Da Sign & the Opposite - Live im Moods
Text/Bilder: Monthy
Wenn man über eine Band berichtet, kommt man eigentlich an der Stilfrage nicht vorbei. Weil mir Da Sign & the Opposite mit ihrer positiven Stillosigkeit allerdings eine ziemliche Auswahl bieten, erlaube ich mir, meine erste Frage etwas umzuformulieren. Woher haben DS&TO eigentlich soviel Stil? - Djeree Djëf le touriste, der "Discoman" von Sign & Opposite, versucht zu antworten: "Meistens aus den Heften, die wir beim Friseur lesen...", und sein Kollege Wubert brummelt etwas von wegen "Fernsehen und viel Surfen", das die musikalische Produktivität beeinflussen würde in seinen Bart.
Da Sign & the Opposite sind keine Truppe wie jede andere. Was sich auf der Bühne in teilweiser Kostümierung ausdrückt, ist im gesamten Schaffen der Band erkennbar. Leicht ausgeflippt, ja fast schon ein wenig anarchisch stürmt die junge Berner Band Konzertlokale, Plattenläden und sogar das Fernsehen. Ich habe drei Kuriositäten ausgesucht und DS&TO gebeten, mir zu erklären, wie man dazu kam.
Die Schafe auf dem Cover der aktuellen CD "Why you woo" - spielen sich gerne in den Vordergrund, meint Wubert: "Beim Fotoshooting fürs Cover hat sich dieses Schaf einfach in die erste Reihe gestellt und wir wollten es dann nicht vor den Kopf stossen." Djeree sagt dazu: "Wir kommen ja aus einer Region, in der es mehr Tiere gibt als Menschen. In der Stadt bildet man vielleicht eher Betonwände ab, bei uns Schafe."
Die Maultrommel - Wubert denkt, dass "Perkussion ein enorm wichtiges Element unserer Musik ist. Trommeln überhaupt - das hat ja in Afrika angefangen, als sie erstmals überhaupt mit Knochen auf Tierfelle gehämmert haben... oder auf Köpfe! Wir haben das dann auf unseren unwissenden Köpfen, die so viel Hohlraum hatten, nachgemacht und heraus gefunden, dass die Maultrommel die perfekte Verbindung von Rhythmus und Wort ist." Djëf le touriste präzisiert: "...und zwischen Rhythmus und Körper. Das verbindet ja extrem, diese Schwingungen vom Mund in den Kopf und wieder heraus." Ich bezeichne die Spezialität von DS&TO als 'Didgeridoo für Arme' und mache mir damit keine Freunde...
Roboman - Der eigentlich von der Venus stammende Roboter ohne Funktion taucht aus visatechnischen Gründen meist nur kurz an SD&TO-Konzerten auf und macht sich sogleich wieder aus dem Sternenstaub. Djeree: "Roboman hat eine speziell komische Stimme, weshalb er ganz gut zu uns passt."
Leicht hinterlistig und in Anlehnung an die Entstehungsgeschichte von Da Sign & the Opposite frage ich, ob's denn bei der schieren Flut an Effekten und Kuriositäten auch einen Song mit Gong von DS&TO gebe? - Wubert: "Wir haben mal einen versucht, aber der Gong hat dann alle anderen übertönt." Djeree: "Ach, du meinst, wegen dem Kopf-Gong? Nein, das ist ein anderer Gong - nicht das Instrument. Das musst du dir mehr so vorstellen wie ein grosser Hohlraum, der in Schwingung gebracht wird - GOOOONG! So war das damals..." In ihrer Biografie beschreiben die spleenigen Berner so die Initialzündung ihres Projektes.
