Kommen und Gehen in Thun: Christian Tschanz & Roberto Brigante
Text: Mel
Bilder: Debi
Der eine ist in Thun aufgewachsen, der andere hat die schöne Stadt der Alpen in den 80er Jahren kennen gelernt. Für beide ist Thun ein Teil ihrer Heimat und aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Es ist aber nicht nur der Ort, der die beiden Mannen verbindet - nein es ist vor allem die Musik. Dass sie einmal gemeinsam vor Thuner Publikum ein Konzert geben würden, das war wohl Schicksal. „Als ich nach meiner CD-Taufe in Erlenbach dein Konzert gehört habe, wusste ich, es wäre schön, wenn wir beide einmal einen solchen Abend haben könnten, wie heute“, meint Roberto Brigante vor dem grossen Konzert. „Ja es war eben so, dass wir am gleichen Ort unsere CD produziert haben“, weiss Christian Tschanz. „Und dort lernten wir uns eigentlich kennen. Wir haben dann auch immer Sachen ausgetauscht und uns in die Songs des andern reingehört.“ „Genau“, stimmt Roberto zu und sagt, dass ihn die Lieder und Geschichten seines Kollegen sehr berührt haben.
In Thun gross geworden, verliess Christian Tschanz schon bald einmal sein elterliches Zuhause, um in Avenches eine Lehre in Angriff zu nehmen. Für den damals 17-jährigen, schweigsamen Burschen keine einfach Aufgabe: „Ich war nie der, der gut reden konnte“, erinnert sich der vierfache Familienvater. Und überhaupt sei Kommunizieren für ihn ein grosses Problem gewesen, dessen Lösung er dann in der Musik gefunden habe. „Als ich auf meiner Gitarre die ersten Akkorde beherrschte, wollte ich schon Lieder schreiben, und das habe ich dann eigentlich auch gemacht“, meint er stolz. Es seien nun schon bald 16 Jahre seit er Lieder schreibe und jetzt sei der Zeitpunkt da, eine CD zu produzieren und damit in die Öffentlichkeit zu gehen.
„Ich habe vor rund 26 Jahren als Saisonier in Thun gelebt“ schaut der gebürtige Italiener Roberto Brigante zurück und erzählt von den schönen Feierabenden, die er singend mit seinen Landsleuten verbracht habe. „Ich konnte ein paar Akkorde, heute kann ich auch noch nicht viel mehr“, schmunzelt der 43-Jährige, „und so konnten wir uns nach der harten Arbeit den Tag versüssen.“ Vor zirka vier Jahren habe es ihn dann erneut so richtig gepackt und er habe damit begonnen Lieder zu schreiben. Seine erste Platte hat er 2004 auf den Markt gebracht und in diesem Sommer durfte er sogar schon seinen Zweitling „Va bene“ präsentieren. Heute lebt Roberto mit seiner Familie ganz in der Nähe des einstigen Elternhauses von Christian, während dieser in Avenches sein zweites Zuhause gefunden hat. „Wir haben so ein wenig unsere Plätze getauscht“, sagt Tschanz. „Es ist für mich natürlich auch spannend so diesen Austausch mit Thun zu pflegen.“ Obwohl er gerne in Avenches sei, ziehe es ihn immer wieder nach seiner alten Heimat und zu seinen Freunden zurück. „Als ich damals in die Schweiz gekommen bin, wollte ich eigentlich nach der Saison wieder zurück nach Italien“, erinnert sich Roberto, der charmante Sänger. „Aber dann sind es plötzlich sechs, dann 16 Saisons geworden und nun sind es schon 26 Jahre und ich bin immer noch da.“ Er sei eben sehr stolz hier zu sein und er könne sich kaum vorstellen Thun zu verlassen. „Uh ne nei“, macht Brigante und winkt mit der Hand ab. „Mir gefällt es hier. Thun ist für mich Heimat, sowie auch Italien Heimat ist.“
Dass Roberto mittlerweile zum waschechten Thuner geworden ist, hört man auch seinem schon sehr nach Berndeutsch klingendem Dialekt an: „ Ja ich habe immer ein wenig versucht Berndeutsch zu sprechen“, betont der einstige Pizzaiolo. „Deshalb habe ich auch so einen komischen, oder ja, eher lustigen Dialekt.“ Am Anfang, als er nach Thun gekommen sei, hätten ihn die anderen immer ausgelacht und ihn belehren wollen. Und jetzt, da er endlich fliessend sprechen könne, dürfe er nicht. „Ich soll so bleiben wie ich bin“, sagen mir die Leute. „Okay, dann machen wir das eben“, schmunzelt Roberto. Ihm sei es sowieso egal welche Sprache er spreche oder singe. „Ich kann mich nicht entscheiden, in welche Sprache ich lieber singe“, meint Roberto, „mir gefällt beides.“ „Bei mir ist es genau das selbe“, wirft Tschanz ein. „ Ich brauche ganz einfach beide Sprachen und gehe auch so auf die Bühne.“ Schliesslich sei ein Teil seiner Familie im Welschland und der andere in Thun, und deshalb sei es für ihn sehr wichtig, dass beide Seiten ihn verstehen können. „Genau aus diesem Grund werde ich auch mein neues Album, welches im kommenden Februar erscheinen wird, in beiden Sprachen herausgeben. Und ich bin sehr stolz darauf, dass ich nun jedem diese CD in die Finger drücken kann, dessen Songs er dann auch wirklich versteht“, freut sich der Ex-Thuner.