Dembahl - Whole
Text: Monthy
Bilder: Dembahl
Die Herkunft des Namens Dembahl lässt sich heute kaum mehr eruieren. Selbst Sängerin Romy wollte man bei ihrem Zuzug 1999 nicht verraten, was das Buchstabengebilde bedeutet. Man munkelt, es habe mit ehemaligen Vorbildern zu tun, die den Jungs heute peinlich wären. Die quicklebendige Zürcher Sängerin hat deshalb auch schon daran gedacht, auf dieses Frage jedes Mal anders zu antworten, wenn sie ihr gestellt wird. Eine andere Frage will Romy mir überlassen, nämlich diejenige nach Dembahl und deren aktueller CD Whole. Dembahl sind Elektropop, aber das beschreibe sie nur unzureichend, meint Romy etwas gequält lächelnd. Sie sind tatsächlich mehr als das, tönen hip und doch nicht wie alle anderen, machen eine Art Songs, die man aus dem Triphop kennt, unterlegen sie aber mit Electro-Beats. So verbinden sie tanzbare, eingängige Clubsounds mit wundervollen Melodien - Diamanten gleich, welche von Romys mal kühl-distanzierter, mal sanft-weicher Stimme den finalen Schliff verpasst erhalten. Für die Sounds sorgen Synths, Bass und Drums von Mike, Riz1 und Pablo. Die drei und Romy lassen im Quintett vergessen, dass es überhaupt Gitarren gibt. Quintett übrigens deshalb, weil Producer ASF, das Back Office der Band, fix dazugehört. Live wird die Band von der Audiovisual-Künstlerin KyraCat unterstützt.
Whole ist einerseits so etwas wie House mit Songwriting, vor allem im progressiv untermalten "Sweet sweet Switzerland" oder im Roadmovie-artigen "The road we´re on". Daneben zeigt sich aber auch immer wieder eine ruhigere Seite Dembahls, was sich in Form von Klangwelten im Stile von Madonnas "Frozen" ausdrückt wie in "Get by" - "A grateful moment" drückt aus, was ich im Bezug auf den nicht zu forschen und schon gar nicht langweiligen Mix auf Whole auch tatsächlich empfinde, nämlich Dankbarkeit. Die Balladen eignen sich genauso als Soundtrack für zärtliche Momente, wie vielleicht ein Bad mit Rosenblüten wie die Discotracks als ideale Einstimmung für eine Samstagabend taugen. Die Einflüsse entstammen eher den 90ern als den 80ern und Dembahl zeichnet sich durch eine nicht übertriebene Liebe zum musikalischen Experiment aus. Und durch eine Sängerin, die sowohl ins schillernde Paillettenkleidchen als auch - wie ansatzweise in der von ihr selbst getexteten Piano-Ballade "A certain feeling" - ins Kostüm einer Opernsängerin passt. Auch "Resignation" stammt übrigens von Romy, die sich bei ihren ersten Gehversuchen als Texterin gleich als Talent outet. Der Song hat aber auch einen heissen Beat und überhaupt alles, was es so braucht. Auch der abschliessende Titelsong "Whole" präsentiert eine Band mit dem Feeling für grosse Popsongs. Und damit wären wir wieder zurück bei der nicht so geliebten Einteilung - vielleicht weil man gemeinem Elektropop gar einen Schritt voraus ist? - und der treffenden Bezeichnung, die Dembahl selbst verwenden: Electronic Song Music