Cataract - Strictly Metal und doch salonfähig
Text: Monthy
Bilder: Cataract
Das Cover zu Cataract's aktueller CD erinnert in seinem Sujet an dasjenige der Swamp Terrorists Anfang der 90er. Die Verwandtschaft zum Dinosaurier-Auge der nationalen Industrial-Legenden aus Bern ist indess Zufall, wie mir Cataract-Sänger Fedi im Talk erklärt: "Das hat eigentlich nichts damit zu tun. Das Cover ist das Resultat eines ziemlichen langen Hickhacks. Wir haben lange nach einem Künstler dafür gesucht und sind schliesslich in einem Fan in Deutschland fündig geworden. Wir hatten einige seiner Arbeiten gesehen und das Resultat gefällt uns vor allem farblich sehr gut. Wir mussten uns schlussendlich auch relativ kurzfristig entscheiden." Während die Swamp Terrorists damals ein Dinosaurierauge abgebildet hatten, gehört das Cataract-Auge zum Wappentier der Band. Ein Geschöpf aus Einzelteilen verschiedenster Tiere, das ich als Mischung aus Ziegenbock und Seepferdchen klassiere. Fedi sieht mich von der Seite an: "Seepferdchen habe ich also noch nie gehört... Es ist eine Ahnlehnung an unseren Goat, den Ziegenbock, der normalerweise seit unserer ersten CD unser Logo ist und führt so ein bisschen durch das Layout." Das Band-Maskottchen hat übrigens auch nichts mit dem heidnischen Ziegengott Pagan zu tun, der sich in der Szene gewisser Beliebtheit erfreut. - "Das Tier ist damals mehr zufällig aufs Cover unseres Debuts geraten und hat uns graphisch einfach sehr zugesagt. Deshalb haben wir das bis heute durchgezogen."
Musikalisch decken Cataract das ganze Metal-Feld ab, praktisch ohne Fremdeinflüsse. Fedi: "Es stimmt schon. Wir machen ziemlich strictly Metal mit Hardcore-Einschlag, den man vor allem bei den Vocals heraushört. Dort sind wir schon ziemlich stark verwurzelt. Ansonsten ist Metal die Musik, die wir gerne hören und machen. Deshalb fahren wir auch diese Schiene." Das spiegelt sich natürlich auch im Hörverhalten der Band, das zwar eine gemeinsame Basis, aber durchaus auch feine Unterschiede aufweist. - Fedi:"Rick hört zum Beispiel viel Blackmetal, ich dagegen eher alte Hardcore-Sachen, ein wenig Trash. Tom hört auch sehr viel Brutal-Zeugs, der Bassist ist eine Generation jünger und hört teils ganz andere Sachen, teils auch dasselbe alte Zeugs wie ich. Jeder pflegt so seine Referenzen..."
Besonders scheint mir Cataracts Einstellung zur Effektmaschine. Während nämlich andere damit die Soundqualität steigern, geht's bei den Zugern schon mal in die andere Richtung. Gemeint ist damit "Tonight we dine in hell" - ein Song, der tönt, wie sich eine pyroklastische Wolke anfühlen muss. Wäre es nicht einfacher gewesen, den Song einfach unsauberer zu spielen, Fedi? - "Wenn das überhaupt möglich gewesen wäre... Wir sehen schon immer zu, dass wir ein paar dreckige Effekte einbauen. Das passt zur Gewalt der Musik und intensiviert die Stimmung. Auch Effekte auf der Stimme kann es mal geben. Wir suchen auch immer Samples und Geräusche. Rick hat mittlerweile eine ganze CD davon. Wir sind also gut ausgestattet."
"A propos dreckig", zünde ich Fedi an, "Metal-Bands sind doch diejenigen, die in dreckigen, schummrigen Spelunken vor praktisch keinen Leuten spielen..." Der Cataract-Shouter setzt sich zur Wehr: "Vor praktisch keinen Leuten kann ich jetzt nicht bestätigen... Es kommt zwar schon mal vor aber auch, dass wir vor vollbesetzten Rängen spielen. Wir nehmen aber jede Bühne, auch ohne Bühne oder Podest. Hauptsache es rockt." Meine Frage wollte natürlich genau darauf hinaus, dass Metal ja in den letzten Jahren durchaus salonfähig geworden ist. Haben denn Cataract schon mal irgendwo gespielt, wo sie sich leicht fehl am Platze vorkamen? - Fedi: "Das kann man so nicht sagen. Uns ist halt auch wichtig, wie das Ganze aufgezogen wird. Es ist also fast wichtiger, wer dahinter steht. Aber wir haben mal an einer Vernissage eines Magazins namens Soda gespielt. Dort hatte es viele Leute aus der Künstlerszene, teils total ausgeflippt. Und wir haben dort unter anderem mit Reverend Beatman gespielt. Das war zwar schräg, aber die Leute sind total abgegangen."