Dada Ante Portas – Es rockt auch mit Violine, Cello und Blasmusik
Es gibt dieses ungeschriebene (und oftmals widerlegte) Gerücht in der Musikszene: eine Unplugged-Platte ist das Ende einer Band. Gut, Gotthard haben bewiesen, dass es nicht so ist, und die Lovebugs ja auch. Trotzdem muss ich die Frage stellen. Die akustisch-klassische Platte der Dada Ante Portas, liebevoll genannt der „Dadas“, lässt doch so was befürchten. Immerhin werden die Herren ja auch älter und man weiss ja nie. Obwohl ich ja schon nicht damit rechne. Aber räumen wir das Gerücht mal aus dem Weg. Pee schaut mich dramatisch an: „Ja, doch, das ist jetzt das Ende.“ Ich höre die erste Reihe an den Dada-Gigs bereits Abschiedstränen vergiessen, als der smarte Sänger schmunzelt: „Natürlich nicht! Wir haben noch viele Ideen und wir werden euch weiterhin erhalten bleiben.“ Ja gut, geglaubt haben wirs ihm ja sowieso nicht, das mit dem Ende. Aber ein bisschen froh sind wir ja schon, die Schweizer Musikszene ohne die Schöpfer der Herzschmerz-Ballade „She Cries For Someone Else“, das geht irgendwie nicht. Jedenfalls noch nicht. Aber wollen wir die Jungs nicht nur auf ihren grossen Hit reduzieren. Dada, das ist weitaus mehr als nur „She Cries For Someone Else“. Und das beweisen sie uns eindrücklich mit der aktuellen Platte „The Classics“, auf der sie ihre Songperlen mal ganz anders präsentieren als gewohnt.
Eine Platte in Zusammenarbeit mit einem klassischen Orchester, das ist irgendwie typisch und gleichzeitig untypisch Dada. Typisch weil mit Stil und speziell. Untypisch weil eher ruhig. Und wer die Dadas als Live-Band kennt, der weiss, dass die da auf der Bühne mit ziemlich viel Energie ans Werk gehen. War das nicht komisch am Anfang live mit klassischen Instrumenten? Da verhält man sich doch anders auf der Bühne, nicht? „Es war irgendwie schon eine Umgewöhnung“, sagt Gitarrero Hayli, „da hast du eine akustische Gitarre in der Hand und es röhrt einfach nicht so wie mit der elektrischen... Aber mit der Zeit kam ich gut damit zurecht. Und es war ja auch spannend, diese neue Situation. Man muss sich völlig neu arrangieren.“ Und wie ist das dann an Openairs? Gerade diese Gigs leben extrem vom Live-Feeling und von der Energie, die von der Bühne kommt. Pee: „Also für die Openairs haben wir Hayli wieder eine elektrische Gitarre in die Hand gedrückt. Openairs sind anders, die Menschen sind anders als in de Clubs. Aber keine Angst, auch mit klassischen Instrumenten kommt das alles sehr energiegeladen rüber!“ In der Tat! Gampel rockt mit Dada uns Geigen, Bläsern und Cello. Wow. Ob klassisch oder rockig – die Dadas sind und bleiben live einfach Energiebündel.
Nun, wenn ja „The Classics“ noch nicht das Ende ist, welches Dada-Abenteuer erwartet uns als nächstes? Nach dem Rockalbum „The Theory of Everything“ kam die Klassik-Best-Of-Platte, quasi ein Stilbruch. Welcher folgt jetzt? „Also was wir schon immer mal machen wollten, war eine Punkplatte, vielleicht kommt ja so etwas?“, grinst Pee. „Oder Schlager?“, schiebe ich nach und ernte Blicke. Naja, warum denn nicht, auch daraus würden die Luzerner bestimmt etwas Gutes machen... Die Dadas bleiben uns jedenfalls erhalten, soviel sei klar. Hoffentlich rocken sie in ein paar Jahren erneut die Gampel-Bühne – ob mit Jodlerchor oder mit Dudelsäcken, das stört uns nicht, Hauptsache der Dada-Schnellzug rollt weiter.