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Emel - in einen Hauch von Deutsch gehüllt...

Text: Monthy
Bilder: Cover/Monthy/Nick
"Sag mal, wie gefällt dir eigentlich mein Cover?", dreht die aufgeweckte Emel den Frage-Antwort-Spiess um, kaum bin ich im Crown Plaza zum Interviewtermin aufgetaucht. Ich mustere das offenherzige Porträt kurz und bemerke trocken: "Schöne Augen!", worauf Emel sich gespielt provokativ bei mir versichert, dass man das doch machen dürfe... Ich spreche sicher für alle Männer, wenn ich sage: Ja, unbedingt! Irgendwie hatte ich auch genau so etwas von ihr erwartet. Die Erinnerung an Emel ist mir auch fünf Jahre nach unserem ersten Talk am Openair Gampel noch sehr präsent - war die sinnliche Balserin doch der einzige Star, mit dem ich während meiner Arbeitszeit richtig flirten durfte. Auch jetzt strahlen ihre Augen, als sie mir gegenüber gespannt auf meine Fragen wartet. Diese hat sie mit ihrem aktuellen Album "Komm in mein Leben" richtiggehend provoziert. Dass Scheibchen kommt zwar in hochdeutsch daher, trotzdem geht ihm das üblicherweise Schroffe und Harte der deutschen Sprache aber total ab. Hört man jetzt die erotische Emel in hochdeutsch oder tatsächlich ein erotisches Deutsch? - Emel lächelt halb in sich hinein, halb in die Welt hinaus: "Siehst du, das finde ich eben auch - das Album ist schon sehr sexy... Wie habe ich das gemacht? - Der erste Schritt war, dass ich die Texte in englisch geschrieben habe, der zweite war, nach L.A. zu gehen, wo ich auf einmal viel besser schreiben musste. Dabei habe ich gemerkt, dass es nicht soo wichtig ist, was du sagst, sondern vielmehr wie du es sagst. Und ich habe gemerkt, wie cool es ist, wenn die Leute deine Texte verstehen. Da fasste ich den Entschluss, nach meiner Rückkehr erstmal nicht mehr englisch zu singen. Der nächste Schritt war, zu vergessen dass ich eine Sprache singe, sondern nur noch einen Text. Das war schon bei "Alles scho mal ghört" (Bligg-Feature in Mundart) wichtig und hat viel Spass gemacht. In Französisch musste ich mich zuerst vom Edith-Piaf-mässigen Chanson-Ton lösen und auch in Deutsch hat es einige Songs gebraucht, bis ich wirklich loslassen konnte. 'Komm in mein Leben' ist der erste gelungene Song in dieser Hinsicht. Der Text ist eigentlich sehr simpel, aber er entspricht genau meinen Sehnsüchten, die ich in diese Worte verpacken konnte."
Emel mit den schönen Augen...
Es gibt eine Referenz hinsichtlich Emels deutschem Sound, wobei es Zufall sein mag, dass sie für genau diese Leute auch schon gearbeitet hat: Xavier Naidoo und Sabrina Setlur. Emel: "Diese Arbeiten waren so meine erste Herasuforderung, die Musik Soul rüber zu bringen. Die Texte hat allerdings Moses P. geschrieben. Bei Xavier Naidoo sehe ich immer ein bisschen den erhobenen Zeigefinger. Dieses Traurige an seinen Songs hat mich schon immer gestört und das wollte ich absolut vermeiden. Bei Sabrina Setlur empfinde ich die Sprache als sehr hart, zu wenig sexy und emotional..." Ziel von Emels Arbeiten war also auch, diese Sprache gewissermassen "weich zu spülen". Mit dem Titel "Komm in mein Leben" wählt Emel die offensive Variante und geht aktiv auf Medien und Fans zu. Im altbekannten Konflikt um ein wenig Privatsphäre des Stars ist dies auch ein Risiko. Von wegen kleinem Finger und ganzer Hand... - Keine Angst vor der geöffneten Pandora-Büchse? - Emel: "So kann man das auch sehen... Eigentlich habe ich den Song geschrieben, als ich etwas liebes-frustriert war und mir gewünscht habe, diesen magischen Moment eines ersten Treffens wieder zu erleben. Es war - das gebe ich offen zu - ein ziemlich trauriger und sehsüchtiger Moment. Musikalisch habe ich mich dafür an der 70er-Disco-Musik orientiert, die ja auch sehr sehnsüchtig und leicht dramatisch daher kommt. In englisch ist das für uns Mitteleuropäer eher weit weg, weshalb ich es in deutsch sehr interessant fand. Darum dreht sich also der Song. 