Dada (ante Portas): „Musik ist Seelenfrieden“
Text: Ko:L (Quelle: Claudia Senn,
PartyGuide.ch)
Bilder: Claudia Senn
Sie sind die Lehrer, die sich jeder Schüler wünscht: jung, sympathisch und in einer Rockband. Als „vier Freunde, die die Welt erobern wollen“ beschreibt etwa Frontmann Pee die Band. Ein Eroberungsfeldzug, der nun schon eine Weile andauert. Mit dem Gewinn des Newcomer 1999 und des Music Acts Award 2000 haben die Luzerner ihre Karriere so richtig lanciert. Danach gings weiter aufwärts, unter anderem kam auch eine Nominierung für den Newcomer Prix Walo hinzu. Und seit “She Cries For Someone Else“ sind Dada (ante Portas) eine feste Grösse in der CH-Musikszene. „Ich glaube als Einzelpersonen sind wir nicht DIE Megatalente, unser Talent liegt im Zusammenspiel; es tönt einfach einzigartig und speziell, wenn wir als Einheit spielen... wie bei den Beatles, hehe!“, ortet Pee ein mögliches Erfolgsrezept der Band. „Ohne Zweifel sind gute Beziehungen auch sehr wichtig“, fügt Drummer Thommy an, „Ich denke, wir waren einfach zur rechten Zeit am rechten Ort und haben den richtigen Typen getroffen, der uns gut fand. Das ist auch Glück. Und wir waren schon immer hundert Prozent überzeugt, dass wir das, was wir machen, auch wirklich wollen.
Doch Rockstar sein ist nicht immer nur toll. Während zehn Jahren mit den gleichen Jungs sounden, kann auch anstrengend sein, wie Pee erzählt: „Vor allem wenn wir viel Zeit zusammen auf engem Raum verbringen, da kann man sich schon mal in die Haare kriegen. Momentan ists harmonisch... Aber mit dem Ramsy hab ich eigentlich nie Probleme, wir geraten kaum aneinander, gell?“ Der Angesprochene flachst zurück: „Ja, schon. Wir habens gut zusammen.“ Und trotz des guten Zusammenhalts in der Band, gabs jüngst eine Trennung: Bassist Mitch verliess die Dadas Ende 2006. „Es war absehbar und darum auch kein richtiger Schock“, sagt Pee und erklärt: „Das Touren hat ihm nicht mehr denselben Spass gemacht wie uns, das war schon hart für ihn, denke ich. Er hat sich auch musikalisch anders orientiert, dann stimmts halt einfach nicht mehr.“ Als Ersatz legt derzeit Fabio Trentini (H-Blockx) den Groove-Boden.
Und mit einem Bassist einer deutschen Band schwenkt das Gespräch naturgemäss auf die Ausland Ambitionen der Luzerner Rocker: „Wir waren auch schon kurz in Deutschland unterwegs als Support von Wheatus und mit Die Happy. Wheatus wollten uns damals auf ihre England-Tour mitnehmen – und im Nachhinein denk ich, hätten wirs tun sollen. Ist halt aber immer auch eine finanzielle Frage...“, meint Pee nachdenklich. Als schönste Live-Momente bezeichnet er dann aber ausschliesslich Auftritte in heimischen Landen: Schupfart war super, die Stimmung, die Leute; Gampel war auch sehr geil und natürlich die Gigs vor Bryan Adams im Hallenstadion. Da musste man mich von der Bühne holen, ich wollt da gar nicht mehr runter...“ Unter dem Strich sei Musik „fast das Wichtigste im Leben“ und vor allem auf Tour „so eine Art 'Live-Droge'“. - „Ja, es ist so eine Art Seelenfrieden, eine Art von Glück, die dir die Musik geben kann“, unterstreicht Thommy Pees Ausführungen. Kein Wunder, ist aus Thommys Sicht denn auch „ganz eindeutig die Schulklasse!“, der strengere Job. „Ich meine das ist dann wirklich die Arbeit, die du machst, um Geld zu verdienen. Klar machts auch Freude, aber der Job gibt mir nicht den Seelenfrieden, den die Musik mir geben kann.“
Dass der Musikmarkt (nicht nur in der Schweiz) im Umbruch ist, und ein Job neben dem musizieren heute mehr denn je für einheimische Künstler von Nöten ist, haben Dada (ante Portas) am eigenen Leib erfahren, als ihr Label Warner Music sein Schweizer Standbein mir nichts, dir nichts aufgab. „Junge Bands haben da gar keine Chance mehr, überhaupt einen Teil des Kuchens zu bekommen, weil viel Geld in die kurzfristigen Karierren gesteckt wird“, sagt Pee mit Blick auf die Casting-Manie im Musikgeschäft. „Ich denke wenns das bei uns schon gegeben hätte, wir hätten unseren Deal wahrscheinlich nicht bekommen.“ - „Das grosse Problem ist doch auch der Konsument: Er lässt es überhaupt zu, dass Musik zu einer Massenware geworden ist“, meint Thommy und nicht damit auch das Publikum in die Pflicht: „Es wird gar nicht mehr darüber nachgedacht, dass dahinter viel Zeit und Arbeit und auch ein Künstler stecken, der honoriert werden möchte.“