Electric Hellessence graben das Kriegsbeil aus
Text: Eve
Bilder: Eve, Cover
Gerade als ich mich so an die besinnliche Zeit und ihren seligen Frieden gewöhnt hatte, kam die Einladung zu Electric Hellessences CD-Taufe im The Rock in Thun. EH sind seit dem 2004 unaufhaltsam auf ihrer immerwährenden Mission, die etwas schmächtige Metal-Szene in der Schweiz mit ihrem „Rollin Generator-Metal“ zu unterstützen und zu bereichern. Das Trio aus dem Berner-Oberland spielt harten, rohen und brachialen, aber immer rollenden Sound mit viel Melodie. Ihre derb gesungenen Lieder werden gelenkt von einer donnernden Gitarre, einem bestimmenden Bass, fundamentalen, einschneidenden Riffs und brachialen Drum-Beats, die einen aus den Socken hauen. Eine gelungene Mischung aus Metal und Rock, wütend, inbrünstig und ungeschliffen.
„Aufgenommen haben wir im Sommer“, erzählt Bruno „Dann haben wir gemischt und gemastert - vor allem Tinu hat das gemacht. Wir waren bemüht, das Ganze bis ende Jahr noch fertig zustellen. Eigentlich hätte es eine Weihnachts-CD geben sollen.“ Da sie halt eben erst am 27.12. geliefert worden ist, reichte es dazu nicht ganz. Wenn ich mir den Sound so anhöre, passt er sowieso viel besser zum Jahreswechsel als zur heiligen Zeit. Trotzdem frage ich augenzwinkernd nach: „Eine Weihnachts-CD? So mit stille Nacht und o du Fröhliche?“ - „Absolut nicht“, sagt Tinu und grinst. „Das Ganze ist eine Spur härter, etwas zackiger produziert als unsere erste Scheibe. Sie ist kompakter und kommt heftiger daher. Es sind halt leider nur sechs neue Songs. Aber wir fanden, die tönen doch um einiges anders als die Alten und darum mussten wir sie unbedingt aufnehmen.“
Arschtretende und sich jagende Saiten, bebende Drumfelle und eine markerschütternde, grobe Stimme vereinen sich auf "Rollin Generator". Die elementare Härte ist es, die das alles zu einer Einheit schnürt. Die Website der Berner Oberländer kündigt schon vielversprechend an: "Bis anhin war es nur ein Aufwärmen, aber jetzt ist die Zeit reif für harte und klare Töne aus Thun..." - „Wir haben das Repertoire ziemlich zusammengestrichen. Das heisst, die alten Songs - noch mit akustischer Gitarre und so - haben wir rausgeworfen und neue Töne angeschlagen“, meint Marcel dazu. Laut EH klingt ihr neues Material greifbarer, deutlicher, geradliniger und ein gewaltiges Stück deftiger. "Aber wird man im zunehmenden Alter nicht eher sanfter?", versuche ich die Jungs aufzuziehen. Sie nehmen es gelassen. „Wir sind noch in der Aufbauphase“, lacht Bruno „Noch sind wir jung, langsam geht’s ins Mittelalter und irgendwann geht’s dann schon hinten hinunter.“
Auf dem Erstling ist ein Song, "Too small too pretty", bei dem es um ein Gefühl der Eingeengtheit und den Drang nach Freiheit geht. Gibt es denn im Musikbusiness noch Freiheit? Marcel: „Absolut. Zumindest so, wie wir das machen. Es ist alles in Eigenregie Produziert worden. Da hat man alle Freiheiten.“ - „Ich habe das Gefühl, erst wenn Geld ins Spiel kommt, kommen die Einschränkungen der Freiheit. Bis dahin bist du frei“, ist Bruno überzeugt und Marcel ergänzt: „Subversive Records ist ein sehr kleines Label. Viele Bands von Swiss Underground sind dort dabei und es ist eine praktische Grösse für uns. Es geht dort halt noch nicht ums Geld.“ Außerdem sei es eine Illusion, mit Metal gross Geld zu verdienen, sagt Martin. „Wir machen es, weil wir Spass daran haben und thats it.“ Auf die Frage, ob es denn der Metal schwerer hat als andere Musikstile, argumentiert Tinu damit, dass diese Musik viel weniger im Radio gespielt wird und ab einer gewissen Härte sei ja sowieso fertig bei den Radios die am meisten gehört werden. Da hat der Sänger nicht unrecht. Dennoch lassen sie sich nicht unterkriegen. Tinu fürs neue Jahr: „Wir wollen das Kriegsbeil ausgraben und Gas geben. Mal schauen ob es klappt. Das ist mein Vorsatz fürs 08 mit der Musik.“