Eric Constantin – Un autre moi (Melon d'Ô)
Text: Dino Dal Farra
Bild: Cover
Das Debüt des Unterwallisser Folk-Chansonniers Eric Constantin mit dem Namen „Un autre moi“ beginnt ganz getreu der Vorstellung eines ländlichen Bildes, wie man es etwa beim Ausspannen zu einem gemütlich dahindümpelnden Folk-Soundteppich heraufbeschwört: Vor der Holzbaracke in einer Liege, schmollend an der Frühlingssonne dahindämmernd, nippe ich bedächtig an einem Bierchen. Das Schäfchen, oder besser die Schafherde hüpft mir vor der Sonnenbrille vorbei, die wegen sehr dezentem Schweissausbruch mittlerweile schon fast auf dem Nasenspitz sitzt. Ein laues Lüftchen – dufte und schmuck in der Konsistenz -, das Aroma frisch gemähten Grüns tragend, weht mir durchs Gemüt. Das Lüftchen trägt die Melodien des Eric Constantin: Der 27-Jährige „Good Guy“, der seine Chansons von der ersten bis zur letzten Note anscheinend ausschliesslich nur bei guter Gemütsverfassung einsang, verbreitet gute Laune. Auch wenn er hie und da einen Seufzer einstreut, der zwar eher wie das sinnliche Kosten edlen Whiskeys als ernsthafte Jammerei klingt, vermögen Dunkelheit oder Bedrückung ihre Banner nicht über meinem Cowboyhaupt aufzuspannen. Das wäre auch schade gewesen, denn Eric Constantin ist der Bilderbuchtyp jenes Jungspunden, dem die Sonne aus dem Arsch scheint. Wer also unter Liebeskummer leidet, sollte vielleicht nicht gerade zum Erstling des jungen Chansonniers greifen. Denn dafür versprüht dieser zu sehr Lebensbejahung und könnte im schlimmsten Fall kontraproduktiv wirken. Zu diesem Zweck bietet sich Mann oder Frau wahrscheinlich eher Jaques Brel. Oder Stephan Eicher. Wie auch immer, hier gilt: Jedem das Seine. Dieses Debüt kann als gelungen gebrandmarkt werden, ohne grössere Zweifel. Kritikpunkte, namentlich der teilweise etwas unberechenbare, quirlige Gesang und die stellenweise monoton plätschernde Gitarrenbegleitung, könnten in manch musikalischem Ohr auch gerade umgekehrt als Stärken erklingen. Aber auch hier gilt: Jedem das Seine. Ich jedenfalls stelle jetzt nochmals Song 9 ein („L’étoile déchue“), gehe nach draussen, lasse mich wieder in meine Liege vor der Holzhütte fallen, winke der hinter den grünen Hügeln verschwindenden Sonne mit einem verschmitzten Lächeln zu, setze mir einen Original-James-Dean-Cowboyhut auf (sic!) und stecke mir eine Marlboro an.