Baze – Mis Meitli (Nation Music)
Text: Monthy
Bild: Cover
Zwischen platter Corporate identity und einem Entwicklungsschritt, für den es im Schweizer HipHop langsam Zeit wurde, ist Baze´s Mis Meitli zu einem Album der Wahrheit geworden. Böse Zungen mögen behaupten, hier würden einfach bekannte Konsumwünsche befriedigt. In der Tat reimt Baze oft Schema F, Chlyklass, bekannte Skills und Rhythmik, immerhin mit neuen Worten. Koste es was es wolle, wird jeder Schlag mit einer Silbe versehen, was zum abgehackten Stil führt. Damit beschreitet Baze ganz klar den Weg der Chlyklass und – wie es scheint – des fast gesamten Genres weg vom Verseschmied hin zum Zungenkünstler und Wortakrobaten. Dass dieser Typ, nebst dem Disser, auf dem Vormarsch ist, lässt sich höchstens noch feststellen. Zu ändern ist dieser globale Trend kaum. Und Baze ist schon von seinen Themen her viel zu sehr Pragmatiker – und Berner – um sich mit Klötzen am Bein herum zu schlagen. Die thematisiert er lieber in seinen Songs in Form des tollen Typen ("Tegscht mi nid zue") oder der jüngeren Konkurrenz – "Si chöme meischtens i Gruppe (…) Chäppi schreeg, Hose am Arsch (…) marschiere i Club, dräie grad eine, markiere dr Cool bim Mic abtschegge…" Ansonsten ist Baze eher ein genügsamer Mensch moderner Prägung: "i bruuche eh nid meh zum Läbe aus z Kiffe u Chleider, öppis z Ässe u DVD-Ääbe mit Meitli." Entgegen dem Naturgesetz der Evolution, welches besagt, dass Entwicklungen sprunghaft erfolgen, ist Baze aber durchaus innovativ. Musikalisch kommt er äusserst griffig daher – "geng no verliebt i die Beats us de 90er Jahr" – mit etwas R´n´B, ein bisschen Disco und ohne Angst vor Gitarren. Mit mächtigen Bässen, Latino-Flair oder süffigen jazzy Tunes vertreibt er den Winter, den er mit einem Schlag Ironie auch noch betont: "Dr Grasverbruch stigt stetig…" Ganz nebenbei hat Baze auch noch sein absolutes Lieblingswort gefunden, und es beginnt nicht mit F! Nein, "Meitli" heisst es auch nicht, aber im Albumtitel fand es trotzdem Platz – "mis" ist das momentane Zauberwort der längst nicht mehr soo jungen Generation junger Schweizer Musik. Erhältlich ab 27.1.06