Reto Burrell - Ein Berufener bei seiner Lebensaufgabe
Mit Reto Burrell stand im Mokka Thun ein Mann auf der Bühne, der weder in der Schweiz noch in den USA ein Unbekannter ist, schliesslich erfreute er auch schon die legendären Dixie Chicks mit seinen Klängen. Seine zweite oder vielleicht auch erste Heimat ist dem Schweizer Musiker aber auf alle Fälle gut anzuhören. Da kommt schlichtweg ein anderer Lifestyle von der Bühne herunter. Aus einer Lebensfreude ist eine Lebenseinstellung geworden. Schon immer wollte er Musik machen, sagt er. "Früher, vor 20 Jahren, Punkrock, heute schlichtweg Rock'n'Roll." Weil er keine Stimme für Punkrock habe, meint Reto. Als er mit Singen begann, entwickelte sich auch sein heutiger Musikstil. "Aber grundsätzlich war mir egal was ich machte, Hauptsache Musik." Und so findet es Reto Burrell "genial", dass er seit zehn Jahren professionell im Musikbusiness tätig sein kann. Die Musik, die er jetzt mache, wird nur mit dem Alter besser, so der Nidwaldner. Amerika bedeute ihm jedoch sehr viel. Der Künstler ahnt, er würde wohl nicht in der Schweiz leben, wenn er hier nicht seine Familie hätte. Fernweh - Heimweh, ein Zwiespalt. "Amerika wird aber sicher das Land sein, in dem ich alt werde."
Der Singer/Songwriter nimmt seine Inspiration aus dem Leben. So entstehen Texte und Melodien schon mal auf einer Autobahnraststätte. Er bringt gerne seine American Roots in die Schweiz, denn hier lebt seine Famillie. Er bedauert jedoch, dass der Lifestyle Rock'n'roll in der Schweiz nicht so sehr verbreitet ist. "Die Schweiz ist nicht so ein Gitarrenland, vieles ist ein bisschen verklemmt", glaubt er. Reto Burrell wünscht sich, die Rock'n'roll Fahne an den Schweizer Masten würde noch ein bisschen höher gehisst. Die Qualität der Musik sei vielleicht nicht mal so wichtig, "sondern viel mehr die Autenthizität", sit er überzeugt. Rock'n'roll kommt vom Blues - und Blues, das sind Lebensgeschichten, die erzählt werden wollen. Burrell weiss: "Ein richtig trauriger Song kommt nur gut, wenn du richtig traurig bist." Reto Burell gefällts, wenn junge Leute auf die Musik setzen, auch wenn sie viel entbehren müssen. "Auf diesem Weg entstehen authentische Bands mit authentischer Musik."
Dann war da noch das Konzert, an dem wir uns im Thuner Kultlokal Café Mokka unterhalten haben. Jeder, der Reto Burrell noch nie Live auf der Bühne erlebt hat, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, etwas verpasst zu haben. Freude an der Musik pur, mit einer Band, die passender nicht zusammengestellt werden konnte. Ein Hauch von Bruce Springsteen im Mokka Thun. Der Funke sprang sofort über aufs Publikum, Reto Burrells Freude an der Musik war nach wenigen Minuten auch im Publikum zu spüren. Hier kam auch der direkte Publikumskontakt eines Clubs zum tragen, mit dem weiteren Vorteil, dass auch die Bar nicht weit weg ist. Nach 90 Minuten blieben viele glückliche Gesichter im Publikum, und nicht wenige Besucher wünschten sich mehr so enthusiastische Musiker in der Schweiz. Burrell ist mit seinem Album "Go" noch eine ganze Weile unterwegs; Daten gibts auf der Homepage - und Reto Burrell live kann nur jedem Rock'n'roll begeisterten Musikliebhaber empfohlen werden. Auf die Frage, wo Reto Burrell in 20 Jahren steht, antwortet er lachend: "Bestimmt werde ich dann Musik machen und mindestens sieben weitere Alben auf dem Markt haben." Go for it, Reto.