S’ Baze-mügerli
Text: Eve
Bilder:
musicbild.li
Wenn ich doch hier gerade so schön am Computer sitze, habe ich mir gedacht, ich könnte vielleicht noch eine HipHop-Geschichte niederschreiben. Es ist zwar eine besonders absurde und nicht ganz jugendfreie Geschichte, die vor noch gar nicht so langer Zeit auf dem Gurten hinter der etwas abgelegenen Waldbühne geschehen ist. Der Baze und der Baldy waren spät am Sonntag Nachmittag, als schon der Büne Huber auf der Hauptbühne sang, und blödelten so wild herum, dass man hätte meinen können, sie seien einander böse. So ging das zwischen den Beiden hin und her wie das wohl Sitte ist nach einem Auftritt, da sagte plötzlich der Baze zum Baldy: „Still, was kämpft sich da den Abhang durch den Schlamm herauf?“ Der Baldy blinzelte und spähte bis im fast die Augen herausfielen und sah sie dann auch. Eine Reporterin. Und nur eine, nicht zwei, oder drei, vier, fünf, nein, eine alleine stolperte mühevoll heran und sah sich so verloren und suchend um, dass sie einem fast leid tat. Baze und Baldy sahen einander nur an und wollten sich stillschweigend verziehen. Aber kaum hatten sie ihr den Rücken gekehrt, krächzte die Journalistin: „Heee, dir zwee!“ Den Beiden fuhr der Schrecken in die Beine. Kreideweiss und mit weichen Knien blieben sie stehen wie zwei frisch ertappte Bankräuber und schon war die Reporterin mir nichts, dir nichts bei ihnen. Sie sah sich Runde um, stellte sich vor und fragte dann sorglos: „Könnt ihr mir helfen, ein paar Antworten zu kriegen?“ Als Baze das Wort Antworten hörte, blieb ihm fast das Herz stehen aber Baldy flüsterte ihm zu: „Du weißt doch, dass man einer Journalistin niemals nein sagen darf.“ Und so liessen sie sich darauf ein. „So, dir zwee!“, sagte die couragierte Fragerin und begann mit dem Interview.
„Überall sind Medien, Interview hier, Interview da“, seufzte Baze gleich zu Beginn. Die Journalistin ermutigte ihn, alles einfach herauszulassen, aber als er sich das jammern dann doch verkneifen konnte, fragte sie ihn nach dem Befinden nach dem Konzert. „Es hat mir sehr gut gefallen. Es war eine super Stimmung. Leider war das Gelände etwas verdreckt und so sind die Leute nicht so nach vorne an die Bühne gekommen.“ Etwas verdreckt ist leicht untertrieben. Wer selber am Gurten war, weiss, dass der Schlamm bodenlos war und es geht sogar das Gerücht um, es seien einige Festivalbesucher regelrecht versumpft. Jedenfalls erschwerte die Distanz von Publikum zu Bühne dem Rapper, von dem man gewohnt ist, dass er mit seinem Publikum feiert und es in den Gig mit einbezieht, sein gewohntes Programm - wenn auch nur ein kleines Bisschen. „Heute war ich sowieso etwas ruhiger drauf als sonst. Weil ich auch schon drei Tage hier oben am feiern war“, gestand er diplomatisch und beantwortete auch die Frage zu seinen Texten und dem sich öffnen gegenüber den Fans überaus aufrichtig. „Ich bin von Natur aus ein offener Mensch. Ich weis nicht, man muss ja irgendetwas zum Aussagen haben. Man kann ja nicht darüber berichten, dass man ein neues Peeling braucht oder irgend so was. Man muss einfach etwas von sich erzählen, sonst kann sich ja niemand damit identifizieren. Seriöse Antwort, gell?“
