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Et Also - De schmal Grat / De Breitegrad, DCD (S1ZE/Hiphop remainz)

Texte: Monthy
Bild: Cover
Der schmale Hans oder der grosse Wurf?

De schmal Grat

Er sieht - zumindest mit Brille - ein bisschen wie Stress aus. Trotzdem spricht sich Et Also aber nicht französisch aus, sondern genauso wie geschrieben. Also: "Ett Also"... Sprechen ist denn auch gleich die halbe Miete des Zürcher Rappers mit dem sonnigen Herzen. Nach einer initialen Debut-EP ("Jetzt da") ist Et offensichtlich auf den Recording-Geschmack gekommen oder hat sich einen Abramowitsch aufgerissen. Deshalb setzt er nun mit einer doppelten CD aufs Pferdchen mediale überschwemmung - wenn auch zu Gunsten des Hörers. Die erste CD ist voll von Mundart Rap mit abwechslungsreicher Beschallung, extrem flüssig gerappten Choruslines und emotionaler Intelligenz in den Texten. "Daischerja" wäre ein solches in jeder Hinsicht gelugenes Beispiel. Et Also überzeugt von Track 1 ("i-Blick") bis 16 ("us-sicht") mit Konzept und der überlegenheit des nicht mehr ganz jungen Künstlers. Er wird nicht langweilig, nie stereotyp und verwehrt sich blinder Prinzipientreue, die sonst so konzipierten Alben oft anhängt. Highlights der konsequent gerappten ersten CD sind gänsehautfördernde Bässe, schräg-reduzierte Melodien, Tempofestigkeit in beide Richtungen und dass Et Also die richtigen, weil eigentlich lebenswichtigen Fragen stellt -"Ab wänn isch mer riich?" Wenn er dazu dann Antworten liefert, tut er das ohne Pathos, moralischen Zeigefinger oder zur Schau getragene Besserwisserei. Vielmehr spricht er immer das Menschliche in uns an. "Bliibet locker - mir sind alli nume Rocker vom Kapitalismus..." Et Also reisst mit und erstaunt mit einem Selbstbild, das scheinbar auch verhindert, dass zuviel Betonung aufs Ich fällt. Defensives Representing sozusagen, das mir allerdings deutlich mehr imponiert als tumbes Maulaufreissen. Wer diese CD in sein Ohren-Portfolio integriert, kann - momentan noch gerade - behaupten, für einen der wenigen Geheimtipps im Schweizer Hiphop, der nach dem enormen Boom der letzten Jahre schon auch mal etwas Sperrgut an die Strände spült, zu fanen. Und Anspruch darf ja nicht nur der Künstler haben, oder? - Jedenfalls hier...

De Breitegrad

Zum Auftakt des zweiten Albums scheint Et Also erstmal fast breiter als sein Grad... Er erklärt darin seine Motivation zur Doppel-CD, vereinfacht dass ein Rap-Album alleine nicht genügt hätte. Die sängerischen Fähigkeiten lässt er dabei aussen vor, was aber kein ärgerniss ist, sondern eher witzig. In der Folge kehren Et Also und Kollegen (ua Bös Guet, Eus, Seta, Chris Obasi, Morphbeatz) zu einem mal mehr mal weniger gerappten Singsang über Reggae- und Dancehall-Sounds zurück. So wird das auf dem schmalen Grat noch sehr schwere "Ab wänn isch mer riich?" zum luftigen Hiphop-Song über A-Capella - wann hat's denn das schon mal gegeben? Vor den etwas relaxteren Karibik-Beats fällt der inhaltlich opulente Rhyme-Style des Kollektivs noch mehr auf. Nicht selten reimen sich da zwei oder gar drei Silben eines Wortes auf das nächste. Immer wiederkehrendes Thema der Songs ist wie gut es uns eigentlich geht, was uns selbst aber gar nicht richtig bewusst ist. Treffend ausgedrückt ist diese 1. Welt-Schizophrenie im Song "Wohlstandsblues". Es sind viele verschiedene Faktoren, die den Zürcher so echt machen. Eine kleine Auflockerung bietet beispielsweise ein von einem Kind eingesprochenes Intro, wahrscheinlich Et Also's Sprössling, was jedenfalls gut passen würde. Einem ganz jungen "Schnuufer" würde ich nämlich längst nicht alle Aussagen abnehmen, die Et Also mit viel Punch, Style und Sex Appeal in der Stimme nonchalant kundtut. Tip für getresste Ohren: die Background-Vocals in "Kei Luscht" - erinnern irgendwie an die Sirenen-Badenixen in "Ou brother where are thou?" von den Coen-Brüdern.

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5/23/2012 4:04:45 AM Administrator
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