Christian Tschanz' Leben ist „En Couleur“
Text: Ko:L
Bilder: Cover/Grisu/Video
Alles ist schwarz-weiss im CD-Booklet. Bloss der Schriftzug „En Couleur“ präsentiert sich in keckem Viollet. Konventionen, so scheint es, sind nicht Christian Tschanz' Sache. Der Thuner, der vor Jahren in Avenches heimisch geworden ist, präsentiert mit „En Couleur“ sein zweites Album. Nachdem das Debut noch doppelt – einmal in französisch, einmal in deutsch – erschienen war, gibts den Nachfolger jetzt „nur“ noch in Franz. „Die Gründe dafür sind vielfältig“, sagt Tschanz. „Zum einen hatte ich schlicht keine Zeit, das Album auf Deutsch zu übersetzen und einzuspielen, zum anderen hat sich in der Romandie und vor allem in Frankreich in der letzten Zeit gerade einiges bewegt.“ So wird der nicht nur bereits heute auf gut 30 Radiostationen gespielt, sondern er hat in der zweiten Oktober-Hälfte die Möglichkeit, in Paris drei Konzerte zu spielen. „Eigentlich müsste ich viel öfter nach Paris reisen können, um Leute kennenzulernen und zu treffen“, ist er sich bewusst. „Aber ich muss stets im Rahmen meiner Möglichkeiten arbeiten. Das bedeutet halt auch, dass es manchmal etwas langsamer geht“, sagt er – und spricht damit so manchem Schweizer Musiker, der neben der Musik noch in einem Job feststeckt, aus dem Herzen.
Auf seinem zweiten Album verabschiedet sich Tschanz von der Illusion der heilen Welt. „Es gibt einige Songs, die den Alltag kritischer betrachten, als ich das auf '1000 raisons' tat“, betont der Sänger und Songschreiber. „Der Titelsong 'En Couleur' erzählt etwa die Geschichte von einem kleinen Mädchen, dass eines Tages von der Schule nach Hause kommt, und versucht sich die dunkle Haut abzuwaschen, weil es realisiert, dass es anders aussieht, als die anderen Kinder in der Schule. Solche Dinge beschäftigen mich...“ Aber auch seine persönliche Entwicklung findet in Tschanz' Lieder tiefen Niederschlag. „Auf dem ersten Album hatte ich einen Song 'In diesem Haus', der von dem Ort berichtete, an dem ich in Thun aufgewachsen bin. Jetzt gibt es ein Lied, das 'Chez moi' heisst und eine Art Hommage an meinen jetztigen Wohnort ist.“
Auch im Video (oben) zu „Mon voeu d'adieu“ präsentiert sich Tschanz von seiner eher nachdenklichen, sicher aber ruhigen Seite. Und von seiner professionellen Seite. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, ist seine Devise. Nicht zuletzt deshalb hat er sich auch eine reife Band zugelegt, die seinem Sound nicht nur die nötige Live-Power verpassen, sondern auch dazu beigetragen haben, dass Tschanz' Sound heute trotz klarem Bekenntnis zu schlichtem, emotionalen und eingängigem Pop im Zweifelsfall eher kantiger daher kommt, als noch auf dem Debut. „Das Leben ist vielschichtig – und nicht immer nur nett. Ich versuche, das mit meiner Musik zu wiederspiegeln“, sagt er.
Womit wir wieder beim Album-Titel „En Couleur“ wären. „Ich mag Bilder in schwarz-weiss über alles“, sagt Tschanz zwar – betont aber gleichzeitig, dass er nicht ein Mensch sei, der in ebensolchen Schemen denkt. Und er stimmt der Aussage zu, dass sich zwischen Weiss und Schwarz nicht nur Grau befindet, sondern eben das ganze Spektrum des Regenbogens. „Das wichtigste, ist Ehrlichkeit“, betont er. „Deshalb habe ich dieses Mal nicht auf schöne Hochglanzbilder gesetzt.“ Tatsächlich ist im ganze Booklet kein einziges scharfes Bild zu finden. „Die Bilder sind sehr spontan entstanden – und sind ganz schlichte Momentaufnahmen aus dem Leben. Wie meine Musik auch“, fährt Tschanz fort. Wohl wissend, dass ein scharfes Foto von seinem Gesicht es einfacher machen würde, den Namen Christian Tschanz zu vermarkten. „Aber das ist nicht mein erstes Ziel. Meine künstlerische Freiheit ist mir viel wertvoller.“ Live gibts Tschanz am 17. Oktober an der Plattentaufe in der Deutschschweiz in Spiez und am 14. November an der Plattentaufe in der Romandie in Payerne.