El Padre - Rap vo de Kanzla (Nation Biztribution)
Text: Monthy
Bild: Cover
Weil heute die Welt zu einem Dorf geschrumpft ist, wird sich El Padre gedacht haben, kann man die Kirche ja genauso gut in ebendiesem lassen. Sein Rap ist keine Neuerfindung - und lässt doch aufhorchen. Geistliche hatten es ja schon immer mit den Versuchungen und dem Widerstehen. Ein ähnlicher Gegensatz zeigt sich im Debut "Rap vo de Kanzla". Gleich im Opener fühlt man sich - nicht nur des Dialekts wegen - an Gimma's Drogen-Depression "iisziit" erinnert. Und auch in der Folge gibt es immer mal wieder solche souligen Tracks mit Xavier-Naidoo-liken Backing Vocals und erstaunlichem Tiefgang. Die andere Seite - die weltliche quasi - zeigt El Padre als flippigen Party-Rapper, der mehr mit Flow und Rhythmik arbeitet, denn mit Maschinengewehrlippen. Dieser Gegensatz prägt das Werk. El Padre manövriert seine persönlichen Ansichten zwischen Big Business und Herzenswärme, zwischen Komasaufen und Intellekt hindurch. Beim Representen beruft er sich auf den Respekt, den sich Homies und Rapper gegenseitig schulden und er spricht sich gegen Gewalt aus. Im nächsten Song haut er dann wieder kräftig auf den Putz und bleibt dabei nichts schuldig. Die Schnittebene dieses etwas schizophrenen Hangs zu den Extremen verpackt El Padre in Humor, der höchstens beim Geld aufhört - oder bei der durchaus vorhandenen Selbstliebe. Wobei ich die Worte Hand, selbst und Liebe eigentlich nicht in einen Satz stecken sollte. Das Zölibat habe ich nämlich ziemlich vergebens gesucht in den 15 Tracks, die El Padre mit Hilfe von Features wie Spooman oder Breitbilds Hyphen erschaffen hat. Ich würde gern sagen nach dem göttlichen Prinzip, halte es aber dann doch für etwas hoch gegriffen. Himmlisch mutet dagegen der Händlerpreis von 16.90 Franken an (unverbindliche Preisempfehlung...) Soll jetzt noch jemand behaupten, dem Schweizer Rap sei gar nichts heilig...