Christian Tschanz: Haar weg = besseres Selbstwertgefühl
Text: Debi
Bilder:
musicbild.li
Das Haar ist ab: Christian Tschanz. Oder doch nicht? Momol, er ist es. Auf den ersten Blick scheint durchaus möglich, dass ein anderer Sänger an seiner Stelle in Avenches auftritt. Seit seiner Schulzeit, trug der Singer/Songwriter die Mähne lang - sein Markenzeichen, sozusagen. Schnell aber ist klar: Hier handelt es sich nicht um einen Promo-Gag, nein, Tschanz hat wirklich Haare gelassen. Und dabei extrem dazu gewonnen. Ist seine äusserliche Veränderung Ausdruck eines inneren Wandels? "Ja", sagt Tschanz im Interview: "Es ist das Älterwerden. Ich habe bereits mit dem Gedanken gespielt, bevor das Album rauskam, aber alle diese Songs hab ich mit langen Haaren geschrieben, also konnte ich das nicht durchziehen." Das Album kam raus, Tschanz feierte seinen 30sten - und weg war die Haarpracht. "Erzählt hab ich das niemandem", sagt er rückblickend. Seither gibt es gar Freunde, die ihn auf der Bühne nicht mehr wieder erkennen.
Dieser Effekt kommt nicht von ungefähr: Tschanz wirkt ausgelassener und frecher, wenn er auf der Bühne steht. Seine rauchige Stimme ist dieselbe geblieben. Ansonsten ist der gebürtige Thuner nicht wieder zu erkennen. Gerade so, als wäre er von einer Last befreit. Der fünffache Vater scheint aber auch filigraner als je zuvor.
In die Promo für seine neue CD 1000 Gründe wirkt sich der neue Look eher negativ aus, sagt Tschanz selbst. Eben, weil er kaum wieder zu erkennen ist. "Aber mir tuts gut und die Leute haben Freude daran." Ein alter Zopf ist gewichen, und er fühle sich "viel besser". Sei Selbstwertgefühl sei besser. "Als ich zum ersten Mal wieder im Übungsraum war, hat mir die Band gesagt, ich sähe aus wie eine richtige Rocksau."
Tschanz und das Rock oz'Arènes: Vor 13 Jahren hat der Musiker hier seine Zukünftige kennen gelernt. Heute wohnt er nur wenige Häuser vom Festivalgelände weg. "Ich komme jeder Jahr hierher", sagt Tschanz. Jahrelang habe er den Wunsch gehegt, hier zu spielen. Heuer hats geklappt. Ein bewegender Moment für Christian Tschanz, obwohl er bereits kurz nach sechs Uhr abends aufspielte. Im Welschen, erzählt Tschanz, laufe es ihm mit seinem Album zurzeit besser. Das Album verkauft sich besser - es ist auch auf französisch rausgekommen: „1000 raisons" –„Konzerte gibt er hier mehr, bei Radiostationen konnte er vorsprechen.“ Warum das so ist? Tschanz glaubt: "Die Deutschschweizer haben wohl einwenig Mühe damit, dass ich hochdeutsch singe." Zurzeit plant er bereits für nächstes Jahr: "Ich werde bestimmt so viel spielen, wie nur möglich." Im September ist er als musikalische Unterstützung solo an Literaturabenden beispielsweise in Bern und Zürich unterwegs.v