Mit Volldampf auf dem Gurten: Choo Choo
Musiker aus Bern zu fragen, wie ihr Auftritt am Gurtenfestival gewesen sei, ist ähnlich absurd, wie sich bei James Bond zu erkundigen, wie er seinen Martini serviert bekommen möchte: „Es war geil, wir sind als Teenager immer ans Gurtenfestival gegangen“, sagt Sänger und Gitarrist Dan. Keyboarderin Lili ergänzt: „Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.“ Und Bassist Yan doppelt nach: „Es war ein Heimspiel. In der vordersten Reihe standen nur bekannte Gesichter. Wir waren aber überwältigt ob der grossen Zahl an Zuschauern, die ans Konzert gekommen sind.“
Choo Choo existieren seit zwei Jahren und haben bisher ein Album veröffentlicht - und nun also auf dem Gurten gespielt. Ein ziemlich steiler Weg also, wie es scheint: „Wir haben alles erreicht, was für uns in dieser Zeit möglich gewesen ist“, sagt Yan. Um seine Aussage zu stützen: Choo Choo haben ihr Debut bei Produzent Jim Diamond, der auch schon für die White Stripes gearbeitet hat, aufgenommen, sie sind damit im März zur Swiss-Top-Band auf DRS 3 gewählt worden und sie haben zahlreiche Konzerte im In- und Ausland gespielt. Der Auftritt auf dem Gurtenfestival setzt diesen Ereignissen die Krone auf.
Im Herbst geht es für die vier Berner erneut auf Tournee: Auch im Ausland wollen Choo Choo wieder Spuren hinterlassen. Deutschland und Österreich seien zwei Destinationen, der Osten von Europa locke und ein Auftritt an einem Festival in Barcelona sei bereits gebucht. „Wir wollen keine dieser Bands sein, die in der Schweiz in allen Clubs und an jeder Kilbi gespielt hat. Ich will die ganze Welt bereisen, um Konzerte zu spielen“, sagt Sänger Dan. Und Drummer Sam fügt hinzu: „Es ist auch spannend, wenn man immer einen Schritt weitergehen kann und merkt, dass die Musik überall gut ankommt.“
Am Wochenende vor dem Gurtenfestival haben sich Choo Choo mit einem Auftritt der besonderen Art vorbereitet: An der Plattentaufe verlosten sie einen Wohnzimmer-Gig, der nun im Atelier der Gewinnerin stattfand. „Wir haben dort gemerkt, dass wir keine unplugged-Band sind. Wir spielen lieber laut und hart. Aber bei den Besuchern ist der Auftritt trotzdem gut angekommen“, sagt Lili. Und Sam ergänzt: „Wir haben dort auch Songs proben können, die wir noch nie live gespielt haben. Wir sind natürlich froh, dass wir die Feuerprobe dieser zwei Stücke nicht auf dem Gurten selber hatten.“
So rasant sich die bisherige Bandgeschichte von Choo Choo liest, so steil wird es weitergehen: Die Band hat schon wieder genug Songs bereit, um ein halbes Album zu füllen. Im Herbst des nächsten Jahres wollen sie erneut ins Studio gehen um das Resultat im Frühling 2010 präsentieren zu können. Details dazu haben sie allerdings noch keine besprochen. „Es wäre wahrscheinlich der einfachste Weg, wenn wir wieder nach Detroit ins Studio von Jim Diamond gehen würden. Aber mir sagt der einfachste Weg nicht zu“, sagt der Choo-Choo-Sänger. Wer weiss, wenn der Weg von Choo Choo weiterhin auf dem Überholgeleise verläuft, wird sich Sänger Dan dereinst seinen Wunsch erfüllen können und eine Sonnenbrillenschleuder kaufen können, um seine Brillen an den Konzerten nicht mehr von Hand ins Publikum werfen zu müssen...