Famara braucht auch mal Pause
Thomas Nikles, so heisst Famara mit ursprünglichem Name, wuchs als Sprössling einer Fabrikantenfamilie im Baselland auf. Seinen ersten musikalischen Kontakt hatte er bereits 1984: Er nahm an einem Perkussion-Workshop teil. Auf die Frage, ob er damals schon gewagt habe davon zu träumen, jemals einen solchen Erfolg in der Musikbranche zu haben, äussert er mit einem schüchternen Lächeln: „Nein, aber wirklich absolut nein. Das hat man dort nicht ahnen können.“ Seine erste eigene Single erschien erst 1997, «Sunshine Bubbler», und somit startete auch seine Karriere. Kurze Zeit später reiste er nach Gambia und trat an der Unabhängigkeits-Feier Gambias vor 15`000 Zuschauern auf. Bereits damals wurde er dort als „Swiss Reggae Star in Town“ bezeichnet. „Dieses Original-Zeitungsblatt habe ich noch immer zu Hause und lese es immer wieder gerne“, erzählt er am Thunfest. „Da kann man wirklich sagen, ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Schweiz und Afrika - da liegt die Frage nahe, ob er einen Unterschied beim Publikum bemerke: “Ja klar, das sind ganz andere Emotionen, andere Vibrationen. Wir sind hier auch in Mitteleuropa und nicht in Westafrika. Dort sind die Leute unglaublich begeisterungsfähig, schon wegen kleinen Bagatellen - dort musst du gar nicht so viel machen und die Leute sind begeistert. Jedoch hier in der Schweiz braucht es etwas mehr.“
Am Thunfest spielte Famara den zweiten Gig am selben Abend; zuerst stand er in Basel auf der Bühne. Die Aufgabe in Thun war keine leichte – er musste im strömenden Regen noch einmal Vollgas geben, um das Fest würdig abzuschliessen. Woher er wohl die Power nimmt, zwei Konzerte an einem Abend zu spiele? „Keine Ahnung“, sagt er vor dem Konzert in Thun, während Wurzel5 auf der Bühne alles geben. „Aber wenn ich diesen Applaus im Hintergrund höre, hoffe ich, dass die Leute noch etwas bleiben.“ Doch Famara gesteht auch: „Ich bin ehrlich gesagt schon etwas ausgelaugt durch den letzten Gig und auch durch die Autofahrt durch den strömenden Regen. Zum Glück ist es beim Reggae so, dass man auch mit etwas weniger Druck und Tempo fahren kann. Es geht mehr darum, dem Publikum den Groove zu vermitteln.“ Und auf einmal war die Hoffnung da, dass Famara am Ende der Konzertreihe dieses Festes doch noch die lang ersehnte Wetter Besserung bescheren kann… „Es ist egal, wenn es voll schifft“, sagt der Basler. „Es sind ja glaub ich mehrheitlich junge Leute da vor der Bühne. Ich denke, wenn man mich gut annimmt kommt es gut, auch trotz Regen.“ Als Famara dann um nach 1 Uhr die Bühne betritt, ist die Berntorgasse noch immer reichlich gefüllt. Es scheint, als wollte das Publikum die Sonne ins Herz holen, wenn Petrus nun schon den ganzen Abend am weinen ist. Rhythmisch wurde der Hintern hin und her geschwenkt und die feuchten fiesen Regentropfen für einen kurzen Moment vergessen.
Im letzten Mai kam das sechste Album von Famara, „The Sound of Famara“, auf den Markt. Dieses Album wird als tiefes persönliches Werk beschrieben. „Ja es ist ein persönliches Werk. Der Vorteil liegt darin, dass man Songs findet welche noch nirgends veröffentlicht wurden. Es ist zusammengemixt aus solchen unveröffentlichten Songs und einigen meiner Lieblings Songs - deshalb mach für mich dieses Album auch Sinn. Es ist mehr als nur ein Best-of-Album, es ist einiges mehr. Man findet Songs aus der Vergangenheit, über aktuelle Songs bis hin zu neuen Songs auf diesem Album“.
In der näheren Zukunft will Famara nun einfach Konzerte spielen. Doch er sagt auch: „Klar, neue Pläne hat man immer im Hinterkopf. So ist ein neues Album für frühestens nächstes Jahr geplant.“ Der Basler berichtet auch, dass er sich von Weihnachten bis Februar eine kleine Auszeit gönnen wird, ein wenig verreisen, um Energie zu tanken. „Es ist wichtig dass ich bei Kräften bin, um dem Publikum das zu geben, was es von mir erwartet. Diese Kraft schöpfe ich in dieser Pause. Ab März 2011, so hoffe ich, sind wir wieder unterwegs und ich hoffe das wir auch nächstes Jahr die Saison wieder in der alten Taverne in Adelboden beginnen können.“