Erich Constantin bringt schon wieder ein neues Ich
Text: Ko:L
Bilder: Ephraim Bieri
Sein Slot ist gewiss kein einfacher: Eric Constantin eröffnet am Samstag den letzten Festivaltag des diesjährigen Rock oz Arènes in Avenches in der glühenden Sonne... Trotzdem schafft es der Mann mit der Gitarre, eine beachtliche Zuschauermasse anzuziehen – und zu begeistern! Er ist da, um mit seinem Publikum unterhaltsame dreiviertel Stunden zu verbringen. „Mit meinen Musikern dieses Konzert spielen zu können ist, grossartig“, erklärt Eric vor der Show. Der Musiker aus dem Unterwallis ist gut gelaunt, bereits den Soundcheck hat er mit viel Routine und guten Vibes hinter sich gebracht. „Natürlich habe ich lange davon geträumt, an einem Festival wie dem Rock oz spielen zu dürfen“, sagt er im zweiten Anlauf – nachdem auf die Frage, was es ihm bedeute, in Avenches zu spielen, mit einem Lachen auf den Stockzähnen geflachst hatte: „Nichts, das ist für uns völlig normal“.
Der Mann steht mit beiden Beinen fest am Boden und weiss, wo er hin gehört – und welche Musik er machen will. „Es hat fünf, sechs Jahre gedauert, bis ich am Punkt war, an dem ich sagen konnte, ok, ich würde meine CD auch kaufen, ohne mich zu schämen.“ Im März 08 brachte Eric Constantin „Un autre moi“, eine gelungene Gratwanderung zwischen Country, Folk und Singer-Songwriter. „Ich bin habe die Länder noch nie bereist, aus denen die Musik, die ich mache, kommt“, gesteht er. Aber es sei wohl schon so, dass ihn seine Walliser Heimat in vielerlei Hinsicht inspiriere. „Es gibt Gegenden im Wallis, die landschaftlich sehr nahe an Schottland oder Irland sind“, weiss Eric, „und diese können enorm inspirierend sein.“ Handkehrum könne die Enge des Bergtales einem irgendwann auch nerven. „Dann sehnst du dich nach Weite und diese Sehnsuncht wirkt sich zweifellos auf da musikalische Schaffen aus!“
Und: Seine Herkunft hat Eric Constantins musikalischen Werdegang beeinflusst. Aufgewachsen ist er mit dem Sound von Glen of Guinness, um die Ecke wohnt Paul Mc Bonvin; beide fischen musikalisch im selben Teich, wie Eric Constantin es heute auch tut. „Ich glaube, bei uns im Wallis wird man schon als Kind sehr früh mit Musik vertraut gemacht, Musik bedeutet gute Laune“, erklärt Constantin. „Viele Kinder und Jugendliche spielen auch in Blasmusiken – und schlagen dann vielleicht auch neue musikalische Wege ein.“ Er selber spielte zwar nicht in einer Blasmusik, hat aber, wie er erklärt auch eine musikalische Wandlung durchgemacht: „Ich hörte früher fast nur Rock, vor allem auch wegen meinem Onkel, der hier in Avenches übrigens Ansager ist.“ Doch irgendwann war Rock nicht mehr genug für den jungen Musik-Fan; plötzlich gewann die folkige Seite von Bruce Springsteen an Gewicht und Männer wie Bob Dylan oder Johnny Cash kamen ins Spiel...
So ist Eric Constantin heute soweit, dass er am 13. Oktober, nur anderthalb Jahre nach dem Release seines Debut-Albums, den zweiten Longplayer an den Start schickt. „Zwischen dem Abschluss der Aufnahmen zum ersten Album und dessen Veröffentlichung vergingen einige Monate, in denen schon wieder neue Songs entstanden sind“, berichtet Eric. Zudem hat er nach dem Erscheinen von „Un autre moi“ bald gemerkt, dass sein Studio-Sound und sein Live-Sound nicht immer vergleichbar sind. „Deshalb hatte ich den Wunsch, bald ein neues Album zu machen, dass die Energie, diese Power und Freude, die ich verspüre – und hoffentlich auch versprühe – wenn ich mit der Band spiele, transportiert.“ Getauft wird das neue Baby am 17. Oktober im Nouveau Monde in Fribourg und dann geht's los auf eine kleine Clubtour durch die Schweiz. „Ich hoffe, dass wir auch in der Deutschschweiz ein paar Konzerte spielen können. Es gibt da nämlich ein paar Klubs, die frankophone Musik schier besser präsentieren, als Klubs hier in der Romandie“, weiss er.