Die Rückkehr der Rüpelrocker
Text: Mick Gurtner
Bilder: Colafluid
Laut und heftig: So präsentierten sich Colafluid – und lärmten sich ab 2001 mit zwei Platten und unzähligen Konzerten in die Herzen der Freunde unzimperlicher Gitarrenklänge dies- und jenseits des Röstigrabens. Doch dann, im Jahr 2006, wurde es sehr plötzlich sehr ruhig um den eigentlich alles andere als stillen Frontmann Gage Plecic und seine draufgängerische Truppe. Vier lange Jahre später sind Colafluid zurück. Und wie eine Exklusiv-Hörprobe der ersten Demos nahelegt: Mehr denn je. Die dreckig-rohe Punknummer «Walking with the Dogs» erinnert an Iggy Pop und seine Stooges, «Used to Get High» verbindet gepfefferte Rockpower mit einer eingängigen Melodie. Bescheiden gab sich der extravagante Sänger Gage nie. Auch jetzt sagt er zu den neuen Songs und der für Anfang 2011 geplanten neuen CD: «Es soll riesig werden!» So weit, so Colafluid. Aber was ist in den «verlorenen» vier Jahren geschehen?
«Wir haben ein Jahr lang jede Menge Konzerte gespielt, davon drei Monate fast am Stück», erinnert sich Gage. Nervenaufreibend sei das gewesen. Und am Ende war die Band energietechnisch am Anschlag. Mit drastischen Folgen. «Direkt nach der letzten Tour dachte ich: Das wars!», sagt der 31-Jährige. Vorerst wurde die Band aber einfach «eingemottet» – und Gage werkelte allein an neuen Songs. «Ich bin Songwriter, ich kann die Musik nicht einfach aufgeben.» Er habe sich auch überlegt, den Namen Colafluid fallen zu lassen. Nur: «Colafluid sind zehn Jahre meines Lebens. Wir haben etwas aufgebaut, der Name ist bekannt. Es ist eine Riesenbüez bis dahin», weiss Gage. Nach zwei Jahren begannen er und Gitarrist Patrik Steinmann wieder gemeinsam Musik zu machen. Als auch Drummer Andy Panic wieder zur reaktivierten Band stiess und Mario Karamezinovski neu die Bass-Saiten bearbeitete, waren Colafluid bereit für neue lärmtechnische Untaten.
«In den neuen Songs stecken ein paar zusätzliche Jahre Leben», begründet Gage das ausgereiftere Songwriting. Ausserdem habe er an seiner Stimme gearbeitet, um die Intensität länger hochhalten zu können. «Ich habe früher sehr gedrückt gesungen. Das war für die Stimme so schlecht, dass wir Konzerte oft nach 45 Minuten abbrechen mussten.» Und schliesslich profitiere er vom gesünderen Lebenswandel, davon, dass der Alltag nicht mehr zwingend von der ersten bis zur letzten Minute eine Rockshow sein müsse. «Ich muss mir selber nichts mehr beweisen. Dafür habe ich heute nach drei Stunden im Übungskeller noch jede Menge Energie. Auch das ist Rock’n’Roll!» Möglichst viel Energie und jede Menge Herzblut wollen Gage und Co. vom Comeback-Gig ins Studio mitnehmen. Das dritte Colafluid-Werk soll Anfang 2011 in den Läden stehen. «Und dann», so Gage, «wollen wir aus allen Rohren feuern!»