Wundertüte Danee am Woo-drock
4.7.2011/Text: Sandy, Bilder:
ck-photo.ch
Wer sich das Album „Woo!“ von Danee Woo aufmerksam zu Gemüte führt, findet darin eine Vielfalt von musikalischen Überraschungen: Sei es ein Mit-Pfeifen, nur ein ganz einfaches in die Hände-Klatschen oder Keyboard-Töne, die nur zwischendurch ihre Aufmerksamkeit wollen. Mal kommt der Sound poppig daher, mal funkt er sehr jazzig – aber immer mit einer spürbaren farbigen Leichtigkeit. Genau das erlebt auch das Woodrock-Publikum kurz vor dem Einnachten auf der Moosegg hoch über dem Emmental. Die quirlige Sängerin im passenden Ringelshirt wirbelt voller Freude, auf der mit Sternen dekorierten Bühne, und strahlt mit ihren ausdrucksvollen dunklen Augen zu uns in den Wald. Es ist Musik zum Mit-Lauschen, sich gut fühlen und einfach mal zum Sein. Kein Song gleicht dem andern und das macht es spannend. Genau darum verabschiedet sich wohl die Sonne auch erst am Schluss des Konzertes von Danee Woo und taucht in den Wäldern und Hügeln des Emmentals mit einem wunderschönen farbigen Abgang unter, fast wie eine persönliche Ovation an Danee Woo und ihre Band „Nu Soul Hippies“.
„Ich habe einfach Spass an verschiedensten Musikrichtungen“, gibt Wundertüte Danee nach ihrem Auftritt zu. Sie wolle sich keine Grenzen setzen. „Mir gefällt Musik mit verschiedenen Akkorden und ich liebe auch unterschiedliche Geschichten“, verrät sie weiter und es scheint, dass gerade jetzt, wieder eine neue Idee in ihr am entstehen ist. Musik inspiriere sie auch zum Geschichten erzählen. „Birthday“ der Song, der ähnlich wie ein Mani Matter-Lied tönt und doch so lüpfig wie aus einer Drehorgel daherkommt, sei eine fiktive Geschichte. Danee beschreibt die Situation, in der jemand einsam vor seinem Geburtstagskuchen sitzt und alleine feiert. Wenn man sich das Bild vorstellt und den Sound dazu hört, tönt es so richtig tragisch-lustig oder eben melancholisch-fröhlich. „Ich spiele gerne mit diesen Gegensätze“, outet sich die Musikerin. „Meine Musik kommt sehr leichtfüssig daher, aber die Texte sind meistens recht schwarz“, weiss Danee. Genau diese dunklen und hellen Seiten, sollen sich in ihrer Musik bewusst wiederspiegeln - aber nicht zu offensichtlich.
Danee Woo bezeichnet ihre Musik als „Nu Hippie Soul“. Soul beziehe sich auf ihre Wurzeln zu diesem Musikstil und „Nu“, respektive „New“ sei die Erklärung, dass es kein Retro-Sound von 1969 ist. Schliesslich lebe sie im Jetzt, also im Jahr 2011. „Hippie ist der Geist, der Freiheit sucht“, philosophiert sie mit strahlenden Augen weiter. Genau das signalisiere auch, dass es bei ihr keine Grenzen gebe, und man das machen kann, auf was man Lust hat. Ihr Sound passe auch bestens zu einem groovigen Gitarren-Jam am knisterten warmen Lagerfeuer.
Eigentlich passt der Zürcher-Dialekt nicht zu der zierlichen Frau. Sie verrät, dass ihre Eltern aus Sizilien und Sardinien in den Schweiz eingewandert sind. Danee ist aber hier aufgewachsen. „Ich habe italienische Wurzeln, mit Schweizer Einfluss“, schmunzelt sie. Nicht nur in Italien, sondern überall, wo sich die Gelegenheit ergeben habe, hat die Musikerin, auf der Strasse gespielt. „Ich liebe unkomplizierte Arten Musik zu machen“, gibt sie zu. Es gebe nichts Schöneres, als einfach die Gitarre zu packen, den Kontrabass und ein kleines Taktinstrument mit zu nehmen und darauf los zu musizieren. Danee weiss, dass der erste Zuhörer auf der Strasse immer ein Hund ist. „Auf der Strasse, hat die Musik eher etwas Nebensächliches. Die Leute gehen vorbei und nehmen den Musikanten nur am Rande wahr. Sie bleiben stehen oder nicht“, stellt die Italo-Schweizerin den Vergleich zur Bühne her. Auf der Bühne sei die Aufmerksamkeit natürlich grösser. Danee geniesst übrigens beide Auftrittsorte.
Der Name Woo beinhaltet genau die gleiche Buchstabenkombination wie der Festivalname „Woodrock“. Da stellt sich natürlich die Frage, was eher gewesen ist. Selbstverständlich sei es der Name des heuer bereits zum 18mal durchgeführten Festivals. Danee fühlt sich jedoch geehrt, dass diese Kombination hergestellt werden kann. Ihr Künstlername Woo sei bewusst so gewählt worden. Er soll nicht definierbar sein und eben offen für alles. Genau wie ihre Musik.
Danee ist zum ersten Mal am Festival auf der Moosegg und hat sich vorher so ihre Vorstellungen gemacht. Durch die Ähnlichkeit des Namens, kam ihr sofort das legendäre Woodstock-Festival in den Sinn. „Es ist schön hier – einfach ein sehr herziges Festival, mitten im Wald“, schwärmt sie. „Es hat einen natürlichen und familiären Charme“, stellt sie weiter fest. Ihr Schlagzeuger sei gerade vom Open Air St. Gallen angereist, wo alles so total organisiert sei, eine Massenproduktion eben. „Hier ist es anders, es ist handgestrickt und das gefällt mir“, gibt sie zu. Danee gesteht, dass sie das andere Festival, eben das Woodstock, schon gerne miterlebt hätte. „Nur schon wegen den langen Haaren und der freien Liebe“, sagt die Frau, mit der kecken Kurzhaarfrisur lachend. „Ich glaube nicht, dass es viel anders gewesen ist“, beantwortet sie dann doch nachdenklich die Frage, zum Unterschied der beiden Anlässe. Hier ist es zwar kleiner, es hat weniger Leute und niemand wage sich auf dem Waldboden barfuss zu tanzen. „Die spezielle Stimmung, draussen unter dem freien Himmel zu sein, um gemeinsam Musik zu hören und Spass zu haben, ist aber über Jahrzehnte geblieben“, fasst Danee den Nenner wunderschön zusammen.