Während der auf der Bühne bärtige Wubert und der toupierte Djëf sich ein wenig verkleiden, treten die beiden anderen Bandmitglieder, kurz die Twins, ohne Verschleierungstaktik vors gnadenlose Publikum. Kann man nun daraus auf die Charaktere innerhalb der Band schliessen oder sind wirklich alle DS&TO's durchgeknallt? - Wubert: "Wir legen halt schon Wert darauf, dass sich jeder mit der Gestaltung der äusseren Sphäre seines Körpers präsentieren darf. Bei den Twins scheint das eher unflippig, aber das täuscht. Das sind ziemlich flippige Buben. Im Übungsraum sieht das manchmal etwas anders aus als auf der Bühne." Ich frage nach, ob sich also alle gerne ausdrücken und will dabei das Wort 'Exhibitionsmus' vermeiden, was natürlich sofort auf mich zurück fällt. Djeree Djëf le touriste: "Ja, wir drücken uns regelmässig... Ich finde sowieso, es wird viel zu wenig gedrückt. Das ist etwas, das Wärme spendet und die Leute auch noch motiviert. Die Menschen haben heute viel zu wenig Körperkontakt."
Etwas bekannter geworden sind Da Sign & the Opposite dank dem Mobile Acts 2006 auf Sat1, ein Format für Nachwuchsbands, vergleichbar mit einem Musicstar für Bands. Wenn man sich DS&TO allerdings live anschaut, hat man nie das Gefühl, dass da ein Newcomer auf der Bühne stehe. Vielleicht, weil die Jungs mutig sind, sowohl musikalisch als auch betreffend Auftreten. War Mobile Acts also überhaupt das richtige Format für DS&TO? - Wubert macht sich weiterhin lustig über mich: "Es gibt ja soooo viele Formate mittlerweile... Es gibt Tapes Platten, CDs, Harddiscs Internet, Fernsehen... - da haben wir gedacht, wir versuchen es mal mit dem Fernsehen und wir konnten uns also durchaus anfreunden mit diesem Format."
Ich gebe noch nicht auf und frage nach, ob DS&TO dank Mobile Acts einfach bekannter geworden sind oder - dank dem in der Sendung erhaltenen Feedback - auch besser? Wubert: "Wir haben viel geübt und meistens macht Übung den Meister. Von dem her haben wir uns sicher gebessert." Djëf: "Wir sind vorwärts gekommen, ja... Warum? Wahrscheinlich schon weil wir jetzt bekannter sind." Wubert wehrt sich: "Ich glaube nicht, dass das einen Zusammenhang hat. Du bist nicht besser, weil du bekannter bist. Du musst einfach immer versuchen, besser zu werden." Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich ganz gut, dass DS&TO den Mobile Acts 2006 nicht gewonnen haben. Denn sonst könnten sie ja nicht mehr steigern... Wubert: "Ja... So kann man das auch sehen. Allerdings kann man sich immer steigern. Beim Musik-Machen gibt es kein Gewinnen oder Verlieren wie in solchen Shows. Gewonnen hast du in der Musik, wenn du sechs Stunden lang fährst, um vor zwei Nasen ein Konzert zu spielen, und du alles dafür tust, diesen Beiden einen schönen Abend zu bieten. Dann hast du für diesen Abend gewonnen. Wenn du nicht mehr spürst, was Musik bewirken kann, fängst du dagegen an zu verlieren..."
Ganz so war's im Moods allerdings nicht. Ich frage, ob Zürich eine neue Erfahrung für die Band sei, worauf mich Wubert spitzfindig darauf hinweist: "Ich kenne eigentlich nur neue Erfahrungen, keine alten. Selbst wenn's eine gewohnte Situation ist, wird die Erfahrung theoretisch eine neue." Damit hat er natürlich recht. Eigentlich war meine Frage ja auch nur Auftakt für die nächste. Da spielen DS&TO nämlich im Moods vor hundert breiten Hosen - und knallen dem Publikum Punk in die Fresse! Erklärungsversuch Wubert: "Das schönste war für uns, als an unserem letzten Gig Heavys und Hiphoper zusammen in unserer Musik aufgegangen sind und gemerkt haben, dass es geil ist." Und Djëf fasst das ganze in einem schönen Schlusswort zusammen: "Schlussendlich ist es die Stimmung die zählt und nicht der Musikstil!"