Der Journalistin reichte diese Auskunft und sie griff ein anderes Thema auf. Der Rapper hat auf seinem Album ‚Mis Meitli’ kein einziges, im HipHop fast übliches, Featuring darauf und auch noch das Booklet selber gestaltet. Das liess sie an seiner Teamfähigkeit zweifeln. „Für dieses Album fand ich einfach, es brauche keine Featurings. Ich habe so viel mit anderen gemacht, da habe ich gedacht, jetzt mache ich einfach mal eine CD, auf der nur ich bin. Ich wollte ein Album machen, das nur meine Sicht darstellt“, rechtfertigte er sich, gab aber auch zu, in gewissem Mass wahrscheinlich nicht teamfähig zu sein. “Aber schlussendlich bin ich ein sehr anständiger, wohlerzogener Mensch. Von dem her bin ich eigentlich schon teamfähig und kann mich gut mit anderen Menschen unterhalten, auf ihre Probleme eingehen und fühlen, wo ihre Probleme sind“, sagte Baze lachend und mit einem Augenzwinkern - und die Schreiberin fand diese Aussage schon ein klein wenig kitschig. Da klang der folgende Satz schon viel besser: „Ich kenne mich, glaube ich, sehr gut. Von dem her ist es nicht schwierig auch andere kennen zu lernen.“ Auf dem Gurten trat Baze ja auch nicht alleine, sondern mit den Italo-Rockern Secondo als Band auf. Wie man gerade auf die Emigrantensöhne kam und wie ausgesucht wurde, verriet er aber nicht wirklich. „Meine Plattenfirma hat einfach eine Band gesucht. Wir haben eben nur nach äusserlichen Kriterien bewertet und wir fanden, die Secondos sehen gut aus. Sie müssen einfach ins Bild passen. Sie sehen gut aus und kommen auch gut auf den Fotos. Ob sie Musik machen können ist eine andere Frage.“ Darauf folgte ein schalkhafter Wortwechsel über One Night Stands und schöne Männer, der hier aus Gründen des Jugendschutznichtes nicht niedergeschrieben wird.
Aber von da an hatte die Reporterin verspielt; Es es war nichts Schlaues mehr aus dem Musiker herauszukriegen. Zur Zukunft erhielt sie fragwürdige und zweifelhafte Antworten. Folgen konnte sie noch gerade der Aussage, dass er jüngst den Tonträger "Boys on Pills" herausgegeben hat. Danach wurde es Schleierhaft: „Eine unplugged CD möchte ich herausgeben. Ich hoffe die Leute kaufen das auch. Denn ich hätte verdammt noch mal auch das Recht, etwas von dem Kuchen ab zu haben. Dann wieder ein Solo-.Album und vielleicht noch eins mit Rock, ich weiss es wirklich nicht... Es wäre auch ein Ziel, mal mit Aziz was zu machen, das wäre schon seit zwei Jahren geplant aber bekanntlich sind wir ja etwas langsam - das trifft sicher auf mich zu. Ich weiss eben nicht jeden Tag etwas neues übers Leben zu erzählen, ich bin ein Langeweiler“, stusste Baze, als die Journalistin am Ende des Interviews angelangt war. Und plötzlich sassen die anderen Artists da und amüsierten sich köstlich. War das eine Strapaze. Der Rapper hatte beantwortet, repliziert, geflunkert und gewitzelt, sodass die Frau am Mikrofon zum Schluss nicht mehr wusste, wo ihr der Kopf stand. Da packten Baldy und Baze die Schreiberin, der eine an den Armen, der andere an den unteren Gliedern und wollten sie den Hang hinunterwerfen. Plötzlich aber begann diese sich zu fangen und brachte mit feiner Stimme hervor: „Ooh, wie brummt mir der Schädel!“ Da verlor Baze die Nerven. Er ließ Die Reporterin fallen und rannte den Hang hinunter als ob der Teufel hinter ihm her wäre, um ihm mit einem Hammer den Kopf zu zerschlagen. „Häb düre, Baze!“, rief ihm Baldy noch nach und von dem Moment an, wusste er nichts mehr. Erst einige Zeit später hat man ihn vor der Hauptbühne wieder gefunden, ganz bleich und schwankend und es ging einen Moment, bis er sein nächstes Bier zu sich nehmen konnte. Journalisten und Reporter hat er keine mehr empfangen, den ganzen Abend nicht, aber auch Baze war von da an verschwunden. Es gibt Leute, die sagen, dass seit jenem Interview ein Rapper mehr auf dem Gurten herumspuke.
Anmerkung: Die Geschichte rund um Baze’s Aussagen ist frei erfunden (und Teils auch von Franz Hohler stibitzt) - jegliche Ähnlichkeit mit der Realität ist rein zufällig und auch nicht sonderlich wahrscheinlich. Die Schreiberin lehnt jede Haftung ab und übernimmt auch keine Garantie, was den Wahrheitsgehalt der Antworten betrifft.