi mit dem Song „Demo in Berlin“ – einer Nummer über die Stadt, die ihm scheinbar alle musikalischen Chancen der Welt eröffnete, ihn aber jetzt warten lässt. Mit den Worten, „Es ist eine Hassliebe“ bringt der Baselbieter auf den Punkt, was ihn mit Berlin verbindet. „Ich komme vom Land und habe vier Monate in Berlin gelebt. Da herrscht ein ganz anderer Groove als hier. Keine Kuschelmentalität, Berliner Vollschnauze ist einfach nur taff!“ Und wäre er nicht geduldiger geworden, wäre er schon lange „amok gelaufen“, gesteht Baschi freimütig. Kein Wunder: Sein deutsches Album ist seit Frühling im Kasten – aber immer noch nicht in den Läden. „Mit dem Auftritt an Til Schweigers ‚Zweiküken’-Premiere hat eigentlich alles gut angefangen, wir durften zehn, zwölf Minuten die grosse Showbiz-Luft schnuppern.“ Dann geriet der Zug aber ins Stocken; aktuell ist der Plan, seine deutsche Platte im ersten Quartal des nächsten Jahres in Deutschland zu veröffentlichen.
Unabhängig davon sei immer klar gewesen, heuer ein neues Mundart-Album zu bringen. „Ich bin nicht Züri West oder Patent Ochsner, deren Platten die Leute so oder so kaufen, egal wie lange die Band von der Bildfläche verschwunden war“, sagt Baschi. „Ich muss am Ball bleiben, wenn ich will, dass die Leute mich nicht vergessen.“ Und er betont: „Deshalb ist am Ende auch egal, was mit dem Deutschland-Ding passiert. Ich bin nicht abhängig davon. Mein Land ist die Schweiz und meine Musik ist in Mundart.“
Da drängt sich die Frage auf, warum er aktuell in Sachen Style und Auftreten ausgerechnet einen auf James Dean macht, ein Antistar, der gewiss nicht DIE Verkörperung von Swissness ist. „Es gibt bestimmt Punkte, in denen ich ähnlich bin, wie James Dean. Auch ich bin Vorlaut und manchmal auch gerne rebellisch!“ Eine weitere Gemeinsamkeit dürfte sein, dass Baschi wie Dean von der Öffentlichkeit nicht immer so gesehen wurde, wie er sich selber sieht. „Ich muss um Anerkennung als Künstler kämpfen“, sagt Baschi. Ein Schritt, diese Anerkennung – und auch Eigenständigkeit – zu erlangen, war die Trennung von Produzent Roman Camenzind. „Ich habe bei ihm wahnsinnig viel gelernt“, sagt Baschi. „Aber jetzt war der Zeitpunkt da, wo ich einen Schritt weiter gehen wollte.“ So stammen die Songs auf „Neui Wält“ allesamt aus seiner Feder und der seines Gitarristen Philippe Merk; ebenso wie viele der hochdeutschen Songs. „Wir haben uns in den letzten Jahren wirklich gefunden und sind ein richtiges Team geworden“, sagt Baschi. Es sei eben doch eine neue Welt, die sich für ihn mit und in der Musik geöffnet habe. „Ich wünsche mir, dass die Leute merken, dass da ein eigenständiger Künstler am Werk ist. Ob sie mich und meinen Sound mögen, ist dabei zweitrangig.“
Am Herzen liegt ihm hingegen sein Beitrag zur Sammelaktion „Jeder Rappen zählt“, zu welcher er den diesjährigen Song „Chinder im Chrieg“ beigetragen hat. Am 15. Dezember will er den Song auf dem Berner Bundesplatz „am liebsten mit allen Leuten“ gemeinsam performen. Notenblatt und Infos gibt’s auf Baschis Homepage.