Baze und eine Beziehung zum Berg
19.7.2011/Text: Nico, Bilder:
on-pictures.ch
Der Berner Mundart-Rapper Baze fühlt sich auf dem Berner Hausberg richtig wohl. Obwohl er das Jahr hindurch selten bis gar nie auf dem Gurten anzutreffen ist, kann er längst nicht mehr mitzählen, wie oft er als Gast oder Musiker das Festival schon besuchte. Der 30-Jährige weiss, wie der Hase läuft und hat mit seinen Alben oft genug bewiesen, dass er den richtigen Riecher in Sachen Mundartrap hat. Daher kann Basil, wie Baze mit bürgerlichem Namen heisst, auch gut erklären, wie sich die Hiphop-Szene über die Jahre so verändert hat: „Manchmal gibt es so eine Unmenge an Dingen auf dem Markt, dass du gar nicht mehr den Durchblick hast, was gut und was schlecht ist. Kurz gesagt: Du verlierst die Orientierung auf dem Markt. Man verkauft keine CDs mehr, aber das ist ja ein allgemeines Musik-Problem. Aber positiv ist sicher, dass es musikalisch gesehen eine grosse Entwicklung gegeben hat. Die Szene ist professioneller, es gibt viel mehr gute Rapper, die Möglichkeiten gute Dinge zu, kreieren ist gestiegen, die Szene ist offener geworden, man kann gut und gerne auch experimentelle Dinge herausbringen.“
Auch Baze ist am experimentieren. Zukünftig möchte er noch mehr mit Live-Band arbeiten; er weiss, dass er auf dem Weg, den er eingeschlagen hat, weiter gehen will. So will er weitermit den Produzenten des letzten Albums „D'Party isch verbi“ zusammenarbeiten. Gleichzeitig kündet er an, dass das neue Album seines Nebenprojekts Boys On Pills im Herbst diesen Jahres erscheint.
Momentan ist Baze aber mit dem aktuellen Album „D’Party isch verbi“ unterwegs. Dass der Titel des Albums nicht so gemeint ist, wie er zuerst klingt, erklärt Baze wiefolgt: „Alle nehmen das immer so ernst mit dem Albumtitel. Dabei heisst das ja nicht, dass ich jetzt nicht mehr feiere. Aber natürlich bin ich nicht mehr so feier-geil, wie ich das auch schon war. Ich kann jetzt auch mal an einem Abend sagen, ich bleibe zuhause und auch hier am Festival muss ich jetzt nicht vier Tage Vollgas geben. Ich kann auch zu einer humanen Zeit nachhause gehen. Das ist das, was sich verändert. Aber es wird immer wieder Partys geben, die völlig übertrieben sind und auf denen man sich wie ein Teenie aufführt. Einfach nicht mehr so oft, wie auch schon.“
„D'Party isch verbi“ ist ja beileibe nicht Baze' erstes Album. Die alten kann er sich auch heute noch anhören ohne gross zu kritisieren, sagt er. Denn er weiss: Heute hat man Möglichkeiten, die man zu der Zeit, als die ersten Alben entstanden, noch nicht hatte. „Ich bin viel kritischer gegenüber neuen Dingen, also ich kann meine älteren Alben viel eher hören, als mein Neues. Beim neuen Album bin ich viel kritischer, weil es noch viel frischer ist, aber irgendwann ist das Album da und dann schaue ich es auch nicht mehr kritisch an. Ich bereue nichts, was ich musikalisch gemacht habe!“
Auf dem Gurten ist Baze immer wieder gerne und es ist auch immer wieder etwas Spezielles für ihn, auf dem Hausberg auftreten zu dürfen. Sein Rekord in Sachen Gurtenfestival liegt bei drei Auftritten während einem Festival, sprich während vier Tagen, inklusive Gastauftritten. Und so gelassen wie er da sitzt und das erzählt, kommt einem der Gedanke, dass es ihm überhaupt nichts ausmachen würde, wenn er diesen Rekord noch brechen könnte. Den Gurten zählt er schon zu seinen Lieblingsfestivals, da der Berner viele Leute kennt, die er oft schon lange nicht mehr gesehen hat und weil er hier seine Wurzeln hat.
Doch er betont, er finde das Openair St. Gallen, das Woodrock Festival sowie das Earthquake Openair in Herzogenbuchsee genau so toll. Er könne und wolle sich nicht nur auf ein Lieblings-Festival festlegen. Der Berner lässt es sich zudem nicht nehmen, jungen Künstlern Tipps, wie’s auch mit einer Rappkarriere klappt: „ Er solltet sich nicht verstellen, sich selbst gegenüber ehrlich sein, er soll viel üben, er muss Liebe für die Sache haben, eine eigene Sprache und eine eigene Ausdrucksform entwickeln und nichts und niemanden nachahmen - und er sollte genug Mut haben, um Dinge auszuprobieren, und genügend Eier, um zu seinem Sound zu stehen. Wenn es eine Frau ist, geht das mit den Eiern ja nicht. Darum sollte sie einfach genug Mumm haben, um etwas zu wagen.