Chicken Nuggets möchten Götter in Japan sein
Text: Ko:L
Bilder:
PartyGuide.ch, Fabian Rohr
Es war ihr letztes Konzert mit dem aktuellen Programm. Die Chicken Nuggets aus Luzern präsentierten am Lakesidefestival am See in Hergiswil noch einmal eine geballte Ladung Punk. Von der Bühne mit Seesicht geht’s nun für den Power-Vierer ab ins Studio, wo der Nachfolger ihres aktuellen Albums „10“ entsteht. „Es ist das zweite Album, das wir in Eigenregie aufnehmen“, sagt Christof und Serge fügt an: „Wir wollen den Weg, den wir mit ‚10’ eingeschlagen haben, weiter gehen. Wir wissen jetzt, wo wir hingehören und was wir wollen.“ Habe es zwischen früheren Alben noch markante Unterschiede gegeben, so werde der Nachfolger, der Ende Februar 2008 rauskommen soll, klar im Zeichen von „10“ stehen.
Dieses Selbstbewusstsein der beiden Vollblutmusiker kommt nicht von ungefähr. „Wir sind jetzt seit zwölf Jahren zusammen“, sagt Christof, „und haben in Luzern schon viele Bands kommen und gehen sehen.“ Dass die vier Hühnerstücke noch zusammen sind, ist dabei keine Selbstverständlichkeit. „Wir waren 15-, 16-jährig, als wir angefangen haben, Musik zu machen“, sagt Serge, „und oft ist es bei Bands, die so jung anfangen so, dass sie sich wegen verschiedenen Jobs und anderen Interessen irgendwann wieder trennen.“ Wohl sei es nicht einfach gewesen, dass aus der Clique, die schon vor dem Start als Musiker stets zusammen herumhing, eine Band wurde, die bisweilen auch heftig über die Qualität ihres Sounds oder einzelner Musiker diskutiert. Aber die Chicken Nuggets haben es geschafft und sind heute in der Rock City Luzern eine gestandene Grösse.
„Wir haben uns alles selber erarbeiten müssen“, sagt Christof, „ich hatte nie Schlagzeugstunden und auch sonst hatte keiner Unterricht auf seinem Instrument.“ Und: „Als wir angefangen haben, war die ganze Funkrock-Geschichte sehr gross. Wir waren neben den Möped Lads die einzigen, die auf Punk oder Indie setzten“, erinnert sich Serge. Doch bekanntlich macht einen stärker, was einen nicht umbringt. So haben sich die vier knackigen Goldjungs mit Namen Chicken Nuggets ihre Sporen abverdient, Alben aufgenommen, selber für Gigs geschaut und sich mit ganzem Engagement ins Haifischbecken des Musikbiz gestürzt – was dazu führte, dass heute noch vom Dachterrassenkonzert bei einem Freund mitten in der Stadt gesprochen wird. „Wahnsinn, wie viele Reaktionen wir darauf hatten“, sagt Serge. Dabei stieg der Gig bloss anlässlich einer Privatparty. Doch die Jungs sind lernfähig und künden an: „Wir planen zur Lancierung des nächsten Albums wieder eine Aktion“, verrät Serge, „aber dieses Mal klar mit dem Ziel, die Scheibe zu promoten.“
Was die Chicken Nuggets sich selber hart erarbeiten mussten, geben sie heute gerne an junge Musiker weiter. Es wird einmal mehr offensichtlich, dass Luzern in den Bereichen Punk, Rock und Indie im weitesten Sinn über ein funktionierendes Netzwerk verfügt, wie sonst kaum eine Stadt. „Wir holen gerne junge Bands in unser Studio, damit sie ein Demo, eine EP oder ein Album aufnehmen können“, sagt Christof. Frust, dass die Jungen heute vom Knowhow profitieren können, dass die Chicken Nuggets selber hart erarbeiten mussten, kommt dabei nicht auf. „Es macht echt Spass, unsere Erfahrungen weitergeben zu können“, erklärt Christof – fügt aber an: „Manchmal ist die Arroganz, mit der junge Bands auftreten, erschreckend. Manch einer, der heute anfängt, kauft sich Gear, das mir noch heute zu teuer ist.“
Einfach nur ihr Wissen weiterzugeben und noch ein paar Platten zu veröffentlichen, ist allerdings beiliebe nicht das Ziel der Chicken Nuggets. „Wir sind jetzt bereit für den nächsten Schritt“, sagt Christof. Sprich: Die Jungs sind auf der Suche nach einem Label, das ihnen bei der Vermarktung des nächsten Albums hilft, „und nach einer Bookingagentur, die uns neben Gigs in der Schweiz auch mal eine zwei-, dreiwöchige Tour etwa durch Holland, Deutschland und Tschechien organisiert“, ergänzt Serge. Und dann haben die Jungs noch ein grosses Ziel. Christof: „Bevor wir aufhören, wollen wir nach Japan.“ Warum, Serge? „Weil du als Mitglied einer Band, die so richtig abrockt, für die Japaner einfach Gott bist!“