'Komm in mein Leben' hat sich allerdings auch als passender Titel fürs Album angeboten, weil jeder Song darauf einen emotionalen Moment darstellt." Die Angst vor der medialen Ausschlachtung gibt's bei Emel allenfalls im hübschen Hinterköpfchen. - "Mein Leben, meine Freunde und meine Privatsphäre bleiben geschützt, da mache ich mir keine Sorgen mehr. Ich kann heute auch viel besser 'Nein' sagen und bin mir bewusster, was ich preis geben will und was nicht."
Emel in der Lobby des Crown Plaza Hotels in Zürich
Die Einladung, an Emels Leben teil zu nehmen, bleibt also trotz allem die einer Schein-Persönlichkeit. Es ist die Sängerin Emel, die teilhaben lässt und nicht die Privatperson. Die Grenze zieht Emel trotz ihrer Offenherzigkeit - nicht nur auf dem Cover - konsequent, um sich zu schützen. Emel: "Es gibt einen Bereich in meinem Leben, den ich für mich behalte. Das ist meistens dann, wenn's weh tut... Wie bei allen Menschen gibt es auch bei mir Dinge, die nicht schön waren und die ich nicht mit anderen teilen will. Im besten Fall finde ich einen Weg, so etwas in einem Song zu verarbeiten. Dann bin ich aber auch bereit, das mit den Leuten zu teilen. Es gab Songs, bei denen ich mir nicht sicher war, einige wurden auf dem Album deswegen nicht berücksichtigt. Was aber drauf ist, sind diejenigen Gefühle und Augenblicke, die ich herzugeben bereit bin."
An der Seite von Emel - kann sogar Monthy hübsch lächeln...
Ein weiteres Problem der öffentlichen Darstellung könnte die nunmehr dritte Sprache sein, mit der es Emel gewissermassen 'versucht'. Hat sie keine Angst, als gescheitert angesehen zu werden, weil sie - von aussen gesehen - quasi die Sprachen durchprobiert? Das Beispiel Kisha lässt grüssen... Emel: "Das grössere Problem, das da mit hinein spielt, ist der Erfolgsdruck. Ob mein Produkt in deutsch, englisch oder türkisch erscheint, ist zweitrangig. Die Sprachwahl basiert auf Spass, Lust und Glaube an das, was du tust. Ich denke, ich könnte nicht mit Vorsatz oder aus Prinzip ein deutsches Album machen. Jetzt wo es draussen ist, lese ich diese Dinge aber natürlich auch. Und es tut schon etwas weh, wenn man dann auf seinen Erfolg reduziert wird. All die Momente des Songwritings und der Studioarbeiten werden jetzt einfach an einer Chartposition aufgehängt. Man wird aus zufälligen Gemeinsamkeiten in einen Topf mit anderen Künstlern geworfen. Nubya besipielsweise habe ich in den letzten zehn Jahren kaum gesehen. Weil wir nun beide deutsch singen, vergleicht man uns direkt. Das ist nicht immer richtig. Schlussendlich kenne ich aber die Hintergründe und weiss, wie ich diese Dinge einschätzten muss." Dahinter stellt sich ja eh nur eine Frage, nämlich - so ist das Biz - die des Erfolges. Und darauf hat Emel die beste Antwort überhaupt parat: "Ich lebe seit fünfzehn Jahren von Musik - ich finde das ist sehr erfolgreich!"

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5/23/2012 3:49:16 AM Administrator
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    Frühlingsgefühle im Herbst - aber Santosh liefert mit Open Season ja auch den sommerlichen Sound dazu... - Monthy hat sich übrigens Bedenkzeit ausgebeten...

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