Electric Blanket wollen keine Luftschlösser bauen
Text: Sermeter
Bilder: Ephraim Bieri
Electric Blanket wurden am Gurtenfestival von einer besonders fiesen Art des Wetterpechs heimgesucht. Beste Wetterbedingungen sorgten den ganzen Tag über für ausgelassene Festivalstimmung. Aber genau um 00:45 Uhr, als Franz Ferdinand ihren Gig beendeten und Electric Blanket den Ihren begannen, begann es zu regnen. Nicht allzu stark und auch nicht lange, aber es reichte offenbar, um die Leute vom Gang zur gemütlichen Waldbühne abzuhalten und vor die Zeltbühne flüchten zu lassen. So zählte ich kurz nach Konzertbeginn direkt vor der Bühne kaum fünfzehn Nasen – eine enttäuschende Kulisse, welche der süffigen und hochgradig festivaltauglichen Musik der Berner Indiepopper keinesfalls gerecht wurde.
Aller Unbill zum Trotz präsentierten Electric Blanket ihr Set mit viel Energie und Hingabe. Das Publikum, welches im Laufe des Konzerts glücklicherweise doch noch etwas Zuwachs bekam, dankte es mit warmem Applaus. Die Musik von Sängerin Helenka Danis und Gitarrist Patrick Lerjen und ihren Livemusikern Fred Bürki (Drums) und Oli Kuster (Keyboards/Basssynthie) ist simpel und eingängig, wirkt aber überhaupt nicht platt. Die Synthie-Klänge und die stampfenden Drums sorgen dafür, dass die elektronischen Wurzeln der Band nicht in Vergessenheit geraten. Optischer Höhepunkt ist definitiv Sängerin Helenka: Ihre Gestik und die verträumte Mimik harmonieren bestens mit der ebenso verträumten Musik. Nicht nur einmal hat sie mich an Heidi Happy erinnert – ein gutes Zeichen, beherrsch diese doch das Spiel mit den kleinen, aber wirkungsvollen Gesten perfekt.
Vor dem Konzert habe ich die beiden gefragt, weshalb sie ihre Songs nicht mehr wie früher rein elektronisch produzieren. „Wir sind nach dem Lustprinzip vorgegangen“, erklärt Patrick. „Durch das Live-Spielen sind wir auf den Geschmack gekommen und haben begonnen, mit einem Drummer zusammen zu arbeiten. Irgendwann kam dann der Wunsch, live alles instrumental umzusetzen. Deshalb sind wir nun neben dem Drummer auch mit einem Keyboarder unterwegs.“ Electric Blanket ist entstanden, nachdem Helenka und Patrick ihr Zusatzstudium „Musik und Medienkunst“ geschmissen hatten, um etwas Handfestes zu machen. „Wir wussten schon so viel und hatten irgendwann genug“, erzählt Patrick. Helenka ergänzt: „Es war der richtige Zeitpunk, um etwas neues anzufangen. Wir hatten Lust darauf, endlich das wahre Musikerleben kennen zu lernen.“
Die weiteren Pläne für die nahe und mittlere Zukunft sind die üblichen: Mehr Gigs sollen her! „Darüber hinaus sind wir dabei, Ideen zu sammeln für neue Songs.“, fügt Helenka hinzu. Anders als andere Musiker, welche erst richtig aufblühen, wenn sie unter Druck stehen, mag es Patrick diesem eben nicht ausgesetzt zu sein: „Mir gefällt dieser Moment. Und dass wir unser eigenes Label haben, trägt natürlich seinen Teil zum entspannten Arbeiten in dieser kreativen Phase bei.“ Angesprochen auf allfällige Fernziele will sich Helenka nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: „Wir wollen keine Luftschlösser bauen. Das wichtigste ist das Live-Spielen, speziell in der heutigen Zeit. Vor allem soll uns das, was wir tun Spass bereiten.“