Dada (ante Portas) literarisch
Text: Debi
Bilder: Chris
«Was wir Dada nennen ist ein Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind» sagte einst Hugo Ball, Mitbegründer des Dadaismus. Luc, gibt es heute noch Parallelen zwischen dieser literarisch-künstlerischen Bewegung und den Hintergründen eurer Band?
"Das ist mehr eine bandhistorische Geschichte. Pee schrieb einst in der Schule eine Arbeit zum Dadaismus, das hat ihm den Ärmel reingezogen. Wir haben unsere Band formiert und Pee wollte diese Dada-Geschichte miteinbeziehen, was ich als Literaturstudent geil fand."
Aber ihr habt den Dadaismus, diese Antikunst, doch auch auf der Bühne ausgelebt...?
"Ja, gewisse Zeit waren wir bekannt dafür. Aber den Dadaismus gab es nach rund zwei Jahren nicht mehr in seiner reinen Form, bei uns war das ähnlich. Irgendwann wirds klamaukig, es wurde zum Schenkelklopfer und wir haben die Lust auf diese Spässe verloren."
Also etwa zu der Zeit, als ihr über Luzern hinausgekommen seid.
"Jein, das hat nicht einen direkten Zusammenhang, wir haben Haileys Flaschenwitze beispielsweise auch im Wallis gebracht. Es hat sich mit der Zeit einfach ausgelaufen. Und dann wurde die ganze Plattenfirma-Thematik aktuell und wir sind zu dem Erfölgli gekommen, das wir heute haben."
Die Dadaisten haben damals, um 1915, bewusst auch die bisherige Kunst in Fragen gestellt. Wir war das bei euch?
"Jäh, wir hatten zu Beginn eher eine klassenkämpferische Seite, wobei das am ehesten mein Ding war. Aber der Kommunismus ist gescheitert und hat auch bei mir abgedankt. So richtig toll fand ich ihn nie. Der Dadaismus aber hat sich nie über Musik definiert und war extrem ablehnend. So wie der Punk der Popmusik gegenüberstand, nach dem Motto «Fuck it all». Wir sind musikalisch die konventionelle Schiene gefahren, weil das das Zeugs war, das uns gefallen hat."
Zurück in die Gegenwart. Eure neue Platte «Superbixen» klingt erdiger, breiter, hat mehr Boden. Hat euch der Hohe Noden inspiriert?
"Hmmm... Nein. Ich denke, es hat bestimmt einen Einfluss auf die Aufnahmen, wenn man irgendwohin reist. Aber die Songs sind ja bereits vorher entstanden. Für uns war die letzte Session eine seltsame. Wir sind alle sehr gespalten. Ich beispielsweise bin nicht sonderlich glücklich mit dem Album. Wir hatten 48 Songs, sind alle in die Ferien und kamen zurück mit den liebsten Songs und waren und sehr uneins. Für mich ist es ein sehr unentschlossenes Album, "Seasons Change" hat mir besser gefallen."
Wie schwierig ist es denn, nach dem Erfolg der Single «Now she cries for someone else» einen adäquaten Nachfolger für «Seasons Change» zu bringen?
"Das hat uns nicht sehr gestresst. Wir haben uns wohl überlegt, dass es schön wäre, einen Song zu haben, der genauso oft am Radio gespielt wird. Es war uns aber auch bewusst, dass man das nicht wirklich steuern kann. Wir haben da eine sehr naive, unverkrampfte Herangehensweise ans Songschreiben, wir richten uns generell nicht nach Hitpotential aus.
Ihr wolltet euch euren eigenen Aussagen zufolge auch nicht neu erfinden. Aber jede neue CD trägt doch auch dazu bei, dass man sich überdenkt und neu positioniert?
"Wir haben unseren Sound gefunden. Wir haben uns bei diesem Album nicht darauf konzentriert, etwas Neuen einzubringen, sondern haben das gemacht, was wir können und was wir gerne machen. Wir diskutieren, auf ein neues Album hin konzeptioneller zu arbeiten."
Trotzdem hats auch Folk-Rock-Spuren auf «Superbixen»...
"Ich weiss nicht, wie sehr das unter experimentieren geht. Wir orientieren uns nach wie vor in die Richtung old fashioned Rock/Pop, manchmal ein weniger rockiger oder popiger, neuerdings auch mehr rootigere Einschläge, die mehr nach staubiger Wüste klingen."
Zu guter Letzt: Im Frühjahr wurde in euer Studio eingebrochen, die Festplatte mitsamt den Songs gestohlen. Wie ist diese Geschichte ausgegangen?
"Wir waren auf Tour und am besagten Abend in Zug. Für uns war das weniger schlimm als für den Musiker, der gleich nebenan sein Studio hat, dem haben sie mehr mitlaufen lassen. Die Typen hat man kurz darauf geschnappt, es waren verkommene Teenager, die ihr Leben mit Saufen und gelegentlichen Brüchen versiffen. Sie tun mir eigentlich mehr leid, als wir, weil uns Sachen weggekommen sind. Einer ist unterdessen im Jugendknast. Richtig fies war natürlich, dass sie uns dem Beamer mitlaufen liessen - und das so kurz vor der WM. Auf der Harddisc waren zwei unveröffentlichte Songs drauf. Glücklicherweise konnten wir diese Daten im Nachhinein wiederherstellen,obwohl die Platte gelöscht war.
Das Ganze Interview mit Luc gibts am 7. August ab 20 Uhr im
Radio Issue von Trespass.ch