Neue Details von Deteil
Text: Sandy
Bilder: Deteil
Wer die Mundart-Party-Band Deteil aus dem Aargau kennt, hat nicht schlecht gestaunt, dass in Brienz weniger Musiker auf der Bühne stehen. „Ja, wir sind geschrumpft“, gibt Sänger Maurice Velati, genannt Möru, zu. Sie seien jetzt nur noch fünf Musiker. Ihr Keyboarder Severin Häfeli sei Anfangs Jahr weitergezogen. Nach zwölf Jahren Deteil hatte der einzige Profimusiker in der Band den Drang verspürt, mit anderen Projekten weiterzukommen. Dieser Weggang sei für die Aargauer sehr einschneidend, weil Severin auch komponierte und sowas wie eine Lead-Funktion einnahm. Doch Deteil sieht diese Veränderung jetzt als ihre Chance. Aus dem einstigen Mundart-Pop mit prägendem Orgelsound wird nun „fadegrade“ Gitarrenrock.
Deteil spüre durch diese wesentliche Neuerung wieder den nötigen Schub, da ihr Schaffen vorher eher eingefahren und stehen geblieben sei. Möru erklärt das so: „Wir haben das Musizieren als Arbeit angeschaut und so teilweise den Spass daran verloren.“ Der Frontmann fängt nun an, die kleinere und dadurch unkomplizierte Truppe zu schätzen. Stolz gibt er seine neue Erfahrungen preis: „Durch diese Veränderung hat sich neue Energie freigesetzt und daraus sind bereits neue Songs entstanden.“ Da mit dem Keyboarder auch eine Führungsperson gegangen ist, müssen die Gebliebenen nun neue, zusätzliche Rollen einnehmen. Der Sänger stellt fest: „Diese Neuorganisation gibt neue Impulse, und von allen Musikern wird mehr verlangt.“ Der Gitarrist habe nun zum Beispiel, keinen Tasten-Sound mehr, der ihn stütze.
Ihr Auftritt am Rockfest Brienz war ihr zweites Konzert in dieser Zusammensetzung. Auf das Livespielen wollen sich die Aargauer jetzt auch konzentrieren. Und Möru stellt nach ihrem heutigen Gig fest, dass es an nichts fehle: „Jetzt sind wir noch mehr eine Live-Band und es macht Spass“, sagt er strahlend. 2007 hat Deteil zusammen mit einem Top-Produzenten und Plattenvertrag die CD „Nur Du“ herausgeben, total durchgestylt sei sie dadurch. Heute seien sie sich bewusst, dass sie ihre Energie viel zu fest in dieses Projekt gesetzt haben. Der Sänger weiss jetzt: „Dabei haben wir uns mehr mit Business beschäftigt, als mit Musik.“ So hohe Ziele und eine solche Verbissenheit wollen sie nicht mehr ausleben, sondern lieber einen Gang zurückschalten.
Viele Details entdecken Beobachter während ihrem Auftritt. Der knallrote Gurt der Sängerin Sonja fällt auf. Der schwarze Hut, den Maurice trägt, ist eher aussergewöhnlich für Mundartrocker. Wer will, kann mal mitzählen, wie oft die beiden am Gesangsmikrophon hüpfen und so das Publikum animieren. Spontan weiss Möru gerade kein Detail zu Deteil. „Vielleicht ist es speziell, dass wir, seit es uns gibt, Mundart singen“, antwortet er nach langem Überlegen doch noch. Immerhin machen die Jungs und das Mädel, sorry, die Mannen und die Frau, schon seit 1997 Musik. Der Frontmann versucht zu erklären, wieso er das besonders findet: „Wir haben schon Dialekt gesungen, bevor es jemanden interessierte.“ Damals sei noch nicht so eine riesige Mundart-Welle geflossen, wie heute. Diese Sprachwahl haben sie getroffen, weil sie ganz einfach kein Englisch können, und an dieser Entscheidung haben sie nie gerüttelt. Dafür habe sich der Sound immer wieder angepasst und verändert. Der Musiker weiss: „Du versuchst mit der Zeit zu gehen, und so kommen immer wieder neue musikalische Einflüsse dazu.“ Er fasst zusammen: „Der rote Faden ist wirklich der Mundartgesang, dem wir treu geblieben sind.“ Möru schreibt übrigens die meisten Texte. Inspirationen dazu bekomme er spontan, manchmal reiche es schon im Zug zu sitzen und Leuten zu beobachten. Auch eigene Erlebnisse geben den Ansporn zum schreiben. Und genau diese seien heute auch anders, als zu Beginn ihrer Karriere. „Früher waren es Träume vom Musikerleben, heute ist es eher die Realität, - das gewöhnlichen Berufsleben und der Alltag“, sagt der Songschreiber.