Chlyklass - Ke Summer (SonyBMG)
Text: Ko:L
Bild: Cover
Zu behaupten, Chlyklass sei das wohl produktivste HipHop-Kollektiv Berns, ja vielleicht gar der Schweiz, ist durchaus angemessen. Seit Jahren beliefert die rund 10-köpfige Crew die Schweiz immer wieder mit Erzeugnissen aus den eigenen Reihen; Greis, Baze, Wurzel5 oder PVP haben mit ihren Alben bereits den Anspruch auf den CH-HipHop-Thron angemeldet - und die Konkurrenz aus Basel, Zürich oder Chur vor allem dank der unglaublichen Produktivität in den eigenen Reihen immer wieder in die Schranken verwiesen. Auch wenn die Aussage, in der Schweizer Rap-Szene gebe es einen gewissen Konkurrenzkampf, nicht gerne gelesen wird - und versucht wird, diese Konkurrenz mit Kooperationen aller Art zu überspielen, so kann sie doch nicht ganz wegdiskutiert werden. Ob es für die Szene gesund ist, dass Bern auch in Sachen Sprechgesang eine Vorreiterrolle übernimmt, mag ich nicht beurteilen, das werden Verkäufe, Akzeptanz und die Zeit weisen... Unbestritten ist aber, dass Chlyklass mit dem ersten Longplayer überhaupt, der vom Kollektiv als gesamtes released wird, diesen Vormachtsanspruch weiter untermauern. Zum einen mit der Tatsache, dass die Bärner Räpper Unterschlupf beim Multi SonyBMG gefunden haben, zum anderen ganz einfach mit einer überzeugenden musikalischen Performance. 17 satte Tracks warten darauf, genossen zu werden - und wenn ich den Begriff "Geniessen" verwende, dann bewusst. Bestand gerade bei den beiden letzten PVP-Releases "Eifach nüt" und "Aus abfackle" die Gefahr, sich zu wiederholen, so ist Chlyklass´ "Ke Summer" erfrischend vielschichtig und abwechslungsreich. Da wird der "Summer ohni Ändi" mit erfrischender Leichtigkeit beschrieben, bloss um umgehend in "Ändi vom Afang" wieder in jene Düsterkeit und stimmungsvolle Beklemmung zu verfallen, welche die Werke aus dem Hause Chlyklass bisher immer wieder gekennzeichnet hat. Auch südländische und orientalische Einflüsse haben ihren Platz und ihre Berechtigung auf "Ke Summer". Und trotzdem schaffen es die Jungs, das wesentliche nie aus den Augen zu verlieren: Bei aller Verspieltheit und allem Spass geht´s vor allem um eines - fette und treibende Beats, die treiben und animieren, den A**** zu bewegen. Gepaart mit Inhalten, die neben dem bekannten Posen auch druchaus in die Tiefe gehen können und den Alltag kritisch beleuchten entsteht eine explosive Mischung, die Lust auf mehr macht.