db-Die Band und ihre Pop(p)musik
Logisch: Wenn db-Die Band gespielt hat, findet das Interview anschliessend im db-Der Bool statt. Die Runde ist gesellig, das Wasser blubbert warm genug, um erholsam zu sein und doch kühl genug, um erfrischend zu sein, das Bier fliesst kühl die Kehle herunter. Es ist ein perfekter Start für das diesjährige Openair Gampel. „Hier spielen zu dürfen ist ein Geschenk“, betont Trommler Ephraim gleich mehrmals im Gespräch. „Da gehst du hoch auf die Bühne und geniesst einfach jede Sekunde.“ Fragt sich höchstens, ob man als Walliser das Heimspiel und dazu noch der Eröffnungs-Gig, überhaupt geniessen kann – muss die Erwartungshaltung des Publikums und der Band an sich selber doch enorm sein. „Ich habs heuer viel mehr geniessen könne, als vor zwei Jahren“, erinnert sich Rapper Bzar, der bei db-Die Band als Gast auftrat. „Damals war ich wahnsinnig nervös. Heuer wars anders. Entspannter.“ Sagts und genehmigt sich den nächsten Schluck von der kühlen Blonden...
Die Frage an Bandleader Dani drängt sich auf: Warum ausgerechnet Bzar – ist er der einzige Rapper im Wallis? Bzar selber fällt gleich ins Wort: „Richtig, genau so ist es!“, um dann aber doch noch anzufügen: „Dani war vor zwei Jahren, als ich mit meiner Band hier spielen durfte, Gitarrist bei mir. Da war klar, dass ich Gegenrecht einfordern werde.“ Dani erklärt, dass das mit dem Sprechgesang doch noch etwas mehr Hintergrund hat. „Ich höre selber viel Hiphop. Tighte, klare Beats und Sprechgesang sind mein Ding, darauf steh ich.“ Als dann der Begriff Popmusik fällt, gefällts den Jungs einen Augenblick lang etwas weniger. „Was, ich spiele in einer Pop-Band?!“, fragt Ephraim scheinbar entrüstet. Der Schreiber: „Na ja: Süffige Melodien, griffige Beats und Mundart zum Mitsingen – das ist doch Pop?“ - „Stimmt“, sagt Dani schlicht. Ephraim möchte aber doch noch klären: „Ganz ehrlich: Popmusik ist nicht so mein Ding. Wenn die Leute vor der Bühne poppen, bin ich jeweils etwas abgelenkt. Mir gefällt besser, wenn sie mitsingen und tanzen.“
Offensichtlich hat der Auftritt auf der Bühne 2 den Wallisern mächtig Schub verliehen. „Logisch – das db im Bandnamen steht unter anderem auch für Dezibel: Wir wollen Schub geben, was bringen das drückt“, sagt Dani. „Hey, wir haben uns jetzt anderthalb Jahre lang in jedem verdammten Loch hier den Arsch abgespielt“, fährt Bzar fort. „Da ist ein Auftritt auf einer solchen Bühne bei solchem Wetter und mit solch einem Publikum nichts als der gerechte Lohn.“ Dass auche ein Gig in Gampel keine Garantie für den grossen Durchbruch ist, wissen die Jungs nur zu gut. Zu viele träumen den selben Traum – und doch erhoffen sie sich, dass sich nicht zuletzt auch dank der Show als Opener des Openair Gampel 2010 die eine oder andere Türe öffnet – auch ennet dem Lötschberg. „Das ist jetzt dein Job“, flachst Dani zum Schreiber. „Wenn gut Werbung machst für uns...“
Werbung haben die vier Jungs und die zwei Mädels schon zwei Stunden vor dem Talk mehr als gute gemacht. Zwei sexy Sängerinnen zu Konzertbeginn in der sengenden Sonne in Zivilschutz-Jacken zu stecken und dem trögen Thema auch gleich noch einen Song zu widmen, zeugt von Mut zu Humor und von Witz. Und diese Einlage sollte nicht die letzte sein, welche den Humor der Walliser zelebriert. Was aber nicht bedeuten will, dass db-Die Band ein Act ist, der sich musikalisch und inhaltlich nicht in die Tiefe wagt. „Unsere Songs sind Geschichten aus dem Leben, einem Leben, das Spass und Freude bereitet – aber auch Schattenseiten hat“, sagt Ephraim. Und es sind Geschichten, mit denen sich die Menschen offensichtlich identifizieren können. Wie sonst wäre zu erklären, dass der Platz vor der Bühne schon vor 13.30 Uhr am Donnerstag Mittag überraschend gut gefüllt war...